KRITIK

Dieb der Worte, Der

Plakat zum Film Der Dieb der WorteDer erfolglose amerikanische Schriftsteller Rory, gespielt von Frauenschwarm Bradley Cooper (oscarnominiert für „Silver Linings“), verbringt seine Flitterwochen in Paris und wandelt dort klischeegemäß auf den Spuren Hemingways. Ausgerechnet gegenüber dessen ehemaligem Wohnhaus entdeckt er in einem Trödelladen eine Aktentasche, in der sich ein vergilbtes Manuskript verbirgt: ein Roman!

Gattin Dora (Zoe Saldana aus „Avatar“) denkt, nachdem Rory das Werk begeistert abgetippt hat, es handele sich bei diesen tollen Worten (bei Licht betrachtet: eine pilcherisierte Kalenderblattschmonzette) um betörende Herzensergüsse und rät zur sofortigen Veröffentlichung. Das Werk wird ein Hit, Rory erfolgreich. Doch dann sitzt plötzlich ein alter Mann neben ihm auf der Parkbank und gibt sich als wahrer Autor zu erkennen.

Szene zum Film Der Dieb der WorteJeremy Irons spielt diesen Alten, ein Schauspieler, der sich – siehe „Nachtzug nach Lissabon“ – momentan zum Grandseigneur der bildungsbürgerlichen Silver Ager in ihren gediegenen Kinosesseln mausert. Der Film springt nun zurück und wieder vor: zurück in die fiktive Romanhandlung, die sich als wahre tragische Liebesgeschichte des Alten im Vorkriegs-Paris entpuppt und in Rückblenden so zuckrig-kitschig inszeniert ist, als hätten die Debüt-Regisseure Brian Klugman und Lee Sternthal sämtliche Amerikaner-in-Paris-Stereotypen der Film- und Literaturgeschichte auf wenige Minuten verdichten wollen. Grässlich!

Das Vorspringen wird derweil als Rahmenhandlung angepackt: Da trägt ein alternder Erfolgsliterat (konturlos: Dennis Quaid) die Geschichte von Rory und dessen Romanfund als Erfindung seines eigenen neuesten Romans vor. Leider macht dieser konstruierte Überbau vor allem eines deutlich: Hinter der behaupteten Spielerei mit Wahrheit und Dichtung verbirgt sich bloß eine banale und bieder inszenierte Liebesgeschichte. Interessant daran ist einzig, dass der zentrale Plot verdächtig an Martin Suters „Lila, lila“ erinnert.

 

Kritikerspiegel Der Dieb der Worte



Gian-Philip Andreas
Westfälische Nachrichten
3/10 ★★★☆☆☆☆☆☆☆ 


Lida Bach
Kino-zeit, titel-magazin u.a.
2/10 ★★☆☆☆☆☆☆☆☆ 


Christian Gertz
na dann... Wochenschau, mehrfilm.de
3/10 ★★★☆☆☆☆☆☆☆ 


Klaus-Peter Heß
Münstersche Zeitung
3/10 ★★★☆☆☆☆☆☆☆ 


Durchschnitt
3/10 ★★★☆☆☆☆☆☆☆ 


 



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INHALT

Zwei Bücher, drei Autoren: Der Schriftsteller Rory Jansen (BRADLEY COOPER) kommt unter falschen Voraussetzungen zu Ruhm, denn das Buch, das er schrieb, sind eigentlich die Worte eines anderen (JEREMY IRONS). Aber beide Autoren, der falsche und der echte, sind doch nur Phantasieprodukte, Figuren eines weiteren Buches, dessen Autor Clay Hammond (DENNIS QUAID) sich mit allerlei Geheimnissen umgibt. Bis eine schöne Studentin (OLIVIA WILDE) beginnt, ihm all die richtigen Fragen zu stellen, um hinter seine Fassade zu blicken.
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