AKTUELL IM KINO

Es war einmal in Deutschland

Bild (c) 2017 X-Verleih.

Es ist ein Thema, das im Kino bislang unbeleuchtet blieb: Wie sah das Leben von Juden aus, die die Shoah überlebt hatten und sich nach Kriegsende in Deutschland aufhielten? Es waren nur wenige Tausend, fast alle wollten nach Amerika auswandern oder nach Palästina. Bis dahin lebten sie in den zerstörten deutschen Städten, mitten unter Mitläufern.

Moritz Bleibtreu („Lommbock„) spielt einen von ihnen. Der charmante Schlawiner David Bermann will aus Frankfurt verschwinden, braucht dafür Geld. Mit sechs anderen Juden zieht er eine Vertretertruppe auf, die der deutschen Haus- und Trümmerfrau edle Wäsche verkaufen will. Doch er gerät auch ins Visier der Besatzungsmacht: In Verhören durch die US-Agentin Sara Simon (Antje Traue, „Kundschafter des Friedens„) soll er seinen Sonderstatus im KZ erklären. War er ein Kollaborateur?

Der Märchentitel des Films macht klar: Das hier ist ein Schelmenstück. Im Mittelpunkt steht das findige Tricksen der Hausierer, und ihre Anekdoten an den Hausfrauen-Haustüren sind hochamüsante Beispiele für jüdischen Humor. „Hitler ist tot, wir sind es nicht„, sagt Bermann, und bald schon wird klar, dass es sein Talent für wilde Stories war, das ihn den Holocaust überleben ließ.

Der belgische Regisseur Sam Garbarski, der mit Bleibtreu auch „Vijay und ich“ drehte, adaptiert hier gleich zwei Romane von Michel Bergmann und kommt deshalb in die zeitliche Bredouille. Außer Bermann wird kaum eine Figur vertieft, weshalb die Portion Tragik, die später auf die anderen Hausierer verteilt wird, kaum Wirkung entfalten kann.

Auch nervt die typische Kulissen-Ästhetik europäischer Co-Produktionen: Alle Ruinen sehen aus wie frisch abgestaubt, die Fundus-Klamotten sind ordentlich gebügelt. Natürlich wurde erneut in Görlitz gedreht. Die ostsächsische Gemeinde muss inzwischen ja alle anderen Städte doubeln. Das Flair der Großstadt Frankfurt am Main nach der grausamen Auslöschung ihrer jüdischen Bevölkerung vermittelt sich jedenfalls nicht. So bleibt am Ende auch Enttäuschung zurück: Das spannende Thema hätte Ambitionierteres verdient gehabt als einen soliden Schmunzler mit generischer Träne im Knopfloch.

 

Kritikerspiegel Es war einmal in Deutschland ...



Gian-Philip Andreas
Westfälische Nachrichten
6/10 ★★★★★★☆☆☆☆ 


Frank Brenner
choices, FRESH, etc.
7/10 ★★★★★★★☆☆☆ 


Christian Gertz
nadann... Wochenschau, mehrfilm.de
5/10 ★★★★★☆☆☆☆☆ 


Durchschnitt
6/10 ★★★★★★☆☆☆☆ 


 

 

 

 



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