KRITIK

Driven

Driven Die Formel 1 ist nach König Fußball des Deutschen liebstes Kind. Ein Jahr ist es her, dass sich der Sportbegeisterte Fernsehzuschauer fragen durfte: Was treibt nur diesen alternden Schauspieler Sylvester Stallone alle zwei Wochen nach Europa, um sich ein Formel 1 Rennen anzuschauen? Interesse für den Sport? Jedes Mal war er einer neuen Einladung gefolgt und durfte mit dunkler Sonnenbrille, breitem Grinsen und großem Backstage-Paß hinter die Kulissen des schnellstens Sports der Welt blicken. Die Frage beantwortete er selbst: Er recherchiert für seinen neuen Film! Aha!
Als dann vor etwa vier Monaten Deutschlands beliebteste Werbefigur Verona Feldbusch kräftig die Werbetrommel rührte, um ihren ersten Kurzauftritt in einem Hollywoodfilm zu promoten, schien alles klar. In Hollywood entsteht ein Spielfilm über die Formel 1-Rennszene. Die Erfahrungen, die Sylvester Stallone in Europa gesammelt hatte, konnte er unter Mithilfe des Regisseurs Renny Harlin („Stirb Langsam 2“, 1990; „Cliffhanger“, 1993; „Tödliche Weihnachten“, 1996) zu einem Drehbuch zusammentragen, nachdem er bei Warner Bros. grünes Licht für die Umsetzung des Stoffes erhielt. Doch ein Problem gab es noch: Formel 1 Impressario Bernie Eccelstone verlangte so hohe Gebühren für die Rechteverwertung seines Zirkus, dass sich Produzent und Hauptdarsteller Stallone dazu genötigt sah, seiner Story mit den Autos aus der US-Kart Meisterschaft den nötigen Drive zu verleihen. Stallone wird man wohl nie mehr als Gast eines Formel 1 Rennens in Europa sehen. Die Erfahrungen aus der Formel 1 Szene hat er aber dennoch 1:1 umgesetzt:
Zum Einen wäre hier der arrogante Beau Brandenburg (Til Schweiger) mit seinem knallroten Rennoverall, ein allzu deutlicher Michael Schumacher Verschnitt nach einer Gesichts-OP! Auf der anderen Seite der unkonzentrierte David Coulthard mit Frauenproblemen, der hier Jimmy Bly heißt und von Jungmime Kip Pardue verkörpert wird. Hinzu gesellt sich der wilde Juan Pablo Montoya, hier ein blasser Cristián de la Fuente, fertig ist die multikulti-Truppe einer Rennszene. Geschichten gäbe es genug, wird sich Sylvester Stallone gedacht haben, doch wie bringe ich die Rolle des sympathischen Außenseiters unter, die mir mit „Rocky“ so viel Geld, Ruhm und Ehre (2 Oscar-Nominierungen) eingebracht hat?
Stallone entwickelte für sich die Rolle eines ehemaligen Rennpiloten, der einem jungen Rookie unter die Arme greift, um ihm zu Ruhm, Ehre und Anerkennung zu verhelfen. Damit ist die Geschichte auch schon erzählt. Was bleibt sind zahlreiche Actionszenen, die Regisseur Renny Harlin ganz im Stile seiner vergangenen Werke „Tödliche Weihnachten“, 1996 oder „Cliffhanger“, 1993 auf die Leinwand wuchtet. Das heißt, auf die Kamera zufliegende Autoteile, Explosionen und natürlich der Kampf mit der Natur. Hier ein kleiner See, der nach einem Unfall aufgesucht werden muss. Alles in allem nett inszeniert, aber nicht wirklich fesselnd. Zu deutlich erkennt man die Computeranimation und zu schnell sind die Schnitte, die keine Ruhe in das Geschehen bringen wollen.
Der Film krankt vor allem daran, dass er von allem zu viel will und nichts konsequent bis zum Ende führen kann. Für die Schauspieler eine undankbare Aufgabe, da sie über die Rolle eines Statisten nie ganz hinaus kommen. Selbst Til Schweiger, der noch die beste Leistung des ganzen Teams abliefert, bleibt als arroganter Star blass und kalt. Da hat es mit Steve McQueen in „Grand Prix“, 1963 einen weitaus charakterstärkeren Rennfahrer und vor allem -film gegeben. Doch das wichtigste kommt noch: Da die Formel 1 nach König Fußball des deutschen liebstes Kind ist, hatte ein deutscher Investor dafür gesorgt, dass „unsere“ Verona sage und schreibe drei Sätze sprechen und „Blümchen“ Jasmin Wagner einmal durchs Bild huschen darf. Na, wenn das nichts ist! Christian Gertz



Ähnliche Beiträge:

INHALT

Willkommen im Rennzirkus: Der begabte, aber unkonzentrierte Nachwuchsrennfahrer Jimmy Bly ist der Shootingstar der Saison. Doch an die Spitze schafft er es nicht ganz. Dafür gibt es mehrere Gründe: Erstens sein hartnäckigster Konkurrent Beau Brandenburg, zweitens sein ehrgeiziger Bruder, ein Promoter, der ihn extrem unter Druck setzt und drittens seine Affäre mit Sophia, die ausgerechnet die Freundin seines Erzfeindes Beau Brandenburg ist.
Weil so viel von Jimmys Erfolg abhängt, bittet der erfahrene Teamchef Carl Henry den ehemaligen Starfahrer Joe Tanto um Hilfe. Joe hat seine einst steile Karriere abrupt beendet, als ein schrecklicher Zusammenstoß ihn und Beau Brandenburg fast das Leben kostete. Nach einigem Zögern willigt Tanto ein, obwohl er noch ganz andere Probleme hat. Ständig funkt ihm zum Einen die Reporterin Luc dazwischen, die als einzige Frau über den Männerclub auf der Rennstrecke berichtet und nicht zum anderen wäre da noch seine Ex-Frau Cathy, die ihm immer wieder über den Weg läuft, da sie inzwischen seinen Rennrivalen Memo Moreno geheiratet hat.
Vier Gegner zwischen Sieg und Niederlage auf der Suche nach dem absoluten Adrenalinkick. Und jeder will dasselbe: Rennen fahren und möglichst als erster die karierte Zielflagge passieren.
Dieser Beitrag wurde unter Kritik abgelegt und mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Eure Kritiken zu Driven

  1. Eliza

    Na ja…Til Schweiger macht sich ja ganz gut, aber der Film ist doch eher enttäuschend.

Kritik schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*