KRITIK

Elsa und Fred

Elsa und Fred Fred ist 78, stets korrekt gekleidet und sehr still. Außerdem ist er traurig, weil seine Frau vor wenigen Monaten starb. Jetzt wird er von seiner ewig überspannten Tochter in eine neue Wohnung in Madrid verpflanzt, in der er seinen Lebensabend absitzen soll. Eigentlich hätte er gar nichts dagegen, schließlich mag er es ja so: geordnet, traditionell und, nun ja, auch eingefahren.

Elsa ist – angeblich! – jünger als ihr neuer Nachbar Fred, auf jeden Fall aber sein komplettes Gegenteil. Sie mag das Unberechenbare, plant Dinge, die sie dann spontan wieder verwirft und scheut sich nicht, auch mal die Unwahrheit zu sagen. Um genau zu sein: Eigentlich sagt die Argentinierin sehr oft die Unwahrheit, aber das ist bald egal. Denn ihre Stimmungen und Emotionen sind immer impulsiv und trügen nicht. Wer will da nachfragen, ob sie ihren Ex-Mann zuerst betrog (mit einem liebevollen und „nützlichen“ Stripper in London) oder ob der Gatte schon vorher untreu war?

„Harold & Maude“, „Harry & Sally“, „Susi & Strolch“: Die Filmgeschichte ist reich an ungleichen Liebespaaren, und der spanische Regisseur Marcos Carnevale fügt ihr mit „Elsa & Fred“ ein weiteres hinzu. Denn schnell ist klar, dass der stille Hypochonder und die Chaos-Greisin füreinander geschaffen sind. Zumindest noch für ein paar Monate. Da die Protagonisten im hohen Alter sind, ist auch die Stimmung vorgegeben: Bei aller altersweisen Kauzigkeit blickt bis zum melancholischen Finale auch immer mal der Tod ums Eck.

Carnevale inszeniert seine gerontophile Romanze nicht spektakulär, schafft es aber, das Figurenensemble mit wenigen, klaren Strichen lebendig auszuformen. Von Elsas vekrachtem Künstlersohn, der gruselige Bilder („Explosion des Leids“) auf erfolglosen Vernissagen präsentiert bis zum verbitterten Ex-Mann, den Argentiniens Kinostar Federico Luppi („Machuca – mein Freund“) spielt.

Wie aber die exaltierte uruguayanische Leinwandlegende China Zorrilla zusammen mit Manuel Alexandre das liebesbefeuerte Lebensfinale über die Bühne bringt, das ist hier die größte Schau. Am Ende geht’s von Spanien nach Rom, wo die beiden die berühmte Szene aus Fellinis „La Dolce Vita“ nachspielen, mit Anita Ekberg und Marcello Mastroianni des Nachts im Trevi-Brunnen. Samt Katze und Milch. Da taucht Regisseur Carnevale die Leinwand sogar für einen Moment in Schwarzweiß. Hach!



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INHALT

Elsa, die behauptet 77 Jahre alt zu sein, ist ein Teenager "in altem Kleid". Sie ist frech, temperamentvoll, von umwerfendem Charme und lügt, wenn sie den Mund aufmacht. Fred, eigentlich Alfredo, ihr neuer Wohnungsnachbar, ist tatsächlich 78, gerade Witwer geworden, hypochondrisch veranlagt und eher etwas scheu. Wie ein Wirbelwind bricht Elsa in sein Leben ein, entschlossen, die wertvolle Zeit, die ihr noch bleibt, mit der Liebe ihres Lebens zu genießen. Es verlangt etwas Einsatz, wilde Entschlossenheit und eine ordentliche Portion Mut, aber die beiden verlieben sich ineinander. Wird sie ihren lang gehegten Traum verwirklichen und wie Anita Ekberg in der berühmten Szene von "La dolce vita" ihren Geliebten in der Fontana di Trevi umarmen?
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Eure Kritiken zu Elsa und Fred

  1. Manni

    Ein sehr guter Film, berührend und erheiternd, klasse!

  2. Mosel

    in Klassiker, schon jetzt! Nicht verpassen!

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