KRITIK

Die zwei Gesichter des Januars

Bild (c) Studiocanal Film.

Bild (c) Studiocanal Film.

Treffen sich drei Amerikaner im Athen des Jahres 1962: Rydal hat das Studium an einer US-Elite-Uni geschmissen und jobbt stattdessen als Fremdenführer. Das mondäne Ehepaar Colette und Chester MacFarland bereist mit Überseekoffer und Leinen-Anzug Europa. Schöne, nette Menschen. Alles nur Fassade?

Der Titel dieser Patricia-Highsmith-Verfilmung verweist auf den zweigesichtigen Römergott Janus, und so wird schnell klar, dass hier niemand so ist, wie er sich darstellt. Rydal erweist sich als Hochstapler, Chester als Anlagebetrüger, bald schon liegt ein Privatdetektiv erschossen im Hotel, und das Trio Infernal befindet sich auf der Flucht. Auf Kreta zetteln die drei auf gefälschte Pässe wartenden Ganoven einen psychologischen Kleinkrieg miteinander an, und in den Ruinen von Knossos, im Labyrinth des Minotaurus, eskaliert die Situation.

Am Regiedebüt des vor allem als Drehbuchautor bekannten Hossein Amini („Drive„) überzeugt vor allem seine optische Eleganz: das erdige Licht Griechenlands, die stilvolle Kleidung reicher Leute Anfang der 60er Jahre, die Sonne, die Schatten, das Mittelmeer. „Die zwei Gesichter des Januars“ wandelt als gemächlich voranschreitender Ausstattungskrimi auf den Spuren der Poirot-Filme mit Peter Ustinov, auch wenn es weniger um Täter-Enttarnung als um die psychologischen Motive geht.

TTFOJAuch die Darsteller überzeugen: Oscar Isaac („Inside Llewyn Davis„) glänzt als windiger Rydal im (wie so oft bei Highsmith homoerotisch grundierten) Psycho-Duell mit Viggo Mortensens Chester. Und Kirsten Dunst, die schon im Kerouac-Film „On the Road“ an Mortensens Seite spielte, verleiht ihrer eher dekorativ angelegten Gattinnenrolle eine rätselhafte Größe.

Insgesamt aber steht die visuelle Geschmeidigkeit des Films dem Suspense-Potenzial der Handlung meist im Wege: die Figuren berühren kaum, der Funke springt auch beim Liebesdreieck kaum über. Somit gehört diese Highsmith-Verfilmung zwar zu den besseren Romanverfilmungen, bleibt jedoch in Augenschmeichler, kein Nervenzerrer.

 




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INHALT

1962. Der Amerikaner Rydal (Oscar Isaac) hält sich in Athen als Stadtführer über Wasser und trifft eines Tages auf Colette und Chester MacFarland (Kirsten Dunst und Viggo Mortensen). Er ist sofort fasziniert von den beiden, von ihrer kultivierten Art und der scheinbaren Leichtigkeit ihres Lebens. Doch der Eindruck trügt. Als Rydal die MacFarlands in ihrem Luxushotel besucht, bedrängt ihn Chester, einen offenbar bewusstlosen Mann mit ihm fortzuschaffen. Rydal stimmt zu und begibt sich damit in ein dunkles Netz aus Mord, Eifersucht und Intrigen. (Text: Studiocanal Film)
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