KRITIK

Engel und Joe

Engel und Joe Regisseurin Vanessa Jopp, die mit ihrem melancholischen Ostalgie-Roadmovie „Vergiss Amerika“ ein beachtliches Debüt inszenierte, entwickelt sich allmählich zur Sozialbeauftragten des bundesdeutschen Sorgenkinder-Kinos.
Zwar erscheint „Engel und Joe“ etwa verglichen mit dem thematisch durchaus verwandten, jedoch weitaus kitschigeren Schandmauer-Melodram „Wie Feuer und Flamme“ angenehm unprätentiös, indes strotzt ihr Junkie-Drama, das auf einer Reportage des „Kinder vom Bahnhof Zoo“-Autors Kai Hermann basiert, derart vor Elendsanspruch und Milieutristesse, dass die dazwischen behaupteten Ewigkeits-Gefühle bisweilen kaum nachvollziehbar wirken. Zudem verwechseln Jopp und ihre Kamerafrau Judith Kaufmann nicht selten dokumentarische Authentizität mit Dogma-Gewackel und heulendes Fixer-Elend mit ästhetisiertem Rotz-und-Wasser-Geschniefe.
Es scheint, als habe sich die Regisseurin diesmal zuviel vorgenommen. Die Hauptdarsteller Robert Stadlober und Jana Pallaske aber lassen vieles an Kritik vergessen. Stadlober, der Benjamin aus „Crazy“, und Pallaske, die in „Alaska.de“ einprägsam debütierte, zählen zweifellos zu den vielversprechendsten Schauspielern ihrer Generation. Patrick Wildermann



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INHALT

Der junge, blondsträhnige Struwwelpunker Engel, der seinen beurkundeten Taufnamen irgendwann vergessen hat, und die hübsche, rehäugige Ausreißerin Joe, die eigentlich Johanna heißt, sind stürmisch und auch gleich unsterblich ineinander verliebt, obschon sie sich erst wenige Stunden kennen.
Doch die Zufallsbegegnung der seelenverwandten Outsider auf der Kölner Domplatte, wo sich Engel inmitten seiner Irokesen-Kumpels die Zeit mit flotten "Haste mal 'ne Mark"-Varianten vertreibt und Joe ihrem ausgebüxten Hund Rasta nachjagt, hat ausgereicht, um augenblickliche Anziehung in herzzerreißende Hochgefühle zu verwandeln. Aber leider wird dem jungen Glück eine ganze Kiesgrube voller Stolpersteine in den Zukunfts-Weg geschüttet, schon allein, weil sich beider Chaos-Biographien wie modernisierte Charles-Dickens-Rührstücke lesen.
So kämpfen Engel und Joe gegen Kindheits-Traumata und Drogenabhängigkeit, haben Geldsorgen, bekommen ein Kind und landen beinahe endgültig in der Gosse. Und dabei träumen sie doch eigentlich von der Freiheit der Berge.
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