KRITIK

Disturbia

Disturbia DAS FENSTER ZUM HOF blickt in dieser Quasi-Neuauflage des Hitchcock-Klassikers für Teenager nicht etwa auf ein Mietshaus hinaus, sondern auf die umliegenden Einfamilienhäuser einer grundgewöhnlichen Vorstadtsiedlung. Auch sitzt Kale Brecht, das jugendliche Update der James-Stewart-Figur, nicht wie im Original mit Teleobjektiv gerüstet im Rollstuhl; er wird vielmehr mit elektronischer Fußfessel an sein Elternhaus gebunden – denn das Trauma seines tödlich verunglückten Vater ließ ihn Gesetze brechen.

Natürlich guckt man als junger Mediennutzer heute nicht mehr einfach so aus Langeweile aus dem Fenster ins Leben der anderen, und so verwendet der Film viel Zeit damit zu erklären, warum Kale es dennoch tut: Alles, womit sich die Jugend von heute sonst die Zeit vertreibt, wird ihm verboten: Fernsehen, Xbox, Itunes.

Als er dann mangels Alternative doch zum Fernglas greift, wird er erst auf ein Traum-Girl aufmerksam, dann auf einen finsteren Nachbarn (ölig: David Morse), der Kales Mutter (herb: Carrie-Anne Moss) hinterhersteigt und wahrscheinlich ein Serienkiller ist. Regisseur D. J. Caruso vergeudet die Standardsituationen des Plots (die Entdeckung des Voyeurs durch den Beschatteteten, der Ausflug eines Komplizen ins Killer-Haus), indem er, anders als bei Hitchcock, den Mörder zu plakativ als solchen inszeniert. Ansonsten aber schnurrt „Disturbia“ solide spannend und unterhaltsam ab – wenn man mal vom horrorhaften Finale absieht, das mehr mit „Poltergeist“ als mit Hitchcock zu tun hat.

Insgesamt ist der Film sowieso hauptsächlich ein neues Vehikel für Shia LaBeouf („Transformers“), den Jungstar, auf den sich alle einigen können: Besseres komödiantisches Timing hat momentan niemand aus Hollywoods junger Liga.



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INHALT

Nach dem Tod seines Vaters zieht sich Kale Brecht in sich selbst zurück und eckt immer häufiger mit dem Gesetz an. Das alles sehr zum Missfallen seiner allein erziehenden und hart arbeitenden Mutter Julie, die nicht verhindern kann, dass Kale schließlich von einem Richter unter Hausarrest gestellt wird. Das geht noch mehr auf Kosten seiner Psyche: Er beginnt seine Nachbarn zu beobachten und ist schnell davon überzeugt, dass einer von ihnen ein Serienmörder ist.
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Eure Kritiken zu Disturbia

  1. Sarge

    Etliche Filmzitate aus Suspense-Meisterwerken, angemixt mit etwas klangvoller Thriller-Musik. Ein amüsanter Mainstream-Thriller mit einem überzeugenden Shia LaBeouf.

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