KRITIK

Death Proof – Todsicher

Death Proof - Todsicher Klar, Quentin Tarantino kennt die Filmgeschichte wie kaum ein zweiter. Er hat jeden Klassiker und jeden Schund gesehen. Er teilt als Hardcore-Cinephiler die Genres in eine Trilliarde Subgenres auf und unterscheidet etwa zwischen Zombiefilmen, in denen die Menschen durch Bisse zu Untoten werden und solchen, in denen sie durch Viren mutieren.

Man weiß das alles und würde nie der Behauptung widersprechen, dass Tarantino ein Meister des Filmzitats ist, dass – in den besseren Fällen wie „Reservoir Dogs“ – aus seinen dreifach gespiegelten, popmythomanischen Hommagen plötzlich wilde, urwüchsige Kino-Bastarde entstehen, die klug erzählt, brillant inszeniert und, ja, ziemlich cool sind. Streiten mag man sich darüber, ob „Pulp Fiction“ ein avantgardistischer, die Geschichte des Independent-Kinos umwälzender Meilenstein war, oder bloß ein blendender Fast-Food-Film.

Es bleibt aber – und damit nähert man sich dem Tarantino-Dilemma – ein Problem: Wird man gefragt, was eigentlich so komisch daran sein soll, wenn jemandem versehentlich ins Gesicht geschossen wird, gerät man, wenn man ehrlich ist, in Erklärungsnöte. Zitat hin, Gangster-Attitüde her.

In Amerika lief nun lief der jüngste Film von Quentin Tarantino unter dem Titel „Grindhouse“ als Double-Feature, zusammen mit Robert Rodriguez` filmischer Schlachteplatte „Planet Terror“. Und er ist spektakulär gefloppt.

Bei allem Spaß, aller Energie, die ihm innewohnt – man kann das verstehen und möchte nicht verteidigen müssen, warum Tarantinos Verbeugung vor jener Sorte Exploitation-Movies der 70er (billige Highway-Action, groteske Softsex-Schinken und absurd-blutige Horror-Extravaganzen), die er seit seiner Jugend anbetet, ein guter Film sein soll.

Zugegeben, schon die Optik amüsiert, weil der Regisseur „Death Proof“ so aussehen lässt, als stamme die Kopie tatsächlich von damals und sei durch den Schredder gezogen worden. Aber der Inhalt?

Es hebt eine doppelte Verfolgungsjagd an, deren erster Teil Frauen in Hot-Pants und Flip-Flops zum Opfer des psychopathischen Killers „Stuntman Mike“ (Kurt Russel) werden lässt, der es dann im zweiten Teil von anderen sexy Chicks zurückgezahlt bekommt. Rasant inszeniert, keine Frage. Aber man muss die B-Movies schon sehr lieben, um sich hier von Tarantino in Euphorie versetzen zu lassen.



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INHALT

Texas. Hier sind die Straßen lang und einsam. Das ideale Jagdrevier für den Serienkiller Stuntman Mike. Mit seinem Muscle Car macht sich Mike auf die Jagd nach hübschen, jungen Mädels. In einer Bar lernt er die heiße texanische DJane Jungle Julia und ihre attraktiven Freundinnen kennen. Sie trinken, flirten und albern herum, nicht ahnend, dass der Tod schon lauert.

Einige Zeit später genießen drei andere Frauen ihre freie Zeit. Zoë, Kim und Abernathy arbeiten beim Film und haben für ein paar Tage drehfrei. Bei einem Highspeed-Spielchen stößt das Frauen-Trio auf Mike. Doch diese Girls durchschauen schnell, mit welchem Typen sie es zu tun haben. Sie drehen den Spieß um und gehen zum Angriff über. Ein Road-Duell auf Leben und Tod beginnt…
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Eure Kritiken zu Death Proof – Todsicher

  1. Udo

    Ein Film für Fans. Zäher Beginn, lange und langweilige Dialoge, starke Steigerung, sehr guter Schluss. Tarantino huldigt ein Genre, natürlich mit klasser Musik, tollen darstellerischen Leistungen und toller Bildsprache. Sehenswert

  2. Mannomann

    Was für ein Film! Der ultimative Kniefall vor dem 70er-Jahre-Schmuddelkino. Wieder einmal erhebt Tarantino Trash zur Kunst: Heiße Bräute und Testosteron-Macker, Chrom und Neon, aufbrüllende Pony-Cars und Jukebox-Romantik. Das ganze stylisch und detailverliebt, gewürzt mit irrwitzigen Dialogen, wie sie nur Tarantino bringen kann, zig Gags in Form von Anleihen an fremde und eigene Filme (Daryl Hannahs „Thrilling Theme“ als Handy-Klingelton ist für mich der Hammer)- die ersten zwei Drittel sind mit großem Abstand das Beste, was seit langem auf der Leinwand zu sehen war. Und auch der Showdown der V8-Boliden im zweiten Drittel dürfte bald Kultstatus haben: Blades schwarzer Charger gegen den weißen Challenger aus Fluchtpunkt L.A. – einfach nur geil. Und wiederum eine filmische Verbeugung, diesmal an den Godfather of Trash Russ Meyer. Ein Muss für Cineasten!

  3. Hinnerk

    Tarantino rockt! Zwar nicht sein bester Film, dafür sind die Dialoge einfach zu mittelmäßig, aber immer noch ein echter Tarantino mit der geilsten Autoverfolgungsjagd der letzten Jahre und dem coolsten Ende der Filmgeschichte. So muß ein Film aufhören…

  4. Quentin

    Im Film kann man irgendwelchen austauschbaren Hühnern dabei zuschauen, wie sie über völlig belangloses quatschen. Man wartet vergebens auf eine Pointe. Doch die kommt nicht. waren die Dialoge in Reservoir Dogs oder Pukp Fiction noch witzig und spritzig, verflacht das Drehbuch bis es irgendwann einen Knall gibt. Das war nur mäßig. das können Sie doch besser, lieber Filmfreak Mr. Tarantino!

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