KRITIK

Elizabethtown

Elizabethtown Freiheit und Liebe. Das sind die Elemente, die einen Cameron Crowe Film kennzeichnen. In seinem Erstling „Singles“ ging es um freie Liebe, in seinem herausragenden „Jerry Maguire“ um Liebe und Freiheit, in seinem autobiographischen „Almoust Famous“ um die Liebe zur Musik und nun in „Elizabethtown“? Hier geht es um Liebe, um Freiheit und um Musik.

„Elizabethtown“ will alles sein, Romanze, Drama, Musikfilm und Roadmovie. Und „Elizabethtown“ ist von allem etwas. Crowes neuer Film ist ein kleines Sammelsurium aus früheren Crowe Filmen. So voll gepackt, dass man zum Schluss, als Hauptdarsteller Orlando Bloom in der Rolle des Drew mit seinem Auto und dem Soundtrack seines Lebens die Straße der Liebe entlang fährt, froh ist, das hoffentlich irgendwann das Ziel erreicht wird. Genau dann ist Elizabethtown aber auch ein wunderbar amerikanischer Film. So amerikanisch, dass wohl auch der ärgste Amerikahasser mit Amerika versöhnt werden könnte. Passend dazu kommt Crowes besonderes Markenzeichen zum Vorschein, die Zusammenstellung eines gleichwohl musikhistorisch bemerkenswerten wie auch zielgruppenorientierten Soundtracks. Das Clip- und Episodenhafte Elizabethtowns wird unterstrichen von einer Vielzahl an Musikstücken, die besonders die Reise am Ende des Films bestimmen.

Und vorher? Die Story ist simpel. Junger Mann verliert seinen Job, seinen Stolz, erfährt vom Tod seiner Vaters und verliebt sich auf der Reise in eine Stewardess. Doch was hier so einfach klingt, ist mit viel Pomp und Patriotismus jedoch keineswegs langweilig und uninteressant verpackt. Regisseur Cameron Crowe arbeitet mit Gegensätzlichkeiten. Insbesondere was Personen angeht. Immer wieder sind seine Personen Getriebene im falschen Umfeld. Selbst den Namen der Stadt, in der Vater Jessie beerdigt werden soll, richtig auszusprechen, fällt der Hauptfigur Drew sichtlich schwer. Er macht sich lustig über den Ort, der Heimat seines Vaters war.
Doch, Augen auf, Hilfe naht. Und hier beweist Regisseur Crowe einmal mehr sein außerordentliches Talent in der Inszenierung weiblicher Protagonistinnen. Wie schon Kate Hudson in „Almost Famous“, ist nun Kirsten Dunst ein absoluter Sympathieträger des Films. Kirsten Dunst, oder Claire wie sie im Film heißt, wird zwar erst später eingeführt und spielt in der gesamten ersten Hälfte des Films nur eine untergeordnete Rolle, doch sie ist der Motor des Films. Zwischendurch trifft Drew, so die Hauptfigur, auf das ominöse, letztlich durchgeknallt-sympathische Brautpaar Chuck und Cindy und jede Menge begeisterter Anhänger seines Vaters, der in der Kleinstadt fast den Status eines Idols genießt. Mit vielen Verwandten macht er erstmals richtig Bekanntschaft und im Hintergrund wirkt die zunächst fast aufdringliche Claire wie ein Integrationsmodul und Lebenselixier.

Man kann diesen vielschichtigen Film natürlich auch völlig anders sehen: als genialisches Vergnügen, als wilde Achterbahnfahrt zwischen Lachen und Weinen, als Traum von Film, der eine Welt eröffnet. Wie rasant und zugleich elegant der junge Drew (Orlando Bloom) aus seiner Firma gekickt wird, vom grausigsanft-sarkastischen Konzernchef (Alec Baldwin) höchstpersönlich! Wie turbulent verrückt dann die amerikanische Hinterland-Mischpoke, furios angeführt von Drews steptanzsüchtiger Mutter (die lustigste Witwe der Welt: Susan Sarandon) den Vater verabschiedet. Es gibt große Momente. Doch große Momente machen noch keinen guten Film.
Nein, Elizabethtown ist viel von allem aber auch von allem zu viel.



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INHALT

Drew Baylor hat einen gut bezahlten Job und eine Affäre. Als er beides verliert, ist sein Leben nichts weiter als ein Trümmerhaufen. Warum es also nicht gleich beenden? Kurz bevor er seinem Leben ein Ende setzt, schlägt das Schicksal erneut zu. Drew erhält die Nachricht vom Tod seines Vaters. Damit gibt es wieder eine Aufgabe. Und so bucht er kurzerhand den nächsten Flug in die Vergangenheit, um den letzten Willen seines Vaters zu erfüllen. Die Reise nach Elizabethtown gestaltet sich als Flug in eine neue Zukunft. Hals über Kopf verliebt er sich in die Flugbegleiterin Claire Colburn: Und als er diese kurz darauf wieder trifft, erkennt er, wie sich Glück anfühlt.
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Eure Kritiken zu Elizabethtown

  1. Nickleodeon

    Toll, wie hier Orlando Bloom einmal etwas ganz anderes als seinen Legolas zum Besten gibt und über das Leben siniert. Mir hat der Film gefallen, weil man mitleidet, mitfährt, ja mitlebt. Die Musik ist klasse, das war klar. Die schausp. leistungen sind es auch. Hätte noch länger laufen können.

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