KRITIK

Ein riskanter Plan

Plakat zum Film Ein riskanter PlanIrgendetwas stimmt nicht. Ein gutaussehender Mittdreißiger checkt in ein New Yorker Nobelhotel ein. Das kostenlose Upgrade auf eine größere Suite schlägt er aus. Den hilfsbereiten älteren Pagen mit dem gegerbten Gesicht fragt er, ob es für den bereit stehenden Champagner zum Hummer mit Pommes Frites am Morgen nicht zu früh sei. Gast und Page, so wird vermutet, scheinen sich zu kennen. Rückblende. Der Fremde, so erfährt es nun der Zuschauer, ist der Ex-Sträfling Nick Cassidy. Kurz zuvor, an der Hotel-Rezeption, hatte er sich noch mit einem anderen Namen vorgestellt. Somit dürfte dann auch jedem noch so unerfahrenen Krimifan klar sein, dass das Hotel Schauplatz eines Coups wird.

Nach seinem ausgiebigen Frühstück steht Nick plötzlich auf dem Fenstersims vor seiner Suite und droht damit, in die Tiefe zu springen. Polizei und Feuerwehr rücken an. Er verlangt nach einer bestimmten Polizei-Psychologin (Elizabeth Banks). Nick kennt sie. Nach weiteren Rückblenden ist klar, dass Nick Cassidy vor einiger Zeit ein Cop war. Und zwar ein guter. Der Verkehr wurde inzwischen zum Erliegen gebracht. Die Aufmerksamkeit – auch die der Medien – die hat er. Mit dieser interessanten Eröffnung, denn bis zu diesem Zeitpunkt sind erst wenige Filmminuten vergangen, schlägt Regisseur Asger Leth zu einem interessanten Doppelspiel auf, das an die Heist- und Revenge-Movies aus den 70er Jahren und im Speziellen an die Filme von Don Siegel erinnert.

Der Australier Sam Worthington, bekannt aus Action-Blockbustern wie „Avatar“ oder „Kampf der Titanen“ schlüpft bei Leth in die Rolle des Störfaktors, die in den Siegel-Filmen so oft von Clint Eastwood („Dirty Harry“, „Flucht aus Alcatraz“) verkörpert wurde. Doch viel mehr als Clint Eastwood versprüht Sam Worthington die Aura eines Working Class Heros, der mit einem riskanten Coup Gerechtigkeit einfordert. Gerechtigkeit, um eine zurückliegende Tat ins rechte Licht zu rücken, die der Ex-Cop – und das glauben wir ihm sofort – nicht begangen hat. Nick soll einen Diamanten gestohlen haben, der im Besitz des Immobilienmagnaten David Englander (Ed Harris) war.

Szene aus dem Film Ein riskanter PlanWeil nun Worthington die meiste Zeit auf dem Fenstersims steht und mit der Polizei verhandelt, fügte Drehbuchautor Pablo F. Fenjves, dessen Fernsehvergangenheit kaum zu übersehen ist, einen zweiten Handlungsstrang hinzu. Natürlich ist der Ex-Cop in diesem Doppelspiel nicht allein: Sein jüngerer Bruder Joey (überzeugend: Jamie Bell) und dessen Freundin Angie versuchen zeitgleich, in einen Safe im Haus des Immobilienmagnaten Englander vis à vis des Hotels einzubrechen, um den angeblich gestohlenen Diamanten nun tatsächlich zu entwenden und so Nick die Freiheit zu schenken. Heist-Movie trifft auf Rache-Plot.

Während sich Joey und Angie in unterhaltsamen Neckereien ergehen, erfährt Nick (in geschickt arrangierten Montagen) den Zuspruch der Polizeipsychologin Lydia, die ihm den Selbstmordversuch ausreden will. Für dieses Psychospielchen hätte man sich mehr Spielzeit gewünscht. Aber auch dank der gradlinigen Inszenierung von Asger Leth samt leicht ab- und vorhersehbaren Wendungen dürfte es CSI-erprobten Zuschauern nicht schwer fallen, diesem kurzweiligen Geschehen zu folgen. Ärgerlich ist nur, dass im Gegensatz zu wesentlich besseren, intensiveren Filmen wie beispielsweise „Inside Man“ oder „Nicht auflegen“ zu viele Klischees (Psychologin mit Kaffebecher) und Logik-Fehler (Vater-Sohn-Gespann) auftauchen, die in einem guten Film nichts zu suchen haben.

So bleibt „Man on a ledge“, wie der Film im Original heißt, letztendlich ein zwar gut geschriebenes und prominent besetztes aber insgesamt doch etwas holprig inszeniertes B-Movie, das nur bedingt Tiefgang bietet.

  

Kritikerspiegel Ein riskanter Plan



Christian Gertz
nadann... Wochenschau; mehrfilm.de
6/10 ★★★★★★☆☆☆☆ 


Klaus-Peter Heß
Münstersche Zeitung
6/10 ★★★★★★☆☆☆☆ 


Sascha Westphal
epd Film, Die Welt, FR
7/10 ★★★★★★★☆☆☆ 


Durchschnitt
6.5/10 ★★★★★★½☆☆☆ 




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INHALT

Nick Cassidy (Sam Worthington) war einst ein erfolgreicher Cop mit einem nahezu perfekten Leben. Doch plötzlich findet er sich im Gefängnis wieder, für ein Verbrechen, das er nicht begangen hat. Wie weit kann ein Mann gehen, um seine eigene Unschuld zu beweisen? Völlig verzweifelt nutzt er die erstbeste Gelegenheit zur Flucht und steigt mit einem ausgeklügelten Plan im Kopf auf den Fenstersims eines Hochhauses. Von dort aus verlangt er von der bereits eingetroffenen Polizei ein Gespräch mit der Psychologin Lydia Anderson (Elizabeth Banks). Während unten die Menschenmenge und das Polizeiaufgebot größer werden, dirigiert Nick in schwindelerregender Höhe über ein kleines Head-Set den Raub eines 30 Millionen Dollar schweren Diamanten, jenes Juwels, das er einst gestohlen haben soll. Die Zeit rennt ihm davon, eine Spezialeinheit rückt immer näher und dann gibt es auch noch den Ex-Kollegen, der seinen Kopf will…
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