KRITIK

Dumplings – Delikate Versuchung

Dumplings - Delikate Versuchung
Die 34-jährige Schauspielerin Bai Ling konnte bislang wenig durch ihre Filmographie beeindrucken. Lediglich einige kleinere Nebenrollen zählen bisher zu ihrem Repertoire. Wesentlich mehr Eindruck hinterließ die chinesische Schauspielerin allerdings durch ihre spärlichen Abendkleidchen, die sie als Jury-Mitglied der Berliner Filmfestspiele 2005 sehr offenherzig spazieren trug.

In ihrem ersten Hongkong-Film spielt Chinas Hollywood-Export nun die mysteriöse Köchin Mei. Äußerlich kaum älter als 30, in Wahrheit aber um einiges alter, hat sie das Rezept für die ewige Jugend entdeckt. Die Frage nach ihrem wahren Alter wird dabei erst kurz vor Schluss des Films gelöst.

Wie weit würde man gehen, wenn so manches Schönheits-Wundermittel tatsächlich den gewünschten Effekt hätte? Der Hongkong-Regisseur Fruit Chan antwortet konsequent: So weit wie möglich, solange der Erfolg zu sehen ist. Wie viel Augenwischerei allerdings dabei ist, lässt er geschickt im Unklaren. An den Erfolg zu glauben, ist das Wichtigste. Die Köchin Mei will weit über 60 sein – weil sie aber wie 30 aussieht, müsse ihre Methode ja wirken. Bai Ling zeigt in ihrer Rolle, dass gutes Aussehen, gepaart mit Dreistigkeit, Einwände gegen ihre Schönheitsarbeit schnell vergessen macht. Sie gibt sich kokett, betont jugendlich und naiv.

In einer der schönsten Szenen singt und tanzt sie, während eine ihrer Kundinnen ihr Wundermittel ausprobiert. Dies sind Teigtaschen, die mit kleingehackten Föten gefüllt sind. Ein bisschen erinnert das an Bai Lings Auftritte als Berlinale-Jurorin. Hier ist sie jedoch wunderbar in der Rolle als geschäftstüchtige Verführerin.

Nachdem die erste moralische Hürde erst einmal genommen ist, gibt es bald gar keine Grenzen mehr. Weil ein Fötus im fünften Monat noch schneller schön machen würde, will Kundin Lee eben einen Fötus essen, der – in einer quälend langen Szene – erst noch abgetrieben werden muss. Doch auch an Tabubrüche gewöhnt man sich. Wie erträglich das Unerträgliche werden kann, zeigt die wunderbar respektvolle Kamera des australischen Kameramannes Christopher Doyle. In Großaufnahmen fängt er Frau Lees anfänglichen Ekel beim Essen ein, um dann die angenehme Distanz zu suchen, schmeichelnd und poetisierend, während allmählich lauter werdende Musik das widerliche Knacken der Knorpel übertönt.

Aber irgendwann wird sarkastisch abgerechnet. Es waren nur kurzfristige Effekte, die Frau Lee zur Kannibalin machten: wieder einmal Sex haben mit dem Ehemann, Gesprächsthema sein in der Frauenrunde. Die Schönheitsrezepturen zeigen Nebenwirkungen, der moralische Makel wird auf unangenehme Weise wahrnehmbar. Eine Katastrophe für Frau Lee. Als auch noch ihr Ehemann dem Geheimnis nachgeht und auf Frau Mei trifft, nimmt das Unheil seinen Lauf. Hier wird einmal mehr deutlich, wie sehr sich alle weiblichen Anstrengungen auszahlen, wenn frau nicht mit Würde altern darf, sondern nur eines hat: Den falschen Mann hat.



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INHALT

Auf der Suche nach Hilfe gegen die Folgen des Alterns macht die einst gefeierte Soap-Darstellerin Qing Bekanntschaft mit der scheinbar alterslosen Heilpraktikerin Mei. Mei war früher mal Spezialistin für illegale Abtreibungen und versteht sich seither auf ein ganz besonderes Süppchen, das nun solventen Privatkunden blendendes Aussehen und ewige Jugend verheißt. Bald bekommt auch Qings steinreicher und sexuell umtriebiger Ehegatte Appetit auf die Spezialität, ohne freilich zu ahnen, dass Nebenwirkungen beim Verzehr frischen Embryos nicht ausgeschlossen sind.
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