KRITIK

Es

Filmplakat zum Film "Es" von Andy Muschietti mit einem kleinen Jungen von hinten vor einer schwarzen Wand.

Bild (c) 2017 Warner Bros. Pictures Germany.

Im letzte Jahr häuften sich im öffentlichen Raum Sichtungen sogenannter Horror-Clowns: Es war die gezielte Umcodierung der tapsigen Zirkusfigur zur weißgepinselten Gruselgestalt. Als Inspiration des makabren Scherzes wurde immer wieder eine literarische Figur genannt, die sich der US-amerikanische Schriftsteller Stephen King im Jahr 1986 ausgedacht hatte: Pennywise, der tanzende Clown aus seinem ziegelsteindicken Bestseller „Es“.

Der schreckliche Spaßmacher, der im Roman die Kinder einer nordenglischen Kleinstadt terrorisiert und sich als gestaltwandelnde, personifizierte Angst maßgeschneidert materialisieren kann, zählt zu den unheimlichsten literarischen Erfindungen der letzten Jahrzehnte. Eine erste Fernsehverfilmung (von 1990) gilt als gescheitert, umso fiebriger war daher die Kino-Erstverfilmung durch den Argentinier Andy Muschietti („Mama“) erwartet worden. Umso schöner nun, dass diese Verfilmung geglückt ist – vor allem, nachdem eine andere Romanverfilmung, „Der dunkle Turm“, die King-Fans unlängst enttäuschte.

Szene aus dem Film "Es". In einem Torbogen einer Backsteinwand sitzen junge Kinder und leuchten mit einer Taschenlampe auf ein Gemäuer. Muschietti bringt die zwei wichtigsten Ebenen des Romans überzeugend auf die Leiwand: erstens das Porträt einer in Freundschaft verbundenen Gruppe von Außenseiter-Kindern im Sommer einer ganz normalen Kleinstadt, das in vielem an die TV-Serie „Stranger Things“ erinnert, die sich selbst deutlich auf den King-Kosmos bezog; zweitens die Visualisierung der Albtraumszenarien, in die Pennywise (Bill Skarsgard) die Kinder stürzt. Vom lebendig werdenden Gemälde über infektiöse Zombies bis zu menstruationssymbolischen Blutfontänen geht es da tief in die Psyche der Heranwachsenden.

Erwachsene kommen fast nur als Negativgestalten vor: brutal und übergriffig. Nach der Schilderung all dieser Schrecken wirkt der Showdown in der Kanalisation, in der die Kids gegen „Es“, den dämonischen Clown, in den Endkampf gehen, fast wie ein Anhängsel.

Szene aus dem Film "Es". Clown Pennywise hält einen verlockenden roten Luftballon in den Händen und grinst.Muschietti verzichtet auf die im Buch angelegte Rahmenhandlung, in der die Kinder als Erwachsene noch einmal gegen „Es“ antreten müssen. Das erfahrene Autoren-Trio Cary Fukunaga („Beasts of No Nation“), Chase Palmer und Gary Dauberman („Annabelle“) hatte das Geschehen in die 80er Jahre verlegt. Von den tollen Kinderdarstellern überzeugen vor allem Jaeden Lieberher als um seinen Bruder trauernden Bill, „Stranger Things“-Star Finn Wolfhard als dauerquasselnder Richie – und Newcomerin Sophia Lillis als taffes Missbrauchs-Opfer Beverly. Sie ist fraglos eine der größten schauspielerischen Entdeckungen dieses Kinojahres. Sehenswert und nicht verpassen!

 

 

 

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