KRITIK

Demolition

Bild (c) 2016 Twentieth Century Fox Germany.

Bild (c) 2016 Twentieth Century Fox Germany.

Im Zentrum des Films steht Investmentbanker Davis (Jake Gyllenhaal), körperlich fit, mit einer attraktiven Frau verheiratet und beruflich erfolgreich. Angestellt an der Wall Street, in der Firma seines Schwiegervaters. Weil er es damit natürlich viel zu gut erwischt hat im Leben, um als Held einer Tragikomödie infrage zu kommen, fährt ihm schnell etwas Grausames in die Parade: Die Gattin stirbt bei einem Autounfall. Davis ist schockiert und gerät aus der Bahn – allerdings aus völlig unerwarteten Gründen. Trauert er wirklich – oder spielt er das nur vor, weil dies von ihm erwartet wird? Trauert er womöglich eher um sich selbst?

Fragen über Fragen. Vorangetrieben wird dieses Selbstfindungsdrama „Demolition“ aus dem Off: Davis schreibt in einer Art Ersatzhandlung Beschwerdebriefe an die Betreiber eines defekten Snack-Automaten, in denen er nicht nur die stockende Süßigkeiten-Zufuhr beklagt, sondern alsbald sein ganzes Leben ausbreitet, das, wie sich zeigt, eben doch weitaus weniger erfüllend verlief, als es von außen den Anschein hatte.

Szene_DemolitionPlötzlich bekommt Davis daraufhin eine Antwort: Sachbearbeiterin Karen (Naomi Watts aus „King Kong„), unglücklich verheiratet und Mutter eines pubertär rebellierenden Teenie-Sohnes, beginnt sich für den Briefschreiber zu interessieren. Schließlich treffen sich beide und beherzigen samt Sohn das Motto des Schwiegervaters Phil (Chris Cooper, „Die Bourne Identität„): Um etwas verstehen zu können, muss man es auseinandernehmen. Gesagt getan.

Wie sich „Nightcrawler“ Jake Gyllenhaal fortan daran macht, das bisherige Leben seiner Figur ganz buchstäblich zu demolieren, angefangen bei den elektronischen Haushaltsgeräten und noch nicht endend bei seinem Top-Job, das ist als Bebilderung einer symbolischen Entpanzerung eine durchaus spannende Sache.

Doch der kanadische Regisseur Jean-Marc Vallée („Dallas Buyers Club“) hat unerwartete Mühe damit, den Plot gewinnbringend zwischen kauziger Komödie und existenzieller Sinnsuche einzunorden. Sein Film ist betont ruhig, bisweilen minimalistisch gehalten und verzichtetet in der Annäherung zwischen Davis und Karen auf die üblichen Romantik-Klischees – nur um dann in der dramaturgischen Schlusskurve doch noch in naheliegendste Kitschfallen zu tappen. Zum echten Meisterdrama reicht es also nicht, interessant und sehenswert ist diese biografische Dekonstruktion aber allemal.

 

 

Kritikerspiegel Demolition - Lieben und Leben



Gian-Philip Andreas
Westfälische Nachrichten
5/10 ★★★★★☆☆☆☆☆ 


Carsten Happe
Der Schnitt, filmgazette
8/10 ★★★★★★★★☆☆ 


Durchschnitt
6.5/10 ★★★★★★½☆☆☆ 


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