KRITIK

Epsteins Nacht

Epsteins Nacht Regisseur Urs Egger, der sich besonders mit der Fernsehverfilmung von Josef Haslingers furiosem Kriminalroman „Opernball“ einen Namen gemacht hat, versagt leider ausgerechnet im Moment der alles entscheidenden Konfrontation in der Kirche vollends. Wo sich eine beklemmend diffizile Wahrheitssuche hätte entwickeln können, wo die späte Begegnung zwischen den KZ-Überlebenden und einem Erfüllungsgehilfen der Nazi-Diktatur zeitlose Fragen nach Schuld und Vergebung hätte aufwerfen müssen, da inszeniert Egger passagenweise eine verspottenswerte Räuberpistole. Wenn man sich daran erinnert, wie erschütternd subtil etwa Roman Polanski in seiner Ariel-Dorfman-Adaption „Der Tod und das Mädchen“ den Psychokrieg zwischen einem vermeintlichen Folterer und einem vergangenheitswunden Opfer vorantrieb, verärgert diese Farce geradezu. Nicht nur lässt der unter falschem Namen lebende Priester nach Belieben seine Maske fallen, nein, er muss hernach auch noch peinlich oberflächliche Phrasen über die Pflichterfüllung herunterbeten.
Hätte Egger nicht grandiose Schauspieler gewonnen, dürfte man „Epsteins Nacht“ getrost vergessen. So aber fasziniert zumindest die Leistung von Mario Adorf, Bruno Ganz und Otto Tausig, denen ein Werk vom Format des DEFA-Klassikers „Die Mörder sind unter uns“ zu gönnen gewesen wäre. Patrick Wildermann



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INHALT

Jochen Epstein wird aus dem Gefängnis entlassen, in dem er 15 Jahre wegen Mordes eingesessen hat. Er ist entschlossen aus Deutschland auszuwandern und die Vergangenheit für immer hinter sich zu lassen.
Doch vertraute Orte, verdrängte Erinnerungen und eine nie vergessene Freundin sprengen den Panzer, den der alte Mann um sich aufgebaut hat. Alles begann in seiner letzten Nacht in Freiheit: Beim zufälligen Besuch eines christlichen Gottesdienstes glaubt Epstein in dem Gemeindepriester seinen ehemaligen KZ-Peiniger Giesser zu erkennen.
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Eure Kritiken zu Epsteins Nacht

  1. Iris

    Nicht verpassenIch kann die Meinung des Kritikers hier nicht ganz teilen. Für mich ist kino in erster Linie die Bebilderung einer interessanten Geschichte mit überzeugenden Darstellern. Das ist hier der Fall und deshalb ist der Film absolut sehenswert.

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