KRITIK

Easy Virtue – Eine unmoralische Ehefrau

Easy Virtue - Eine unmoralische Ehefrau Zwei Jahre hat „Easy Virtue“ gebraucht, um in deutschen Kinos zu landen. Es lag wohl daran, dass die mit hoch amüsanten Modernismen gespickte Gesellschaftskomödie in ihrer britischen Heimat gefloppt war. Was doppelt schade ist. Denn erstens handelt es sich bei dieser Verfilmung eines Noel-Coward-Stücks aus den 20er Jahren um Schauspielerkino vom Feinsten, zweitens handelt es sich um die Rückkehr des lange abstinenten Priscilla“-Regisseurs Stephan Elliott.

Finanziell ging das schief, doch der Film ist trotzdem gut, und vor allem den Fans von entweder Kristin Scott Thomas („Die Affäre“), Colin Firth („A Single Man“) oder Jessica Biel („Valentinstag“) sei der Kinobesuch dringend ans Herz gelegt. Der legendäre Entertainer und Autor Noel Coward hatte sein Stück nicht als die Komödie angelegt, als die sie sich hier hauptsächlich präsentiert. Auch Alfred Hitchcock, der einen heute kaum mehr bekannten Stummfilm (1928) daraus strickte, machte eher eine Thrilleromanze daraus – erstmals übrigens mit böser Schwiegermutter.

Stephan Elliott aber setzt voll auf Komödie, aufs lustvolle Spiel seiner Darsteller und den amüsanten Clash zweier Kulturen. Da hat beispielsweise gleich zu Beginn John Whittaker (Ben Barnes, „Dorian Gray“), verwöhnter Spross einer zutiefst englischen Landadelsfamilie, ein amerikanisches It-Girl (Biel) geheiratet: Larita, blond, schlagfertig, Rennfahrerin. Mutter Whittaker (Scott Thomas) ist pikiert und lässt von nun an keine Gelegenheit aus, die Schwiegertochter mit versnobten Beleidigungen zu piesacken und sie in prekäre Situationen zu manövrieren. Denn sie ahnt schon: Larita hat ein Geheimnis. Aber auch die Landadelsfamilie hat, trotz Fuchsjagd und Wohlfahrtspartys, ihre besten Zeiten lange hinter sich.

Herrlich anzusehen (und in der Originalfassung vor allem: anzuhören!) ist das Dialog-Pingpong zwischen den Beteiligten, nur Colin Firth als kriegszerstörter Vater und die stoischen Bediensteten bringen etwas Ruhe hinein. Nicht genug zu rühmen ist Jessica Biel, die hier als Charleston-Girl mit Twenties-Chuzpe ihre bis dato beste Vorstellung liefert, und Stephan Elliotts Spaß an der Regie, wenn er den mitunter auch singenden Darstellern nicht nur Coward-Songs, sondern auch Billy Ocean und Tom Jones in den Mund legt. Sehenswert.



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INHALT

England, 1921. Nachdem John Whittaker im Urlaub in Frankreich die lebenslustige Larita kennengelernt und geheiratet hat, stellt er seine große Liebe der Familie vor. Doch seine konservative, neurotische und frustrierte Mutter ist entsetzt über das vermeintliche Flittchen aus Amerika und macht Larita von Beginn an den Aufenthalt auf dem noblen Landsitz zur Hölle. Nur in ihrem Schwiegervater, der in der eigenen Familie ein Außenseiter ist, und anfangs auch in ihrem Ehemann findet Larita Verbündete.
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