KRITIK

Ein Freund von mir

Ein Freund von mir Karl, der als aufstrebender Diplom-Mathematiker für einen Versicherungskonzern arbeitet, ist ein sehr erfolgreicher und sehr unglücklicher junger Mann. Um das zu erkennen, genügt ein Blick in seine Düsseldorfer Wohnung, die zwar auf frostige Weise teuer wirkt, aber noch nicht mal richtig eingerichtet ist. Oder man schaut Karl einfach nur ins Gesicht, wenn er auf einer albernen Innovationspreis-Party zu seinen Ehren verloren und stumm herumsteht und sich auf einen anderen Planeten zu wünschen scheint.

Daniel Brühl spielt diesen selbstentfremdeten System-Jünger als eine Art Oliver Twist der Schadensbilanz-Abteilung. Man möchte ihn aus seinem entseelten Glas- und Stahl-Büro befreien, vom steifen Hemdkragen erlösen und auf den Abenteuerspielplatz schicken. Sein Chef allerdings hat eine bessere Idee und kommandiert den Wunderknaben zum Praxishärtetest im Flughafen ab, wo Karl auf Undercover-Mission bei einem Autoverleiher recherchieren soll, wie leicht die zu überführenden Mietwagen geklaut werden können.

Dort lernt Karl Hans kennen, der frischen Wind in sein Leben bringt und auch den Film ein bisschen beschleunigt. Hans, von Jürgen Vogel als Tausendsassa und Luftikus der sympathischeren Sorte gespielt, weiß sich am Leben zu berauschen: Er liebt hohe Geschwindigkeiten und guten Kaffee, hat gern Sex und hält nie die Klappe. Kurz, er ist in allem so sehr das Gegenteil von Karl, dass die beiden sich einfach anfreunden müssen. Sie kommen sich beim Nackt-Porsche-Fahren näher, und bald schon lieben sie dieselbe Frau (Sabine Timoteo).

Regisseur Sebastian Schipper, der vor sieben Jahren „Absolute Giganten“ gedreht hat, einen wunderbar wehmütigen Süßer-Vogel-Jugend-Abgesang, erzählt eine Geschichte über Lebensstillstand, Überholspurspaß und Dreiecksbeziehungen. Wobei man das Gefühl nicht los wird, dass Schipper nunmehr wie sein Held Karl in eine Erwachsenenwelt geraten ist, in der er sich nicht recht wohlfühlt.

Zwar ist sein Tempo-Film bei aller Unreife und trotz Konstruktionsmängeln sympathisch, aber unentschieden. Am Ende siegt entsprechend die sinnlose Fliehkraft.



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INHALT

Karl hat gerade für seine Berechnungsmodelle einer Auto-Versicherung die höchste Auszeichnung der Branche eingeheimst. Gegen das Unglück der Einsamkeit versichert sie den Preisträger indes nicht. Da Karl kein Team-Player ist, schickt ihn sein Vorgesetzter unverhofft ins richtige Leben hinaus. Um die Risiken des Mietwagengeschäfts von innen heraus zu verstehen, soll sich Karl zum Schein als Tagelöhner bei einer Autovermietung anstellen lassen. Mit einem orangefarbenen Leibchen bekleidet, steht er am nächsten Morgen im Parkhaus, um Wagen in Empfang zu nehmen, zu parken oder in die Waschanlage zu bringen. Dabei trifft er auf seinen neuen Arbeitskollegen Hans, der das genaue Gegenteil des Mathematikers ist und ihn mit seinem Gequassel tatsächlich aus der Reserve lockt – erst recht, als Karl in Hans` Freundin eine nächtliche Begegnung wiedererkennt.
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Eure Kritiken zu Ein Freund von mir

  1. Sneaker

    Ein echt starker Film. Jürgen Vogel überragt den etwas blassen Daniel Brühl. Auch die Musik war toll.

  2. tine

    was für ein runder film mit perfekt gecasteten schauspielern und tollen bildern! sebastian schipper ist, genau wie das publikum das ihn für absolute giganten liebt, älter geworden … leider bringt dies auch mehr realitätsnähe mit sich, das alter — und die auseinandersetzung mit eben dieser. klase film der auf einige relevante fragen inspirierende antworten gibt!

  3. nina

    ich war ziemlich aufgeregt, die beiden bei ihrer rekord-premieren-tour live und voller pracht zu sehen. der auftritt war dann eher unspektakulär und sehr kurz. aber der film! der war wirklich großartig. ich hab seitdem noch so oft daran gedacht und möchte ihn unbedingt nochmal im kino sehen! jedem, der sich hin und wieder fragt, wo das glück steckt und was er vom leben erwarten soll, würd ich ihn unbedingt empfehlen!

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