KRITIK

Einmal Hans mit scharfer Soße

Bild (c) NFP Film.

Bild (c) NFP Film.

Hatice Coskun (Idil Üner, „Evet, ich will!“) arbeitet als Redakteurin für ein Hochglanz-Blatt in Hamburg. Als stolze Single-Frau geht die bestens integrierte Deutsch-Türkin durch ihr erfolgreiches Leben – doch immer wenn sie ihre Eltern im heimischen Salzgitter besuchen muss, wird erst der Minirock gegen langes Beinkleid getauscht und die Mitdreißigerin fühlt sich sofort in die Rolle der gehorsamen Tochter zurück verpflanzt.

Besonders ihr Vater Ismail (Adnan Maral, „Türkisch für Anfänger“) ist den Gepflogenheiten der anatolischen Heimat verpflichtet: Dass Hatice mit 34 Jahren immer noch nicht verheiratet ist, kommt für ihn einer mittelschweren Schande gleich. Als dann die jüngere Schwester Fatma (Sesede Terziyan) schwanger wird und heiraten möchte, gerät Hatice unter Druck: Traditionsgemäß darf eine jüngere Schwester erst unter die Haube, wenn die Ältere mindestens verlobt ist.

Zwar ist es durchaus erfreulich, dass deutsch-türkische Heiratsthemen hier mal nicht als bleierne Ehrenmord-Tragödie verhandelt werden, leider aber kommt diese Verfilmung eines Romans der Journalistin Hatice Akyün über seichtes Multikulti-Kuddelmuddel selten hinaus.

Szene_Hans_SosseDie überstürzte Suche der Protagonistin nach einem ehefähigen, möglichst feurigen Mann deutscher Herkunft – dem titelgebenden „Hans mit scharfer Soße“ – wächst sich zur albernen Typenparade aus, und das Spiel mit deutschen und türkischen Stereotypen verpufft angesichts Hatices Vorstellung von Emanzipation, die vor allem der Oberflächenwelt amerikanischer Glamour-Serien entlehnt zu sein scheint.

Die wenigen guten Einfälle – etwa die „geschrumpften“ anatolischen Vorfahren, die Hatice als schlechtes Gewissen im Kopf mit sich herumträgt – werden zudem nicht überzeugend umgesetzt. Da mangelt es rundherum am richtigen Timing. Das überrascht, hat Regisseurin Buket Alakus doch mit dem Krebs- und Fußball-Film „Eine andere Liga“ einst einen sehr viel besseren Film vorgelegt.

Ihr neuer Film bleibt jedoch hinter anderen deutschen Komödien „mit Migrationshintergrund“ – wie etwa dem sehenswerten „Almanya“ – um Längen zurück. Über mehr als mittleres TV-Komödien-Niveau kommt „Einmal Hans mit scharfer Soße“ nicht hinaus.

 

 

 



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INHALT

Während Vater Ismail (Adnan Maral) stolz seinen Mercedes durch Salzgitter kutschiert und Mutter Emine (Şiir Eloğlu) dazu drängt, zwischen Baklava und Börek ihre Deutschkenntnisse für den Einbürgerungstest aufzupolieren, hält er doch stur an einer alten anatolischen Tradition fest: Zuerst muss die ältere Tochter Hatice (Idil Üner) unter der Haube sein, dann erst darf auch ihre jüngere Schwester Fatma (Sesede Terziyan) heiraten. Doch Fatma ist – schon bald für jeden sichtbar – schwanger, und Hatice muss sich ihrer Schwester zuliebe mit der Männersuche beeilen. Wenn das so einfach wäre, denn ihre Vorstellungen sind klar – ein Türke darf es nicht sein, für sie kommt nur ein Deutscher in Frage. Dem aber doch bitte trotzdem nicht ganz das türkische Feuer fehlen sollte. Was jetzt schnell her muss ist ein „Hans mit scharfer Soße“ – wo aber soll Hatice den nur finden ...? (Text: NFP Film)
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