KRITIK

Dredd

Plakat zum Film DreddWie nicht anders zu erwarten sieht die Zukunft in dieser Comic-Adaption alles andere als rosig aus: Nach der Apokalypse drängt sich der Rest der Menschheit in riesigen Megacitys. Dort ragen zweihundertstöckige Wolkenkratzer in den versmogten Himmel, und Männer in Kampfanzügen stapfen durch die Trümmer: die Judges! Sie sind Cop, Richter und Henker in Personalunion, pfeifen auf Gewaltenteilung und sorgen für das letzte bisschen Ordnung, das in dieser Art Letztwelt überhaupt noch möglich zu sein scheint. Der härteste von ihnen: Judge Dredd.

Als sarkastischer Kommentar auf Law-and-Order-Politik ersonnen, erscheint der britische Comic „Judge Dredd“, diese zappendustere Ausmalung einer neo-faschistischen Weltordnung, schon seit 1977. Die bonbonbunte, ironische Stallone-Verfilmung (Regie: Danny Cannon) von 1995 war ein teurer Flop, bei 70 Millionen Kosten konnten „lediglich“ etwas mehr als 113 Millionen Dollar weltweit an den Kinokassen eingespielt werden. Diese neue Version von Regisseur Pete Travis und Kult-Autor Alex Garland („The Beach“) geht deshalb ganz andere Wege: Pete Travis´ Neuinterpretation setzt dem Blockbuster-Spektakel gängiger Comic-Verfilmungen eine zutiefst grimmige, aufs Minimale runtergestrippte Ästhetik entgegen.

Karl Urban ist Judge Dredd

Karl Urban ist Judge Dredd (c) Universum

Das fängt beim behelmten Dredd selbst an, den Kurt Urban nur mit dem Mund spielt; so „maskiert“ ist kaum etwas zu sehen vom ehemaligen Eomer aus „Herr der Ringe“. Gemeinsam mit der telepathiebegabten Judge-Anwärterin Anderson (Olivia Thirlby) landet er im Hochhaus der Drogenchefin Ma-Ma (!), gespielt von Lena Headey, der bösen Königin aus „Game of Thrones“. Wie unlängst im Action-Reißer „The Raid“ müssen sich die Judges nun Level für Level zu Ma-Ma hinaufballern: Das Jugendverbot hat sich der Film redlich verdient.

Actionfilme, die keine Kompromisse machen, sind selten geworden. Dieser hier ist so einer: Nichts wird verwitzelt oder ironisiert. Dabei bietet er unvermutet das wahrscheinlich beste Realfilm-3D seit „Avatar“. Ein zugegeben toller Look. Die Droge, um die es geht, verlangsamt die Wahrnehmung, und so wird hier die Superzeitlupe platzender Körperteile zur Kunstform erhoben. Wer das aushält, darf staunen. Effekthascherei in blutiger Reinkultur.

  



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INHALT

Mega City One - eine gigantische Metropole voller Gewalt, Chaos und Verbrechen inmitten des düsteren und zerfallenen Amerikas. Die Bewohner leiden: Eine Art Drogenseuche sucht sie heim, die sie die Realität in extremer Zeitlupe erleben lässt. Einzig und allein die „Judges" können gegen die Verbrechen in ihrer Stadt ankämpfen, nur sie haben die Macht als Richter und Vollstrecker für Recht und Ordnung zu sorgen. Dredd (Karl Urban), als oberster „Judge" gefürchtet, will die Stadt von dieser Plage befreien. Zusammen mit seiner neuen Rekrutin, Cassandra Anderson (Olivia Thirlby), nimmt er den Kampf gegen Ma-Ma (Lena Headey) auf, eine Drogenbaronin, die eiskalt über den größten Slum der Stadt herrscht...
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