KRITIK

Departed – Unter Feinden

Departed - Unter Feinden Grade die Polizeischule verlassen, schleust sich der aufgrund seiner kriminellen Wurzeln bestens geeignete Billy Costigan (Leonardo di Caprio) als Undercover-Cop in die Kreise des Mafia- Paten Frank Costello (Jack Nicholson). Sein Gegenüber trägt dasselbe Schicksal:
Der Rekrut Collin Sullivan (Matt Damon) soll als Ziehsohn des Gangsterbosses das New-York-Police Department aushorchen und die Mafia mit den nötigen Informationen füttern. Schnell entschleiert sich der Kontrast der beiden, denn während Costigan unter psychischen Problemen leidet, entpuppt sich Sullivan in jeder Hinsicht als Aufsteiger.
So zieht sich das Doppelleben der beiden Hauptpersonen mit einem ebenso roten Faden durch die Handlung, wie er schließlich durch eine „Kettenreaktion des Verrats“(Scorsese im Interview mit Spiegel Online, 07.12.2006) aus den Rudern gerät.

Großartig musikalisch untermalt wird diese Szenerie von Howard Shore, der hiermit zum dritten Mal (nach „Gangs of New York“ und „Aviator“) in Scorseses Team berufen wurde. Von diesem Verhältnis der beiden Protagonisten lebt die Spannung in „Departed“: Den Identitäten, deren Einstellung zum Leben, den psychologischen Tiefgang und dem engen Beziehungsgeflecht, durch Verbindungen beider zur Polizei (verkörpert durch Hollywoodgrößen wie Alec Baldwin, Martin Sheen und Mark Wahlberg mit gewohnt starken schauspielerischen Leistungen), dem Mafia-Paten und der hauseigenen Polizeipsychologin.

Auch ist der Film teilweise recht zynisch und blutdrünstig, was jedoch schließlich auch seine Authentizität ausmacht. Und wie könnte ein Film ehrlicher sein, als wenn der Regisseur seine eigene Vergangenheit und Kindheitserinnerungen damit verarbeitet? „Unsere Wirklichkeit war die Straße und ihre unmittelbare Wahrheit…die ganze Welt spielte sich auf der Straße ab.“ so der Großmeister in einem Interview mit Spiegel-Online(07.12.2006). Da fällt es nicht schwer zu glauben, dass seine Rückkehr nach 11-jähriger Abstinenz vom Mafia-Film (nach „Casino“ 1995) eine wahre Herzensangelegenheit ist.

Scorsese schuf mit „Departed“ einen großartigen, packenden Polizei-Thriller und dies nicht zuletzt durch die schauspielerische Klasse seiner Traumbesetzung.
Mit welcher Ehrlichkeit und Glaubwürdigkeit er uns in seine grandios fotografierte Atmosphäre eintauchen lässt, zeugt von seiner Erfahrung und handwerklicher Fertigkeit, die uns in keiner einzigen Minute glauben lässt, dass ihm sein erster Oscar aus Mitleid vergeben wurde.



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INHALT

Mafiaboss Costello ist es gelungen, Colin Sullivan als Officer in die Polizei von Boston einzuschleusen. Diese konnte dagegen mit Billy Costigan einen Mann gewinnen, der Costello nahe steht. Als beide merken, dass ihre Organisationen unterwandert werden, beginnt ein Rennen darum, den jeweiligen Maulwurf aufzuspüren.
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Eure Kritiken zu Departed – Unter Feinden

  1. Christian

    Mit Superlativen sollte man vorsichtig umgehen. Hier sind sie jedoch angebracht. Die furiose Schauspielerriege um Jack Nicholson hat man selten im Kino so intensiv spielen gesehen. Und auch wenn Nicholson hier einige Male seine Darstellung eines Mafia-Bosses etwas überspannt, gleichen seine beiden Protegés diese kleinen Fehltritte wieder aus.

    Scorsese ist der Mann für den Mafia-Film. Es kann keinen besseren Regisseur für dieses Genre geben. Diese Leitung wird hoffentlich in naher Zukunft honoriert werden.

  2. Critic

    Man kann von fast allen Darstellern dieser Traumbesetzung sagen, dass sie sich die Seele aus dem Leib spielen allen voran Ex-Milchbart Leo DiCaprio mit seiner bisher besten Leistung, der Mann ist gereift, Jack Nicholson tut es ihm gleich, auch wenn er in manchen Szenen zum Overacting neigt. Wer mich mit einer sehr guten leistung überrascht hat ist Mark Wahlberg, gerade im zusammenspiel mit Martin Sheen (endlich mal wieder auf der Leinwand zu sehen) und wenn er sich mit Matt Damon oder Alec Baldwin in die Wolle kriegt. Das Drehbuch hat ein paar tolle Überraschungen parat und wer das Original „Infernal Affairs“ nicht kennt wird auch Überrascht sein, wirksam sind sie so oder so. Das Ende ist sehr viel härter und kompromissloser als das des Originals und erwischt einen ziemlich kalt, überhaupt ist „Departed“ brutaler und dreckiger als das Asiatische Original. Martin Scorseses Regie ist sowieso über alles erhaben desweiteren überzeugen die hervorragende Kameraarbeit von Michael Ballhaus und der Soundtrack mit sehr gut ausgewählten songs. Verdammt gut war übrigens der Schnitt da hat Thelma Schoonmaker gute Chancen auf einen Goldjungen. Ich denke das Oscar-Nominierungen in folgenden Kategorien drin sind: Bester Hauptdarsteller (Leonardo DiCaprio),Bester Nebendarsteller (Jack Nicholson),Beste Regie (Martin Scorsese),Bestes Adaptiertes Drehbuch(William Monahan),Bester Schnitt(Thelma Schoonmaker). Scorsese hat mit „Departed – Unter Feinden“ ein Meisterhaftes Gangster-Epos geschaffen, das sich ohne weiteres in jeder gut sortierten Filmsammlung zu Genre-Klassikern wie „Good Fellas“ oder „Heat“ gesellen kann.

  3. Andre

    .. schwer erträglich, diese Welt der gewissenlosen Unsympathen, brutalen Macho-Cops und psychopathischen Gewaltverbrecher. Trotzdem ein guter Film, herausragend meiner Meinung nach Mr. DiCaprio (er spielt mit solcher Wut und Grimmigkeit, dass man ihm seine Verzweiflung in jeder Minute ansieht) und Mr. Nicholson (der Pate trifft Jack, aus Shining als alternder Joker und alle fliegen sie übers Kuckucksnest). Kamera, Schnitt und Sound bilden ein überzeugendes Gesamtbild.

  4. Frank

    Dummerweise habe ich Infernal Affairs am Wochenende auf Premiere gesehen und bin daher (wie viele andere auch, die das Original kennen) schwer enttäuscht. Für Kenner des Originals war Departed einfach nur langweilig, da der Film fast wortwörtlich kopiert wurde. Wenn Scorsese dann meint, er wurde nur inspieriert vom Original, na dann untertreibt er aber! Ich habe schon hunderte „Remakes“ gesehen, aber dieser Film ist so extrem kopiert und unnötig gedehnt worden, dass es schon weh tut. Hatte der Drehbuchautor keine eigenen Ideen? Jeder Schuljunge hätte nach dem Anschauen von Infernal Affairs das Drehbuch für Departed schreiben können. Sorry Leute, aber dieser Film hat mich und andere die das Original kennen schwer enttäuscht.

  5. Hugo

    Remake hin oder her, was ist heute noch neu? Allein Jack Nicholson zweieinhalb Stunden zuzusehen wie er dem Affen Zucker gibt, ist sein Eintrittsgeld wert.

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