KRITIK

Dead Eyes Open

Dead Eyes Open Gleich vorweg, der neueste Streich des Lüner Independent-Filmers Ralf Möllenhoff ist eine Hommage an die frühen Horror-/Splatter-Filme der 70er und 80er Jahre. Die Handlung bietet wenige Überraschungen und passt sich dem Muster des üblichen Horror-Genres an: Eine Handvoll junger Leute fährt in die Wildnis, das Benzin im Tank ihres Kleintransporters geht ihnen aus und im Laufe ihres unfreiwilligen Campings wird einer nach dem anderen abgeschlachtet. Überlebende gibt es nur wenige. In den meisten Fällen, wie auch hier, überlebt nur eine Person. Die Abläufe sind denen anderer Filme des Genres nicht unähnlich.

Gedreht wurde der blutige Film auf dem immer noch untoten (kleiner Scherz!), ungewöhnlichen Super-8-Format. An dieses muss sich der Filmfan zunächst ein wenig gewöhnen, doch durch die Grobkörnigkeit der Bilder, die durch die Wahl des Materials entstehen, entwickelt sich eine besondere und spezielle Stimmung und Atmosphäre, die den Geist der 70er und 80er Horror-Filme einzufangen versucht.

Regisseur Möllenhoff gelingt dies mit beeindruckender Finesse. Vor diesem Hintergrund, muss man zugeben, dass die Wahl des Materials einigen Szenen des Films noch mehr Härte verleiht. Bedenkt man zudem, dass „Dead eyes Open“ ein Independent-Film ist, der mit einem Budget von lediglich 10.000 Euro auskommt, sollte man hier auch keine Wunder erwarten. Die bereits zweite Regiearbeit des Regisseurs aus Lünen muss den Vergleich mit Filmen von beispielsweise Andreas Bethmanm, Splatter-Werken wie „Weststadt-Massaker“, „Der Todesengel“ oder Sado-Krachern wie „Notgeile Knastjulen zur Unzucht erzogen“ sowie mit Andreas Schnaas Filmen („Zombie90-Extreme Pestilenz“, „Dämonium“) nicht scheuen. „Dead eyes Open“ wirkt in diesem Vergleich einfach qualitativ besser, weil frischer und einfallsreicher.

Die Splattereinlagen und Effekte sind sehr blutig und zudem sehr gut gelungen, was durch die Grobkörnigkeit der Bilder noch unterstützt wird. „Dead eyes Open“ kommt ohne Digital-Effekte aus. Dadurch wird das Ziel des Films noch weiter untermauert, sich dem „Feeling“ der Horror- und Splatter-Werke aus den 70er und 80er Jahren zu nähern, was Technik und Story betrifft.

Bei Regie und Kameraführung merkt man, dass Möllenhoff sein Handwerk versteht. Zudem verzichtet er auf die üblichen „Vorehelichen-Sex“-Story-Einfälle, die bei anderen Produktionen doch eher lächerlich wirken.

Wer hier jedoch eine Mainstream- oder Luxus-Independent Produktion erwartet, wird schnell eines besseren belehrt. Für Fans und Freaks des Amateur- und Independent-Bereiches wird „Dead eyes Open“ jedoch mit großer Sicherheit zu den besseren Produktionen gehören. Man vergleiche beispielsweise die schauspielerischen Leistungen doch mal mit einem Bethmann- oder einem Schnaas-Film. Und nicht vergessen sollte man, dass hier Laiendarsteller am Werk sind und keine Vollblut-Schauspieler.

Trotz des Mini-Budget von nur 10.000 Euro erinnert „Dead eyes Open“ an die frühen Camp- und Zombie-Filme. Er erreicht zwar nicht dessen Qualität. Kann er auch nicht. Doch Ralf Möllenhoffs Ultra-Independent-Produktion kann sich in dieser Riege durchaus sehen lassen.

Hätten die zahlreichen Filmstiftungen, anstatt diverser seltsam kurios und bedeutungsschwanger inszenierten Pseudo-Beziehungsdramen, die irgendwann in den Archiven des ZDF oder anderer Sendeanstalten verstauben werden, hier mal etwas riskiert und einem ambitionierten Filmemacher etwas finanzielle Hilfe zur Verfügung gestellt, hätte man natürlich auch mehr Qualität erwarten können. Doch nicht nur das große Publikumsinteresse bei der Weltpremiere auf dem Filmfest in Lünen und die sehr positive Resonanz nach Ausstrahlung des Filmes hat gezeigt, dass Ralph Möllenhoff hier etwas Großes gelungen ist. Und vielleicht sollten die Verantwortlichen der Stiftungen in Zukunft nicht „Das Paarungsverhalten eines Kranichs zur Jagdsaison“ sondern vielmehr ambitionierte Projekte dieser Art mit ihren Fördergeldern unterstützen. Interesse beim Publikum ist genug vorhanden.

Einen Kritikpunkt aber gibt es dennoch: Leider ist die Vertonung etwas misslungen. Ob es an der Nachsynchronisation lag oder am geringen Budget? Die Musikauswahl mit der Kult-Punk-Combo „Abwärts“, die zum zweiten Mal für einen Ralf Möllenhoff-Film den Soundtrack eingespielt hat, und einige Lieder zum Besten gab, versucht diesen Aspekt aber zu entschuldigen, was auch gelingt.

Was den Film zudem von anderen Projekten dieser Art abhebt, ist die Tatsache, dass sich der Meister des Zombiefilms höchstpersönlich ein Stelldichein gab und eine Gastrolle übernahm. Kein geringerer als George A. Romero ist in „Dead eyes Open“ in einem Kurzauftritt als Wissenschaftler zu bewundern. Ralf Möllenhoff traf den „Meister“ auf einer Horror-Convention in Münster und konnte ihn dort zu einem Gastauftritt bewegen.

Ob der Film irgendwann in den Kinos zu bewundern sein wird, steht sicherlich in den Sternen. Auf DVD wird dieser kleine Independent-Film jedoch mit großer Sicherheit seinen Weg finden und zahlreiche Fans des Genres begeistern.



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INHALT

Sechs junge Leute planen einen außergewöhnlichen Ausflug: Ziel ist, wo ihnen das Benzin ausgeht. Nur der Fahrer wird wissen, wo man gelandet ist, während der Rest der Gruppe die Fahrt im fensterlosen Laderaum eines Transporters verbringt. Tatsächlich finden sie sich inmitten einer unbekannten Wildnis ohne elektronische Kommunikations- oder Unterhaltungsmöglichkeiten wieder - so sehen es die Spielregeln dieses Ausflugs vor.

Als Christin - eines der beiden Mädchen - die Gegend erkundet, trifft sie auf einem verwilderten Friedhof eine verzweifelt wirkende ältere Frau, die sie bittet, ihr dabei behilflich zu sein, ihren scheinbar verwirrten Ehemann zu finden und nach Hause zu geleiten... Eine Weile vergeht, ohne dass die restliche Gruppe weiß, wo die verschwundene Christin geblieben ist. Sie taucht wenig später verstört auf, an ihrem Arm klafft eine widerwärtige Wunde. Sie erzählt ihren Freunden die Geschichte der um Hilfe bittenden Frau und berichtet ängstlich weiter, der seltsam wirkende Ehemann der Frau habe sie plötzlich aus unerklärlichen Gründen attackiert und ihr mit einem Biss die schlimme Wunde zugefügt... Nachdem der Schrecken verarbeitet scheint, schlagen die jungen Leute ihr Lager in der Nähe eines Flusses auf. Alles scheint nun perfekt zu sein.

Am nächsten Tag wird Christins Zustand zunehmend kritischer: Aus ihrer Bisswunde ist ein hässlich nässendes Eiterloch geworden, eine schwere Infektion lässt sie apathisch dahin siechen. Spontan beschließen zwei der vier jungen Männer, die Schwerkranke in Sicherheit zu bringen. Sie brechen auf und suchen in der einsamen Wildnis Hilfe und finden ein einsam gelegenes Haus... Doch warum wird das heruntergekommen wirkende Grundstück von einem hohen Metallzaun geschützt und warum sind sämtliche Fenster und Türen des Untergeschosses mit schweren Lochblechen gesichert ?

Noch ehe sie sich weiter über das seltsame Erscheinungsbild der skurrilen "Festung" wundern können, werden sie ins Haus gebeten...
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