KRITIK

Dirty Cops – War on Everyone

Bild (c) 2016 Constantin Filmverleih.

Bild (c) 2016 Constantin Filmverleih.

Fans von John Michael McDonagh („The Guard„, „Calvary – Am Sonntag bist Du tot„) können aufatmen: Für die dritte Regiearbeit des in London geborenen Iren muss man nicht in irgendein entlegenes Kino fahren, das den gewaltverherrlichenden Blödsinn namens „War on Everyone“ zeigt. Denn diese bittere Pille, verpackt in mehrere Lagen verführerisch glänzender Zelluloidfolie, hinterlässt übelste Magenschmerzen. Und deshalb wird an dieser Stelle davor gewarnt. Damit nachher keine Klagen kommen… Oder ist vielleicht doch alles ganz anders und alles nicht so gemeint? Zu den Fakten:

Im Mittelpunkt des Geschehens (das eigentlich ziemlich egal ist), stehen zwei sehr unterschiedliche Cops: Terry (Alexander Skarsgård) ist ein Einzelgänger. Ein großes Kind in einem viel zu großen Körper, alkoholabhängig, blond, gutaussehend, äußerst schlagkräftig und er fackelt nicht lange, wenn es um mögliche Widersacher geht. Bob (Michael Peña), sein bester und einziger Freund/Partner ist ein Familienmensch. Bob diskutiert mit seiner Ehefrau über Simone de Beauvoir, hasst Sport und spielt mit seinen zwei fettleibigen Söhnen gerne Ego-Shooter. Ausgestattet mit wesentlich besseren Manieren als sein Partner Terry, fackelt auch er nicht lange, wenn es um Ungerechtigkeiten geht, obwohl er angeblich noch nie jemanden umgebracht hat.

Szene_Dirty_CopsMcDonagh, der auch das Skript zu seinem Buddy-Movie verfasst hat, steckt sein Duo in sehr teure Anzüge, lässt sie in großen Häusern wohnen und abseits ihrer kargen Recherchearbeit für ihre Jobs das Leben genießen. Woher diese Insignien der Macht kommen, wird schnell klar: Die schwer zu beeindruckenden Buddy-Cops erpressen ganz New Mexico, schieben Kleinkriminellen mit Minipli Kokain unter, konsumieren es vor Ort, saufen ohne Ende, setzen aus Spaß schicke Autos gegen die Wand, kehren dann aber zu Frau und Kindern zurück oder verlieben sich in die vermeintlich Richtige (Terry alias Alexander Skarsgård in die Tänzerin Jackie alias Thessa Thompson).

Wieso, weshalb, warum? Egal, das Cop-Leben ist lustig. Alles ist erlaubt. – Ist es das? Ihr Vorgesetzter, Lt. Gerry Stanton (Paul Reiser) findet das alles andere als komisch. „Das ist eure allerletzte Chance. Aber die wirklich allerletzte…“ gibt er seinem schlagkräftigen Duo mit auf den Weg. Während dieses weiterhin betont grob mit ihrer Verbrecherklientel umgeht und weiterhin Informanten verarscht, zieht ein britischer Lord seine kriminellen Kreise und lässt sich nicht so schnell aus dem Weg räumen, wie es die schlagkräftigen Cops gewohnt sind. Also muss man zu härteren Mitteln greifen.

Szene_Dirty_Cops_2„War on Everyone“ gehört zu jener Sorte Film, die wie eine „kleine Fingerübung für Zwischendurch“ anmuten. Coole Cops mit coolen Gesten, einer karikaturhaften Zuspitzung des Geschehens und ein Sperrfeuer an platten Onlinern, die Spätpubertierende auf dem Nachhauseweg zitieren. „Höhö, cool, wie der Große dem Handlanger minutenlang auf dem Hausdach den Kopf zertrümmert hat.“ Ja, verstanden, Mister McDonagh, alles nicht so gemeint, sie wollten doch nur spielen! OK, vielleicht ist ihr Film eine Hommage? Eine Persiflage vielleicht? Filmfans und vor allem -kritiker sollten wohl bei diesem kleinen Einfall von Film ihren Stock aus dem Arsch nehmen und die Dialoge zweier Starsky & Hutch-Doubles feiern. Nur darf die Frage erlaubt sein, warum in einer derart platten Art und Weise Gewalt und Zerstörung gefeiert und verherrlicht wird? Verpackt in teuren Anzügen, akzeptiert von verständnisvollen Partnerinnen, und verziert mit Simone de Beauvoir-Zitaten?

 

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Kritikerspiegel Dirty Cops - War on Everyone



Frank Brenner
choices, FRESH, etc.
9/10 ★★★★★★★★★☆ 


Christian Gertz
nadann... Wochenschau, mehrfilm.de
3/10 ★★★☆☆☆☆☆☆☆ 


Carsten Happe
Der Schnitt, filmgazette
8/10 ★★★★★★★★☆☆ 


Durchschnitt
6.5/10 ★★★★★★½☆☆☆ 


Weitere Noten zu kommenden und aktuellen Kinofilmen findest Du in unserem Kritikerpiegel.

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