KRITIK

Die Nonne

Die_Nonne_A4_OktoberSie will nicht, aber sie muss: Die 16-jährige Suzanne wird ins Kloster geschickt. Nicht etwa, weil die Eltern so fromm wären, sondern weil sie kein Geld für eine weitere Mitgift aufbringen können. Oder wollen. Suzanne jedoch verweigert das Gelübde – und muss dafür büßen. Nachdem die erste, ihr noch mütterlich zugetane Oberin stirbt, behandelt deren Nachfolgerin sie wie eine vom Teufel besessene Delinquentin, mit Gewalt, Einzelhaft und fanatischer Herablassung. Zwar wird sie dann versetzt, doch auf den Regen folgt die Traufe: Die nächste Oberin belästigt sie sexuell.

Als in der zweiten Filmhälfte Isabelle Huppert die Szenerie mit lesbischem Betatscher-Furor zu vereinnahmen droht, kippt das Drama fast in die Parodie, so sehr unterscheidet sich der expressive Spielstil des Stars vom kargen Kammerspiel, das der frühere Horror-Regisseur Guillaume Nicloux („Die fliegenden Kinder“) zuvor entfaltete. Diese zweite, optimistischere Verfilmung der 1796 posthum erschienenen Anti-Klerus-Polemik „Die Nonne“ des Aufklärers Denis Diderot (nach Jacques Rivettes Version mit Anna Karina und Lilo Pulver) versteht sich weniger als kirchen- denn generell autoritätskritisch und zeichnet mit tragischem Ernst die Via Dolorosa einer Unbeugsamen nach.

Auf der Berlinale 2013 wurde der Film mürrisch durchgewinkt, dabei bleibt seine stille Strenge nachdrücklich in Erinnerung. Zum Großteil liegt dies an Newcomerin Pauline Etienne, die ihrer Figur eine beeindruckende, fast heilige Würde verleiht. Sehenswert.

  

 



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INHALT

Das bürgerliche Mädchen Suzanne Simonin (Pauline Étienne) ist jung, hübsch und klug. Als es von ihrer Familie dazu gedrängt wird, das klösterliche Gelübde abzulegen, entdeckt sie ein lang gehütetes Geheimnis der Mutter (Martina Gedeck), das fortan ihr Leben bestimmen wird: Suzanne kam unehelich zur Welt und soll für die Schuld der Mutter sühnen. Widerwillig beugt sich das Mädchen seinem Schicksal. Doch auch hinter Klostermauern bleibt Suzannes Hunger nach Freiheit und Selbstbestimmung ungebändigt und es beginnt ein langer, leidenschaftlicher Kampf gegen vorherrschende Konventionen und Religiösen Fanatismus. Suzanne erfährt Heuchelei, Grausamkeit, Gewalt und Verführung. Um ihren Willen zu brechen, unterwirft Mutter Oberin Christine (Louise Bourgoin) sie furchtbaren Erniedrigungen. Suzanne erreicht, dass sie in ein anderes Kloster verlegt wird, wo sie sich jedoch der obsessiven Zuneigung der Mutter Oberin von St. Eutrope (Isabelle Huppert) ausgesetzt sieht. (Text: Camino Filmverleih)
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