KRITIK

Der Diktator

Plakat zum Film Diktator„It´s a girl. Where is the trash can?“ – Er ist wieder da: Nach dem anarchischen Rapper („Ali G In da House“), dem kasachischen Politiker und österreichischen Homosexuellen („Borat“, „Brüno“) in den letzten Jahren bläst Comedian Sacha Baron Cohen erneut zur Attacke aufs Zwerchfell des satiregeschärften Publikums. Seine neue Kunstfigur heißt „General Aladeen“, mit der er nun die Großraumkinos und Zuschauer dieser Welt erfreuen will. Die Frage muss daher folgerichtig lauten: würde es ihm mit all seinen Ambitionen, die verlogene amerikanische Doppelmoral zu entlarven, erneut gelingen, bei seinem mittlerweile dritten Schauspielauftritt wieder an die satirische Schärfe / Gagdichte seines erfolgreichen Kinodebüts „Borat“ anzuknüpfen?

Der Diktator Poster 1 „Ahh.. America, the birth place of AIDS.“ – Die Antwort gleich vorweg: Es gelingt ihm nicht. Denn zum einen sind die zuständigen Drehbuchautoren Alec Berg, Jeff Schaffer und David Mandel nicht immer in der Lage, in jedem Erzählabschnitt des „Diktators“ die Lachmuskeln des Publikums mit einer permanenten, im Minutentakt niederprasselnden Gagtrefferquote zu malträtieren.

Teils amüsant, teils unterhaltsam-verspielt und belanglos, ab- und an albern wirkend (wenn geistreiche Pointen plattem, nicht zündendem Klaumauk weichen müssen) und mit einigen Brüllern über die recht kurze Laufzeit von 84 Minuten versehen ( Stichwort „Vagina-Abtastung“!), plätschert „Der Dikator“ inszenatorisch des öfteren belanglos vor sich dahin. Passgenau zusammengehalten  wird der Film des Regisseurs Larry Charles durch einige Storyfragmente, welche primär die Funktion erfüllen, den „American Dream“ als desillusionistisch und betrügerisch zu entlarven (beispielsweise wenn im Hintergrund zur laufenden, ersten Coming-Of-Age-Onanie von General Aladeen Robert Zemeckis´ „Forrest Gump“ in satirischer Manier sein Fett wegbekommt).

Der Diktator Poster 2 Zudem serviere man: platteste, austauschbare, global-politische Symbolik, welche den Sinn und Zweck eines roten Fadens erfüllt. Dabei wirken Sacha Baron Cohens satirische „Attacken“ während der kompletten Laufzeit progressiver, als der Inhalt in Wirklichkeit ist. Zu seicht, etwas zu nett und etwas zu liebevoll wirkt der Tonfall, den Regisseur Larry Charles über die komplette Laufzeit im „Vergleich“ zu „Borat“ und „Brüno“ anschlägt. Trotz des mitunter aufblitzenden Versuchs, nicht-westliche Geschlechterklischees auf die entsprechende Spitze zu treiben.

Der Diktator Poster 4 In Larry Charles´ Inszenierung des Diktators fehlt zum einen der anarchische, viel boshaftiger wirkende, bekannte  „Documentary Style“ des Baron Cohen Kinodebüts, durch welchen solch auffällig „gestellt“ wirkende, satirische Situationen wie beispielsweise die schauspielerisch zwiespältig anmutende, simuliert-verbale Attacke auf die amerikanische „Freiheitsstatue“ im entsprechenden Flieger keinen Platz und Raum zur Entfaltung geboten bekommen hätten:

Brillant durch Sacha Baron Cohen und dessen schauspielerischen Gegenpart initiert, verliert die gesamte, bereits in den Trailern zu bestaunende(!) Szenerie ihre eigentlich enorme, immanente Kraft, da die verkörperten Reaktionen der durch die Ereignisse vom 9. Setember gebeutelten amerikanischen Touristen auf dessen Attacken arg gekünstelt wirken bzw. lediglich einen reaktionären Gestus verströmen. Zum anderen erweisen sich auch Darsteller wie der immer gern gesehene Ben Kingsley leider als verschenkt, da ihm auf Grund des limitierten Scripts bis auf eine ihm zugestandene Vigilanten- und Opferrolle nach einer befremdlich und deplatziert wirkenden „Homosexuellen-Kussattacke“, damit die amerikanische und auch global-gesellschaftliche Prüderie aufs Korn genommen wird, keinerlei Entfaltungsmöglichkeiten zugestanden werden.

Megan Fox hingegen wird als „Betthäschen“ zum Abschuss freigegeben, John C. Reilly („Der Gott des Gemetzels“) darf bis auf seinen reduzierten „Bart-Abschneide-Spaß“ ebenso nichts Wesentliches zum Film beisteuern, einzig und allein Anna Faris vermag als ökologisch-spießig persifilierter „Love Interest“ und „Sidekick“ Sacha Baron in dessen Rolle zumindest etwas Paroli bieten. Und trägt wesentlich zum Gelingen der besten Szene im Film bei.

Diktator Poster 3 Als seichter, leicht-unterhaltsamer, aber letzten Endes belangloser Kinosnack vermag „Der Dikator“ bei dem einem oder anderem Betrachter, der sich mit einer moderat- anspruchslosen Satirekost zufrieden gibt, vielleicht noch den einen oder anderen Stich holen. Regisseur Larry Charles und Darsteller Sacha Baron Cohens Ziel, unter Zuhilfenahme der Kunstfigur eine großartige Satire auf die Mißstände von Politik und Gesellschaft zu schaffen, wird aber deutlich verfehlt. Diesen Diktator wird man letzten Endes schnell wieder vergessen…

 



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INHALT

Der sagenhafte Sacha Baron Cohen kehrt zurück auf die Leinwand und wieder einmal kümmert er sich herzlich wenig um die Grenzen des guten Geschmacks: DER DIKTATOR erzählt - politisch völlig unkorrekt - die heldenhafte Geschichte eines Machthabers, der um jeden Preis verhindern will, dass sein schönes Land, welches er voller Hingabe unterdrückt, ins Chaos der Demokratie gestürzt wird. Nachdem Admiral General Aladeen (Sacha Baron Cohen) nach Amerika geladen wird, um sein nukleares Atomprogramm zu rechtfertigen, wird er in dem von ihm liebevoll titulierten „Geburtsort von Aids" kurzerhand gekidnappt und durch einen ihm zum Verwechseln ähnlich sehenden Ziegenhirten ersetzt. Der Diktator findet sich daraufhin schutz- und obdachlos in New York wieder, bis er auf einen „kleinen Mann" trifft, der, wie sich herausstellt, die Besitzerin eines veganen Öko-Ladens ist und ihm schließlich Asyl bietet... doch Admiral General Aladeen duldet kein Asyl... sondern will seine 14-stündige Rede vor den Vereinten Nationen halten!
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