KRITIK

Ein fliehendes Pferd

Ein fliehendes Pferd Helmut, der Lehrer, ist scheintot. Seit 16 Jahren verheiratet, seit 12 Jahren dasselbe Feriendomizil am See, kein Sex mehr, also: Flaute. Da müsste mal jemand frischen Wind reinbringen, um im Kosmos der abgeschmackten Metaphern zu bleiben. Und so geschieht es auch.

In das Leben des Schopenhauerianers Helmut Halm (Ulrich Noethen) und seiner Frau Sabine (Katja Riemann) poltert ein alter Schulfreund namens Klaus Buch (Ulrich Tukur), an der Seite eine junge Nymphe, die schöne Helena (Petra Schmidt-Schaller).

Richtig, die Subtilität beginnt schon bei den Namen. Klaus ist eine ungehobelte Nervensäge und ein wahrer Dionysos, ein Selfmade-Hallodri, der wilde Hengste zu reiten versteht, seinen Appetit aufs Dasein ungezügelt auslebt, auch im schlimmsten Sturm segelt und damit bei Sabine die Säfte wieder zum Kochen bringt – bei Helmut nur das Blut vor Zorn.

Der Hobby-Ornithologe und Rohrdommel-Freund – „Sie kennen sich gut mit Vögeln aus, oder?“, fragt das laszive Biest Helene, kicher, kicher – möchte seine Mumienexistenz weiter konservieren. Notfalls mit Gewalt.

„Ein fliehendes Pferd“ ist die Verfilmung der gleichnamigen Novelle von Martin „Moralkeule“ Walser aus dem Jahr 1978. Man muss einfach das Gespräch gelesen haben, das die „Zeit“ vor einigen Monaten mit ihm und Günter Grass, dem anderen großen Beleidigten der deutschen Literatur, geführt hat: Ein lächerlicher, würdeloser alter Mann kommt da zum Vorschein.

Und diese Adaption von Rainer Kaufmann („Die Apothekerin“), die so getreulich all die ranzigen Topoi und blöden Klischees bebildert, sie zeigt, dass der Autor schon vor 30 Jahren früh vergreiste Fantasien zu Papier zu bringen hatte. Einzig Noethen als Sauertopf, ganz Sympathieträger, belebt für Momente, was, nicht wahr, ein laues Leinwandlüftchen ist.



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INHALT

Das in die Jahre gekommene Ehepaar Helmut und Sabine wird in der Langeweile ihres Ferienhaus-Urlaubs von einem ehemaligen Studienfreunds Helmuts aufgescheucht. Klaus und seine weibliche Begleitung Helene, ein Männertraum, sorgen nicht nur für sexuelle Spannungen.
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