KRITIK

Ein einziger Augenblick

Ein einziger Augenblick Ein Kind stirbt, ein Mann ist schuld, der Vater schwört Rache: Man könnte einen Selbstjustizreißer herkömmlicher Machart erwarten, bekommt aber ein klassisches Moraldrama, und das gibt Anlass zu spannenden Fragen. Wie wird der Täter, ein netter Typ eigentlich, mit seiner Schuld fertig? Wie bewältigen die Eltern ihren ungeheuren Verlust? Das könnte an die Nieren gehen, schon allein des Themas und der Darsteller wegen, kann aber am Ende trotzdem nicht überzeugen.

Denn Regisseur und Co-Autor Terry George (oscarnominiert für „Hotel Ruanda“) raubt seinem Plot Szene um Szene alle Glaubwürdigkeit, indem er ihn von vorn bis hinten derart zusammenkonstruiert, dass man ihm nichts mehr glauben mag. An den Akteuren liegt das nicht: Mark Ruffalo („Zodiac“) spielt den Täter Dwight sehr liebenswert als Vater mit (ungenannten) Problemen, die einst zur Trennung von seiner Frau Ruth führten. Die wiederum spielt die schon vergessen geglaubte Spitzenmimin Mira Sorvino mit dezent verhärmter Bestimmtheit: Es ist ist erster Kinoauftritt seit einigen Jahren. Ethan, den Vater des getöteten Kindes, gibt Joaquin Phoenix: ein beeindruckend brütender Tragöde. Und Jennifer Connelly legt mit Sorgenfaltenstirn ihren Part als Sorgenfaltenehefrau aus „Beautiful Mind“ neu auf: zweckmäßige Routine.

Es geht um Fahrerflucht: Dwight fährt Ethans Sohn an der „Reservation Road“ (Originaltitel) tot und fährt weiter, weil er seinen der Mutter zugesprochenen Sohn nicht ganz verlieren will. Dann aber wird ausgerechnet er, ein Anwalt, von Ethan mit der Suche nach dem Täter beauftragt. Man wohnt im selben Ort, Ruth ist zufällig die Lehrerin der Schwester des toten Knaben, und Ethan entfremdet sich von seiner Familie und sucht Trost in Internet-Selbstjustizzirkeln: Je weiter sich die Handlung vom tragischen „einzigen Augenblick“ des Anfangs entfernt, desto unglaubwürdiger wird hier alles. Passgenau aneinanderkalkulierte Konflikte allein ergeben eben noch kein wirkungsvolles Drama.



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INHALT

Dwight Arno, frisch geschieden, fährt nachts nach einem Baseballspiel mit seinem zehnjährigen Sohn Sam nach Hause. Zu spät realisiert er einen ebenfalls zehnjährigen Jungen, Josh, der am Wegrand steht: Er überfährt ihn und flieht in seiner Panik. Collegeprofessor Ethan Learner muss mitansehen, wie sein Sohn angefahren wird und stirbt. Während Dwight von sich selbst angewidert mit sich kämpft, ob er sich der Polizei stellen soll, macht sich Ethan auf die Suche nach dem Mörder seines Sohnes.
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