KRITIK

Drachenzähmen leicht gemacht 2

Bild (c) 2014 Twentieth Century Fox.

Bild (c) 2014 Twentieth Century Fox.

Bei der Oscar(R)-Verleihung 2011 hatte nach den vielen Jahren der Pixar-Dominanz wieder einmal ein konkurrierendes CGI-Studio reelle Chancen, einen Goldjungen der Kategorie „Bester Animationsfilm“ ins eigene Regal zu stellen. Zwar triumphierte das zudem in der Kategorie „Bester Film“ nominierte Spielzeug-Sequel „Toy Story 3“, doch der von Dreamworks Animation ins Rennen geschickte „Drachenzähmen leicht gemacht“, der auch für einen Academy Award in der Kategorie „Beste Filmmusik“ nominiert wurde, hatte nicht nur unter den Zuschauern, sondern auch bei der weltweiten Filmpresse einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Nach Startschwierigkeiten – der erste Teil blieb trotz einer prompten Topplatzierung in den US-amerikanischen Kinocharts zunächst weit hinter den Erwartungen des Studios zurück – erwies sich „Drachenzähmen leicht gemacht“ als Langzeiterfolg, verblieb knapp zwei Monate an der Chartspitze und spielte weltweit rund eine halbe Milliarde Dollar ein.

Hierzulande stellte die Dreamworks Produktion nach „Rapunzel – Neu verföhnt“ und „Ich – Einfach unverbesserlich“ den dritterfolgreichsten Animationsfilm des Jahres und lockte über eineinhalb Millionen Besucher in die deutschen Kinos. Es folgten eine TV-Serie, ein Theaterstück, Merchandising in Hülle und Fülle und nun, rund vier Jahre später, ein Sequel, auf das in einigen Jahren ein weiterer Teil folgen soll, um die von vornherein als Trilogie geplante Filmreihe abzuschließen. Der von Disney abgeworbene Regisseur Dean DeBlois („Lilo und Stitch“) folgt damit nicht etwa dem Druck von Studio und Produzenten, sondern verwirklicht sich selbst einen Traum, den er bereits vor Kinostart des Auftaktfilms hatte. Schenkt man dem Filmemacher und Drehbuchautoren Glauben, ist „Drachenzähmen leicht gemacht“ also kein sich dem Erfolg beugendes Produkt, sondern eine echte Herzensangelegenheit.

Szene_Drachen_2_RaakeDominic Raacke, der den Meisten als „Tatort“-Kommissar Till Ritter bekannt sein dürfte und wie schon im ersten „Drachenzähmen“-Film die Synchronrolle des Haudrauf übernahm, bringt die inszenatorischen Ausmaße des Sequels mit einem Satz auf den Punkt: „Wir erzählen klassischen Dramastoff im Gewand eines Animationsfilms“, gibt der Schauspieler im Interview mit großen Gesten zu verstehen. Und er übertreibt damit nicht. Teil 2 kann nicht nur mit gewaltigen Schauwerten aufwarten, sondern erzählt vor allem eine dramaturgisch punktgenau aufgebaute und in sich stimmige Geschichte, die sich in ihrer Tiefgründigkeit stellenweise mit den Werken der unerreichten Pixar-Schmiede messen kann. Wie schon der erste Teil, der in seiner Konsequenz nicht zwingend an ein junges Publikum gerichtet war, geht auch das Sequel mit seinen Figuren hart ins Gericht. Zudem wird auch weiterhin gänzlich auf Schönmalerei verzichtet.

Das mag in Anbetracht weichgespülter Animationswerke wie „Epic“ oder „Die Croods“ zunächst fast befremdlich wirken, doch vor der rauen Kulisse der Felseninsel Berk passt ein derartiger Tonfall wie die Faust aufs Auge. Vor den steilen Klippen und der gefährlichen Brandung kämen Geschichten, die in jeder Hinsicht auf Happy Ends zusteuern, nicht unbedingt glaubhaft daher. So verspielt „Drachenzähmen leicht gemacht 2“ zwar ganz bewusst seinen Status als alle Altersklassen ansprechendes Animationsabenteuer, doch umso treuer zeigte sich in den vergangenen Jahren die Zielgruppe. Ausgenommen diverser Disney/Pixar-Werke ist das „Drachenzähmen“-Franchise das mit den kreativsten Liebhabern gesegnete. Fan-Videos, Fan-Geschichten und Zeichnungen erreichen den Filmemacher eigenen Angaben zufolge Tag für Tag.

Szene_Drachen_2_3Trotz des erzählerischen Triumphs aufgrund einiger sehr starker Story-Twists muss sich Drehbuchautor und Regisseur Dean DeBlois jedoch auch eingestehen, dass der Film entgegen seiner übersichtlichen Laufzeit von 102 Minuten einige Längen besitzt, die so in der Form leicht zu umgehen gewesen wären. Neben sehr intensiven Drama-Szenen, die bemerkenswert offen und erwachsen geraten sind, wirken die dynamischen Flug- und Kampfszenerien teilweise grobmotorisch, das Tempo durcheinander bringend und der ernsten Story nicht immer würdig. Auch, wenn es der Film plotbedingt Action verlangt, wünscht man sich anstatt mehrerer spektakulärer Schlachten und Flugrennen immer wieder ruhigere Töne herbei. Auch die minimalistische Animation der Drachen wirkt vor dem gesetzten Hintergrund ab und an fehl am Platz. Dies tut dem Spaß am Abenteuer zwar keinen Abbruch und gerade die jüngeren Kinogänger haben in den temporeichen und vor allem in 3D betörenden Sequenzen allerhand zu staunen, trotz dessen kann „Drachenzähmen leicht gemacht 2“ sein Potenzial nicht in Gänze ausschöpfen. Zum dritten Teil besteht entsprechend Luft nach oben.

Was man von den Sprechern nicht behaupten sollte. Die zum ersten Teil nahezu identischen Schauspieler geben im Sequel einmal mehr ihr Bestes und erhalten obendrein prominenten Zuwachs. Die ihre Takes barfuß einsprechende Martina Hill ist hier zum ersten Mal in einer sehr ernsten Synchronrolle zu hören. „Ich liebe den ersten Teil und freue mich total, dass ich jetzt beim zweiten dabei sein darf, der mir sogar fast noch besser gefällt“, gibt die durch die TV-Sketch-Comedy „Switch reloaded“ bekannt gewordene Schauspielerin zu.

Szene_Drachen_2_2Mit ihrer neusten Arbeit unterstreicht Hill ihren Status als ernstzunehmende Synchronsprecherin abseits der Komödien-Schiene und sorgt mit dafür, dass die Szenen zwischen ihrer Figur und Haudrauf besonders mitfühlend geraten sind; beide Charaktere verbindet eine gemeinsame Vergangenheit, die sie in einem liebevoll-herzzerreißenden Duett Revue passieren lassen. Ein emotionales Highlight des Films! Daniel Axt und Emilia Schüle (beide auch gemeinsam in „Rock it!“ zu sehen) gelingt es perfekt, sich in die aufgrund der fünf vergangenen Jahre seelisch gereiftere Fassungen ihrer Figuren hinein zu versetzen und beide verleihen ihren Charakteren somit die notwendige Authentizität.

„Drachenzähmen leicht gemacht 2“ unterstreicht den Eindruck, zu den „erwachsensten“ Animationsfilm-Franchises zu gehören und setzt die reife Erzählweise des ersten Teils fort. Der minimalistischen Animation zum Trotz schafft Dreamworks Animation ein faszinierendes Trickspektakel, das in 3D besonders zur Geltung kommt, und das einmal mehr beweist: Nur Fliegen ist schöner!

Mein Interview mit den Synchronsprechern Daniel Axt (Hicks) und Emilia Schüle (Astrid) findest Du hier.

 



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INHALT

Der spannende zweite Teil der epischen Trilogie bringt uns zurück in die fantastische Welt von Hicks und Ohnezahn - fünf Jahre später, nachdem die beiden die Drachen und Wikinger erfolgreich auf der Insel Berk zusammengeführt haben. Während Astrid, Rotzbakke und der Rest der Gang sich gegenseitig im Drachenrennen (der neuen beliebten Sportart der Insel) herausfordern, fliegen die unzertrennlichen Freunde Hicks und Ohnezahn durch die Lüfte, um neue Welten zu entdecken. Als die beiden auf einer ihrer Abenteuerausflüge eine versteckte Eishöhle entdecken, in der hunderte neue wilde Drachen und der mysteriöse Drachenreiter zuhause sind, geraten sie in einen Kampf, den Frieden auf Berk zu bewahren. Hicks und Ohnezahn müssen zusammenhalten und sich für das einsetzen, woran sie glauben. Dabei erkennen sie, dass sie nur zusammen die Kraft haben, die Zukunft für die Menschen und Drachen zu verändern. (Text: Dreamworks Studios Germany)
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