KRITIK

Dorfpunks

Dorfpunks Hinten rauscht die Ostsee, vorne ploppt das Dosenbier: Nix los in der Holsteinischen Schweiz anno 1984, tote Hose in Schmalenstedt. Von irgendwoher hat die Clique um Töpferlehrling Malte (Cecil von Renner) aber was von Punk gehört – und deshalb gebe n sich die Jungs nun kuriose Namen, gelen sich das Haar zum Igel, rempeln in der Dorfdisco und sitzen saufend in der Fußgängerzone.

Was Anarchie sein soll, wirkt trotzdem noch irgendwie piefig. Deshalb gründen Malte alias „Roddy Dangerfield“ und seine Jungs noch eine gebührend dilettantische Band, bis die Clique an inhaltlichen Richtungsstreitereien, Liebesquerelen und am ganz gewöhnliche Lauf der Dinge zum Sommerende dann doch auseinanderfällt.

Der Hamburger Szene-Entertainer Rocko Schamoni hat seine Provinzpunk-Jugend im Bestseller „Dorfpunks“ beschrieben, und Lars Jessens Verfilmung ist nun von unerwarteter Allgemeingültigkeit. „Dorfpunks“, gespielt von erfrischend hemdsärmelig auftretenden Neu-Darstellern, überzeugt als klassisch-sympathische Entwicklungsgeschichte mit großartigen Dialogen und melancholischer Grundierung: Das Revoluzzertum in Punk-Form, so lächerlich es vor dem Hintergrund holsteinischer Kuhwiesen und links eingestellter 68er-Eltern auch wirken mag, war eben auch nur eine von vielen möglichen Formen des Aufbegehrens.



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INHALT

Im Sommer 1984 in der norddeutschen Provinz von Schmalenstedt kommen Malte, der sich Roddy Dangerblood nennt, und seine Kumpels auf die Schnaps-Idee, eine Punk-Band zu gründen. Mit Roddy, Fliegevogel, Flo, Sid, Piekmeier und Günni nebst Hund trifft er sich regelmäßig in einer Waldlichtung, um am Lagerfeuer Bier zu trinken und ab zu hängen. Sie denken lange über den Band-Namen nach, für Üben bleibt wenig Zeit. Es werden eigentlich auch nur zwei Auftritte absolviert, mehr schlecht, aber mit ganz viel Punk-Attitüde.
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