KRITIK

Departed – Unter Feinden

Departed - Unter Feinden „The Departed“ ist der dritte Scorsese-Film, in dem das „organisierte Verbrechen“ in den USA gnadenlos seziert wird. Die Vorgänger „Goodfellas“ und „Casino“ zeigten uns bereits über lange 150 Minuten, wie hart und brutal es in diesen Kreisen zugeht und das „jeder Vertrag erfüllt wird“.

Im Gegensatz zu den beiden genannten ist die Geschichte in „The Daparted“ breiter angelegt. Der Zuschauer darf sich mit drei Hauptpersonen identifizieren, die das Geschehen vorantreiben. Jack Nicholson (Gangster), Leonardo DiCaprio (Undercover-Polizist) und Matt Damon (Polizist und Informant) führen parallel immer etwas im Schilde. DiCaprio und Damon sind hier Doppelagenten, ohne Doppelnullen zu werden.

Die Polizei und die organisierten Verbrecher arbeiten in „löchrigen Systemen“. Trotz höchstmöglicher Abschottung arbeiten sich die Doppelagenten durch die jeweiligen Strukturen. An den Schnittpunkten erleben wir kleine „Cliffhanger“-Dramen, die für sich eine abgerundete Geschichte liefern könnten. Nachdem nach über zwei Stunden des Katz und Maus-Spiels die Fronten geklärt sind, kommt es zum endgültigen Showdown. In vielen anderen Derivaten des Genres wäre der Film dann zu Ende. Nicht so bei Scorsese. Bei dieser „Face-Off“-Version wird nichts, aber auch rein gar nichts ausgelassen. Abseits der Storyline werden von Scorsese hier Mafia-Krimi-Klischees aufs Korn und auf den Arm genommen. Und wie bei dem großen Regisseur Scorsese üblich, werden die Mafiosos so realistisch dargestellt, dass kein Bedarf nach einer „Verklärung“ mehr besteht. Von Heldenstatus sind die Protagonisten im Film weit entfernt.

Dass es sich bei diesem Film um ein Remake eines 90-minütigen Hongkong-Streifens handelt, fällt bei der gebotenen Qualität nicht auf – und was spielt es für eine Rolle. Dem normalen Kinogänger wird dies nicht weiter interessieren. Hier gilt: Besser gut nachempfunden und weiterentwickelt, als schlecht erfunden.

An der Kinokasse in Nordamerika war der Film bereits sehr erfolgreich. Ein Box-Office von mehr als 130 Mio. Dollar sind auch für viele Stimmberechtigte der Oscar-Verleihung ein (gutes) Argument. Da gleichzeitig Clint Eastwoods „Flag of our Fathers“ beim heimischen Publikum „abstürzte“, ist von dem einst heißesten Kontrahenten um die Oscar-Statuen keine Gefahr zu erwarten. Kurz vor dem großen Event um den wichtigsten Filmpreis der Welt, scheint sich die Stimmung zu drehen. An klebrigem Patriotismus scheint das amerikanische Volk keinen Gefallen mehr zu finden. Konkurrenten um die zu erwartenden Oscars dürften wohl eher „Bobby“, „The Good German“ oder „Little Miss Sunshine“ werden. Für die entsprechende Stimmung und Presse wird derweil gesorgt. Und da es in dieser Saison keinen ausgemachten Favoriten und keine „Kontroverse“ zu geben scheint, wie in den vergangenen Jahren, ist das Rennen noch völlig offen. Einzig beim Kamerapreis könnte am Ende der Name Ballhaus genannt werden, denn um die Gunst streiten Vater Michael und Sohnemann Florian, der für seine Arbeit bei dem Film „Der Teufel trägt Prada“ nominiert wurde. Dass der Sohnemann alle Kniffe vom Vater abgeschaut hat, ist seiner Arbeit anzusehen. Auch wenn es sich „nur“ um einen „frauenaffinen“ Stoff, wie dem der Modewelt handelt.

Wie man effektiv mit Bildern und Musik arbeitet, ist sowohl „Prada“ als auch „Departed“ sehr gut anzusehen und vor allem anzuhören. „The Departed“ wird beispielsweise untermalt von Stücken wie „Gimme Shelter“ (Rolling Stones“ oder „Comfortable Numb“ (Pink Floyd). Beide Songs geben „Departed“ eine weitere künstlerische Ebene. Und da heute mehr denn je (Film)Musik sehr im Unterbewusstsein (nach)wirkt, rundet eine exquisite Auswahl, wie hier im Film zu hören, den Filmgenuss ab. „Departed“ besticht auf vielen Ebenen und bleibt somit ein ganz heißer Kandidat für viele Oscar-Trophäen. Auch wenn der Begriff „Popkonkino“ hier völlig fehl am Platze ist.



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INHALT

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Eure Kritiken zu Departed – Unter Feinden

  1. Christian

    Mit Superlativen sollte man vorsichtig umgehen. Hier sind sie jedoch angebracht. Die furiose Schauspielerriege um Jack Nicholson hat man selten im Kino so intensiv spielen gesehen. Und auch wenn Nicholson hier einige Male seine Darstellung eines Mafia-Bosses etwas überspannt, gleichen seine beiden Protegés diese kleinen Fehltritte wieder aus.

    Scorsese ist der Mann für den Mafia-Film. Es kann keinen besseren Regisseur für dieses Genre geben. Diese Leitung wird hoffentlich in naher Zukunft honoriert werden.

  2. Critic

    Man kann von fast allen Darstellern dieser Traumbesetzung sagen, dass sie sich die Seele aus dem Leib spielen allen voran Ex-Milchbart Leo DiCaprio mit seiner bisher besten Leistung, der Mann ist gereift, Jack Nicholson tut es ihm gleich, auch wenn er in manchen Szenen zum Overacting neigt. Wer mich mit einer sehr guten leistung überrascht hat ist Mark Wahlberg, gerade im zusammenspiel mit Martin Sheen (endlich mal wieder auf der Leinwand zu sehen) und wenn er sich mit Matt Damon oder Alec Baldwin in die Wolle kriegt. Das Drehbuch hat ein paar tolle Überraschungen parat und wer das Original „Infernal Affairs“ nicht kennt wird auch Überrascht sein, wirksam sind sie so oder so. Das Ende ist sehr viel härter und kompromissloser als das des Originals und erwischt einen ziemlich kalt, überhaupt ist „Departed“ brutaler und dreckiger als das Asiatische Original. Martin Scorseses Regie ist sowieso über alles erhaben desweiteren überzeugen die hervorragende Kameraarbeit von Michael Ballhaus und der Soundtrack mit sehr gut ausgewählten songs. Verdammt gut war übrigens der Schnitt da hat Thelma Schoonmaker gute Chancen auf einen Goldjungen. Ich denke das Oscar-Nominierungen in folgenden Kategorien drin sind: Bester Hauptdarsteller (Leonardo DiCaprio),Bester Nebendarsteller (Jack Nicholson),Beste Regie (Martin Scorsese),Bestes Adaptiertes Drehbuch(William Monahan),Bester Schnitt(Thelma Schoonmaker). Scorsese hat mit „Departed – Unter Feinden“ ein Meisterhaftes Gangster-Epos geschaffen, das sich ohne weiteres in jeder gut sortierten Filmsammlung zu Genre-Klassikern wie „Good Fellas“ oder „Heat“ gesellen kann.

  3. Andre

    .. schwer erträglich, diese Welt der gewissenlosen Unsympathen, brutalen Macho-Cops und psychopathischen Gewaltverbrecher. Trotzdem ein guter Film, herausragend meiner Meinung nach Mr. DiCaprio (er spielt mit solcher Wut und Grimmigkeit, dass man ihm seine Verzweiflung in jeder Minute ansieht) und Mr. Nicholson (der Pate trifft Jack, aus Shining als alternder Joker und alle fliegen sie übers Kuckucksnest). Kamera, Schnitt und Sound bilden ein überzeugendes Gesamtbild.

  4. Frank

    Dummerweise habe ich Infernal Affairs am Wochenende auf Premiere gesehen und bin daher (wie viele andere auch, die das Original kennen) schwer enttäuscht. Für Kenner des Originals war Departed einfach nur langweilig, da der Film fast wortwörtlich kopiert wurde. Wenn Scorsese dann meint, er wurde nur inspieriert vom Original, na dann untertreibt er aber! Ich habe schon hunderte „Remakes“ gesehen, aber dieser Film ist so extrem kopiert und unnötig gedehnt worden, dass es schon weh tut. Hatte der Drehbuchautor keine eigenen Ideen? Jeder Schuljunge hätte nach dem Anschauen von Infernal Affairs das Drehbuch für Departed schreiben können. Sorry Leute, aber dieser Film hat mich und andere die das Original kennen schwer enttäuscht.

  5. Hugo

    Remake hin oder her, was ist heute noch neu? Allein Jack Nicholson zweieinhalb Stunden zuzusehen wie er dem Affen Zucker gibt, ist sein Eintrittsgeld wert.

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