KRITIK

Der Nanny

Bild (c) 2015 Warner Bros. Ent..

Bild (c) 2015 Warner Bros. Ent..

Matthias Schweighöfer-Filme sind längst zu einer eigenen Marke geworden. Es ist mittlerweile völlig egal, wovon sie erzählen und welches Darstellermaterial links und rechts des patentiert sympathischen Volksbespaßers sonst noch am Wegesrand der vorhersehbaren Plots auftaucht. Ob er nun den Frauen im Fummel hinterstöckelt wie in „Rubbeldiekatz“ oder als vom Frettchen entmannter Samenspender die „Vaterfreuden“ entdeckt – es geht einzig um die märchenhafte Läuterung des Hauptdarstellers vom Hallodri zum verantwortungsvollen Helden, garniert mit mittelwitzigem Slapstick, Schmusemusik und einem visuellen Humor, der sich vom Bildprogramm der deutschsprachigen Heile-Welt-Komödien aus den 1950er Jahren nur unwesentlich unterscheidet.

In „Der Nanny“ spielt der gerade mal 34-jährige Matthias Schweighöfer nun einen zynischen Bau-Magnaten, der alleinerziehend in einer schlossähnlichen Villa auf einem Hügel residiert. Das ist abstrus, als Setzung aber auch völlig egal: Es ist halt so. Weil dieser Clemens ein pittoresk heruntergekommenes Hafenviertel luxussaniert, bekommt er Ärger mit dessen Bewohnern, lauter herzensguten Minderleistern, denen die Abrissbirne in die Bruchbude rauscht. Einer davon ist Rolf Horst, gespielt von Milan Peschel. Als der empört die Hügelvilla stürmt, wird er versehentlich als Kindermädchen von Clemens‘ verzogenen Gören angestellt. Warum? Ist halt so.

Szene_NannyJetzt denkt man kurz, der Film könnte sich zur Kinderrabauken-Chaoskomödie mit gendertheoretischem Einschlag wandeln, irgendetwas zwischen „Eine zauberhafte Nanny“ und „Mrs. Doubtfire“ zuwege bringen. Aber das passiert natürlich nicht. Denn im Schweighöfer-Film läuft zwangsläufig alles auf die Sympathisierung der jeweiligen Schweighöfer-Figur hinaus: So muss also Clemens am Beispiel des perfekten Kindermädchens Rolf Horst erkennen, was es heißt, ein guter Vater zu sein, und vom zynischen Investor zur Integrationsfigur der sozialen Gegensätze mutieren: Das Fischerviertel darf weiterleben. Warum? Ist halt so.

Die Marke Schweighöfer-Film verkauft dieses Ist-halt-so als lustige Fügung, Biedersinn als Flottheit in Werbe-Optik und gewollt skurrile Typen-Auftritte (Veronica Ferres, Joko Winterscheidt, Friedrich Liechtenstein) als selbstironisches Schauspiel. Einer seriösen Kritik hat sie sich damit längst entzogen.

 




Ähnliche Beiträge:

INHALT

Clemens (Matthias Schweighöfer) hat kaum Zeit für seine Kinder. Er plant gerade eines der größten Bauprojekte der Stadt und die Verträge sind so gut wie unterschrieben. Lediglich ein paar letzte Mieter müssen noch ihre Wohnungen räumen und der Bau kann beginnen. Doch als auch Rolf (Milan Peschel) seine Wohnung verliert, schwört er Rache und heuert undercover als männliche Nanny in Clemens Haushalt an. Sein Plan heißt: Sabotage. Da hat er die Rechnung allerdings ohne Clemens Kinder Winnie und Theo gemacht. Die beiden haben es sich zum Ziel gesetzt, neue Nannies innerhalb kürzester Zeit aus dem Haus zu vertreiben. Dafür ist ihnen jedes Mittel recht und sie zeigen bei der Wahl ihrer Waffen kein Erbarmen. So muss Rolf schmerzlich feststellen, dass Nanny sein kein einfacher Job ist und dass nun auch er zu härteren Mitteln greifen muss. Doch während er versucht, seine Wohnung und Heimat zu retten, entsteht aus seiner Sabotage mehr und mehr eine neue Familie. (Text: 2015 Warner Bros. Ent.)
Dieser Beitrag wurde unter Kritik abgelegt und mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kritik schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*