KRITIK

Eldorado

Eldorado Filme aus Belgien. Da geht die Vorfreude meistens erst einmal in den Keller. Warum? Schüler mobben Schüler (BenX), eine Hochzeit wird gesprengt (Die Bluthochzeit), Kinder werden vernachlässigt (L´Enfant) und überhaupt gibt es nur wenig filmisch Amüsantes aus Belgien, wenn man nur an die tristen Filme der Dardenne Brüder (Lornas Schweigen) denkt… Wen wundert´s, dass auch für den Komiker und Regisseur Bouli Lanners Belgien ein Land ist, in dem jeder schuldig wird – auch wenn er/sie vielleicht nur jemandem anderen helfen will. Ein Land, in dem die Härte der Väter die Söhne in die Drogensucht treibt, in dem Hunde gefesselt von Autobahnbrücken geworfen werden und Campingplätze zu schaurigen Geisterschauplätzen verkommen. Eine Erlösung ist stets nicht in Sicht. Lanners´ Film eine Komödie zu nennen käme demnach einer Beleidigung des Genres gleich. Deshalb heißt es hier auch vorsichtiger: Ein schräg, absurd komisches Roadmovie.

Dass dieser Film dennoch – mehrfach ausgezeichnet (Cannes 2008) – viele rührende Momente hat und zumindest zum Schmunzeln anregt ist das Verdienst der beiden Hauptdarsteller Bouli Lanners (zudem auch Drehbuch und Regie) und Fabrice Adde. Der hagere Fabrice Adde als Elie und der bärbeißige, wohlbeleibte Bouli Landers als Yvan sind eines dieser unwahrscheinlichen Paare des Kinos: der eine ein abgebrannter Junkie, der behauptet, keinen Stoff mehr anrühren zu wollen. Der andere ein Automechaniker, der einen Chevrolet fährt, der als wandelnder Anachronismus viel zu viel Sprit verbraucht. Kennen gelernt haben sie sich, als Elie in Yvans Haus eingebrochen ist. Und weil der eine zu unbeholfen (Elie) ist und der andere (Yvan) ein zu großes Herz hat, brechen die beiden gen Süden auf, um die Eltern zu besuchen. Auf dem Weg dorthin treffen sie auf so viele skurrile Gestalten, wie sie wohl nur in belgischen Filmen auftauchen können.

Aber Vorsicht: Bouli Lanners ist ein erkennbarer Fan der lakonischen Stimmung des finnischen Meisters der Melancholie – Aki Kaurismäki. Dialoge beschränken sich auf kurze Repliken, werden es mehr, liegt das an der Sturköpfigkeit der Beteiligten, die jedem „Nein“ ein trotziges „Doch“ entgegensetzen.



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INHALT

Yvan, nicht mehr der Jüngste, üppig und auf sich gestellt, verschachert alte Amischlitten. Als er nächtens heimkommt, stöbert er unterm Bett einen Einbrecher auf: den jungen Stromer Elie, klapperdürr und geradezu rührend unbeholfen. Eigentlich hätte er eine Tracht Prügel verdient. Aber Elie ist pleite und keiner nimmt ihn mit. Also ringt sich Yvan zähneknirschend dazu durch, ihn einmal bis an die Grenze Belgiens zu seinen Eltern zu kutschieren. Auf ihrer Spritztour durch spektakuläre wallonische Landschaften begegnen ihnen bizarre Gestalten vom Hellseher bis zum Nudisten - und wächst dem mürrischen Eigenbrötler sein Schützling wider willen ans Herz ...
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