KRITIK

Eat Pray Love

Eat Pray Love Das Gegenstück zum bierflaschenbewehrten Kumpels-Abend im Action-Kino ist die vom Multiplex-Marketing institutionalisierte „Ladies Night“: Bei derlei Veranstaltungen sollen proseccobeschickerte Damen die ihnen vorgesetzten Seichtfilme um dolle Männer und schicke Schuhmode bejauchzen. Kaum irgendwo in der Gesellschaft ist der charakterliche Gegensatz der Geschlechter noch so hoffnungslos auf 50er-Jahre-Niveau wie in den Zielgruppenberechnungen des Filmverleihwesens: Männer zum Bummbumm in die „Expendables“, Frauen gefälligst zur Selbstfindung mit Julia Roberts nach Indien!

Wie hier in „Eat Pray Love“, der fototapetenschicken und beängstigend öden Umsetzung jenes Bestsellers, in dem die New Yorker Autorin Elizabeth Gilbert ihre eigene Midlife-Crisis samt plötzlicher Scheidung und ausgedehnter Weltreise schildert. Bieder-etappenselig hat das Regisseur Ryan Murphy inszeniert – was erstaunlich ist, kennt man den Mann doch als Schöpfer feiner TV-Serien wie beispielsweise „Nip/Tuck“.

Der amerikanische Autor, Produzent und Regisseur schickt in seinem zweiten Lang-Spielfilm die Roberts (als Gilbert) vom Lotterbett des jungen James Franco direkt auf Tour in drei warme Länder, deren Name jeweils mit „i“ wie „ich“ beginnt. Merke: Nur ums Ego soll´s fortan gehen in ihrem Leben. In Italien löst sie sich vom „Sex and the City“-Diktat des ranken Karrierelady-Leibes und pfeift bei Pasta-Orgien auf die Pfunde. In Indien sucht sie, meditierend im Ashram, nach spirituellem Mehrwert.

In Indonesien läuft ihr dann der wunderbare Javier Bardem (in seiner seichtesten Rolle) als Kalendersprüche absondernder Latin Lover über den Weg. Bald schleift er die Elitefrau, huschhusch, zurück in den heimeligen Hafen einer zünftigen Paarbeziehung. Kollektivseufzer in den „Ladies Night“!

Zugestanden: Julia Roberts hat Charme und wird ihn wohl nie verlieren. Überhaupt ist nur sie es, die diese 140 klebrige Minuten lange, in ewig gleich-güldenenes Touristen-Sonnenlicht gehüllte Plattitüdenparade voll banaler Dialoge und halbironischer Scherzchen wenigstens punktuell erträglich macht. Der Rest aber ist narzisstische Sinnsuche „light“ für vom Luxusleben angekränkelte Wohlstandsbürger, denen die tatsächlichen Probleme in den bereisten Ländern natürlich keinen müden Blick wert sind.



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INHALT

Liz Gilbert führt ein wohlgeordnetes Leben, hat einen Mann, ein schönes Haus und beruflichen Erfolg. Dennoch fühlt sie sich nicht glücklich. Als ihre Ehe schließlich zerbricht, entschließt sie sich zu einem Neuanfang und beginnt eine Weltreise - die letztendlich zu einer Reise zu sich selbst wird: In Italien erfährt sie kulinarischen Hochgenuss, in Indien lässt sie sich auf bewusstseinserweiternde Meditationserfahrungen ein und in Bali erfährt sie schließlich die Bedeutung wahrer Liebe.
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Eure Kritiken zu Eat Pray Love

  1. Eliza

    Eine schöne entspannte Reise einer Suchenden. Julia Roberts beeindruckt einmal mehr mit ihrer tollen Ausstrahlung und Leinwandpräsenz. Auch so schön kann kino sein.

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