KRITIK

Diese Nacht

Diese Nacht Der Film beginnt mit einem Shakespeare-Zitat: „Von allen Wundern, die ich je gehört, scheint mir das größte, dass sich die Menschen fürchten; da sie doch sehen, der Tod, das Schicksal aller, kommt, wann er kommen soll.“ Die Schrecken des 20. Jahrhunderts, eine Stadt im Belagerungszustand. Die Armee zögert den Einmarsch noch hinaus. In der Stadt marodieren die Milizen der Geheimpolizei, die Straßen liegen voller Leichen. Eine Nacht, ein Film, der apokalyptischer nicht sein kann. Unerbittlich schreitet die Nacht voran, nach und nach zerfleischen sich die Akteure des Untergangs-Reigens selbst oder gegenseitig. Die Apokalypse als Trauerspiel in den Farben Rot, Weiß und Schwarz.

Erhellende oder gar erlösende Momente? Ja, die gibt es auch. Aber „Der Tod kommt, wann er kommen soll. Am Ende trifft er uns alle“, so der 1945 geborene Theater-, Oper- und Filmregisseur Werner Schroeter über seine aktuelle Romanverfilmung, die im französischen Original den (schöneren) Titel „Nuit de Chien“ trägt. Und weiter: „Ein Künstler muss seine eigene Sprache in der Darstellung finden.“ Quod erit demonstrandum.

Im vorliegenden Fall adaptiert Schroeter den Roman als allegorisches Endzeitspiel, als eine Art Verschmelzung von Oper und Autorenfilm. Episodenhaft. Unter Genre-Gesichtspunkten vielleicht nur vergleichbar mit einem Thriller mit vielen Wendungen, klassischer Musik und starken Frauenrollen. Frauen, die erniedrigt werden und doch wie Heilige wachsen in ihrem Schmerz. „Diese Nacht“ ist wie eine Reise, die wir erleben aber vielleicht gar nicht nicht erleben wollen. Eine künstlerische Darbietung, ein Endzeitspiel, das getragen von klassischer Musik erschreckend aktuelle Bezüge aufweist aber nie am Charakter der Parabel zweifeln lässt.

Man muss schon die Oper mögen, um Gefallen an Schroeters Endzeitspiel zu finden. Seine Erzählung hat etwas episodenhaftes, unerklärliches und doch ist jede Einstellung ein Kunstwerk für sich. Ein Schauspiel, ganz auf die Situation ausgelegt, die Szene, nicht auf Plot, Handlung oder Spannung. Ein beeindruckender, ein faszinierender Film.

Lesen Sie dazu auch unser Interview mit dem Regisseur Werner Schroeter.



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INHALT

Die Hafenstadt Santa María befindet sich am Rande des Abgrunds. Noch leuchten ihre Fassenden majestätisch in der tiefblauen Nacht, doch längst haben Tod und Verfall, Gewalt und Verrat die Stadt in Beschlag genommen. Von einem langen Krieg zermürbt, versinkt Santa María im Chaos. In dieser Nacht kehrt Luis Ossario Vignale, Held einer gescheiterten Widerstandsbewegung, nach Santa María zurück, um seine einstige Geliebte zu finden und mit ihr zu fliehen. Doch Clara scheint spurlos verschwunden. So begibt sich Ossorio auf eine nächtliche Irrfahrt, die ihn seinem Ziel nicht näher bringt, ihn jedoch immer tiefer in das Labyrinth aus Machtgier, Angst und zynischem Opportunismus führt, zu dem sich Santa María in seiner Abwesenheit entwickelt hat.Aber nicht nur die Lage hat sich verändert, auch seine Freunde: Während eine hemmungslose Miliz die Stadt terrorisiert, versucht jeder nur noch seine eigene Haut zu retten. Es bleibt nur diese Nacht zur Flucht.
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