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dunkle Turm, Der

Bild (c) 2017 Sony Pictures.

Stephen-King-Verfilmungen gibt es viele, die meisten sind nicht gut. Auf jedes Meisterwerk wie „Shining“ kommen fünf Gurken. Die Vorlage von „Der dunkle Turm“ ist für den Meister des Makabren allerdings sehr ungewöhnlich – insofern durfte man auch eine ungewöhnliche Verfilmung erwarten. Die acht Teile der Roman-Saga entstanden über drei Jahrzehnte hinweg. Sie entwerfen eine Welt von Tolkienschen Dimensionen, ein Universum aus multiplen, durch Portale verbundenen Gegenwarten.

Ein „Mann in Schwarz“ will deren Mittelpunkt, den Dunklen Turm, vernichten, der letzte Revolvermann aus Mittwelt hetzt ihm hinterher. Diesen Wettlauf zwischen Gut und Böse fächert King auf als epischen Mix aus Fantasy und Science Fiction, Western und Ritterromantik.

Das hört sich wie gemalt an fürs Sequel- und Prequel-Gewese unserer Zeit: ein Stoff, der sich auf beliebig viele Kino-Teile strecken lässt. Umso erstaunlicher, dass (nach zehn Jahren Querelen) nun bloß eine gut 90-minütige Reader`s-Digest-Version der Bücher die Leinwand erreicht. Sie ist kaum je in der Lage, die weltenstürzlerischen Dimensionen der Vorlage auch nur anzudeuten.

Regisseur Nikolaj Arcel („Die Königin und der Leibarzt“) strippt die komplexe Saga runter auf den Basiskonflikt zwischen Gut und Böse. Er verzichtet auf viele wichtige Protagonisten und erzählt so etwas wie eine Fortsetzung der Romane, die aber eher als Schnelldurchlauf durchgeht. Im Zentrum steht der zwölfjährige, seherisch begabte Jake (Tom Taylor), der aus dem New York der Jetztzeit nach Mittwelt und dort unter die Fittiche des Revolvermanns (gut: Idris Elba, „Pacific Rim„) gerät.

Gemeinsam stellen sie sich dem „Man in Black“ entgegen, der Jake kidnappen möchte. Den Schurken im Magiermantel spielt „Interstellar“-Star Matthew McConaughey so überdreht, als würde er sich lustig machen über den Film, in dem er da mitwirkt.

Langweilig wird es zwar nicht. Doch Fans der Vorlage dürften zwangsläufig enttäuscht sein über diesen hemdsärmeligen Parforceritt durch 4250 Romanseiten. Und wer die nicht kennt, wird sich angesichts dieses routinierten Fantasy-Actionfilms fragen, warum um die Saga so ein Wirbel gemacht wird. Vielleicht wird ja die derzeit geplante Spin-Off-Serie besser geeignet sein, deren Zauber einzufangen.

 

 



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