KRITIK

Die Haut, in der ich wohne

Plakat zum Film Die Haut in der ich wohnePedro Almodóvars melodramgesättigte Stories um blinde Regisseure und traumatisierte Transen sind bis heute Kolportage. Nur sein Stil hat sich im Lauf der Jahre verfeinert, vom buntscheckigen Chaos im Madrider Underground hin zur stilvollen Farbdramaturgie seiner jüngsten Filme, die selbst gesetzteres Programmkinopublikum genießt. Erlesen, ja fast von vollkommener Schönheit sind die Bilder auch in seinem neuen Film, “La piel que habito”. Dafür sind die Menschen nur umso kälter.

Allen voran Antonio Banderas, den Almodóvar erstmals seit “Fessle mich!” (1990) wieder besetzte. Der inzwischen 51-Jährige spielt wunderbar minimalistisch, scheinbar emotionslos den distinguierten Schönheitschirurgen Dr. Ledgard, der in seiner schicken Villa an einer unkaputtbaren Menschenhaut forscht. Im Keller hält er eine schöne junge Frau gefangen (Elena Anaya), die er mittels der Haut nach dem Bilde seiner verstorbenen Frau modelliert hat.

Szene aus dem Film Die Haut in der ich wohneIrgendwann gibt es einen Bruch, eine andere Geschichte beginnt, über einen jungen Verkäufer mit Triebstau, und es wäre bereits zu viel verraten, wenn man die Verbindung beider Plots darlegte. Aber, natürlich, es gibt eine. Und Almodóvar hat große Freude daran, in einer ausgefuchsten Rückblendenstruktur den tragischen Kern der Geschichte bloßzulegen – indem er ihr bald selbst die Haut abzieht.

Frankenstein-”Pulp Fiction” trifft auf Schnippschnapp-Körperhorror, Vergewaltigung auf Mord, Hitchcock auf “Peeping Tom” und auch David Cronenberg. Opfer- und Täterschaft sind so fließend wie Geschlechtsidentitäten. Und die melodramatische Wucht, zu der sich das Ganze schließlich aufschwingt, kriegt so wohl wirklich nur Spaniens bester Filmemacher hin. Grausam schön. Sehenswert.

 



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INHALT

Die bildhübsche Vera (Elena Anaya) ist die einzige Patientin einer privaten Schönheitsklinik, wo sie Tag und Nacht von dem plastischen Chirurgen Dr. Robert Ledgard (Antonio Banderas) überwacht wird. Er pflegt ihre Haut wie einen kostbaren Schatz und kontrolliert jeden Schritt, jeden Blick, jede Emotion. Doch wer ist Vera, die Ledgards verstorbener Frau so beängstigend ähnlich sieht? Sie hat keine Geschichte und doch scheint ihr Schicksal eng verknüpft mit dem Leben Roberts. Und welche Rolle spielen Roberts treue Haushälterin Marilia (Marisa Paredes) und der rätselhafte Mann im Tigerkostüm, der zuletzt beim Betreten der Klinik gesehen wurde?
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Eure Kritiken zu Die Haut, in der ich wohne

  1. Udo

    Ja, grausam schön ist dieser sehr sehenswerte Film von Almodóvar. Wieder einmal. In erster Linie sollte man hier aber auch die schauspielerischen Leistungen hervorheben, allen voran Antonio Banderas, der mit seinen wenigen Emotionen eine ganze Menge ausdrückt. Ein meisterlicher Film.

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