KRITIK

Domino

Domino Die Frau hätte Model werden können. Oder auch Schauspielerin. Tatsächlich aber entschied sich Domino Harvey, Tochter des Hollywood-Schauspielers Laurence Harvey („The Manchurian Candidate“), für ein Leben als Kopfgeldjägerin. Ein kurzes. Mit 35 Jahren starb sie an einer Überdosis Drogen. Soviel zu den Fakten, nun zu etwas ganz anderem, dem Film nämlich, den ein guter Freund von Domino, der Regisseur Tony Scott, über sie gedreht hat.

„Domino“ will kein Biopic sein, obwohl der Stoff zur Charakterstudie getaugt hätte. Wie Domino, die Keira Knightley recht imageunkonform als toughen, ketterauchenden Vamp in schwarzer Lederhose spielt, sich eine Ersatzfamilie ausgerechnet in dem gealterten Headhunter Ed (Mickey Rourke) und dessen Kompagnon Choco (Edgar Ramirez) sucht und im waffenbewehrten Macho-Milieu der Menschenjäger Fuß fasst, fasziniert nicht auf der Oberfläche – aber für die ist Scott nun mal Spezialist.

Er will eine Krimigeschichte erzählen, einen blutigen, coolen Film-Noir, der um 10 Millionen Dollar kreist, die aus dem Geldtransporter eines Casino-Moguls geraubt wurden. Ein Coup, in den unser Trio und dessen Auftraggeber, der Kautionshändler Claremont Williams, verwickelt sind. Außerdem die Mafia und viele, viele Nebenfiguren. Es dauert nicht sehr lange, bis man da den Überblick verliert. Zumal Scott Domino und ihren Freunden noch ein Reality-TV-Team zur Seite stellt, das eine Doku-Soap über das wilde Kopfgeldjägerleben drehen will. So kommt zum Thriller noch die Mediensatire. Gefilmt in dem für Scott typischen popmodernen Clip-Stil, geprägt von Schrifteinblendungen, Reißschwenks, Zeitlupen und Stakkato-Schnitten. Eine Ästhetik, die packt, aber nicht eben das Verständnis des 130-minütigen Action-Overkills erleichtert.

Schade, „Domino“ ist fraglos mit Verve inszeniert und bis zur kleinsten Rolle illuster besetzt. Lucy Liu spielt eine FBI-Agentin, die in der Rahmenhandlung die todesverächtliche Domino verhört, Christopher Walken gibt den manisch-wirren Fernseh-Produzenten, der zwei abgehalfterte „Beverly Hills 90210“-Stars als Reporter ins Reality-Rattenrennen schickt, Tom Waits schließlich tritt als Drogen-Vision in der Wüste auf. Und so nebulös wie seine Erscheinung bleibt das Leben der Domino Harvey.



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INHALT

Das ebenso attraktive wie sturköpfige Ex-Ford-Model Domino Harvey, Töchterchen des Schauspielers Laurence Harvey, hat die Schnauze voll vom Luxus-Leben in Beverly Hills. Statt Cocktails zu schlürfen will sie zukünftig als Kopfgeldjägerin ihren Lebensunterhalt verdienen. Zusammen mit dem schrägen Duo Ed und Choco lehrt sie fortan die Unterwelt das Fürchten. Mit der Reality-TV-Show "The Bounty Squad" kommt neuer Ruhm, aber auch Ärger, als Domino und Co. bei einer Mission ins Kreuzfeuer von Mafia und FBI geraten. Nach einer wahren Geschichte.
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Eure Kritiken zu Domino

  1. Gutzi

    Da kann Tony Scott visuell und akustisch noch so schwere – und durchaus beeindruckende – Geschütze auffahren, inhaltlich bleibt der Film so tot, wie es die wahre Domino Harvey leider auch schon ist.

  2. Jacky

    Und wenn man nicht auf schnellgeschnittene Filme steht……. sollte man sich Domino besser nicht geben. Ist ja nicht so, dass ich schnelle Schnitte überhaupt nicht mag, aber wenn das eineinhalb Stunden so geht, dann kann das einen schon etwas…. nervös machen. Ansonsten ist die Geschichte ganz gut, wenn auch nicht soo realitätsnah.

    Alles in allem war der Film nicht schlecht, ich habe nur irgendwie mehr erwartet und meinen Erwartungen entsprach er leider nicht wirklich.

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