KRITIK

Das gibt Ärger

Plakat zum Film Das gibt Aerger„Mistakes make us who we are.“ –

Woran erkennt man einen guten Regisseur? Nun: ein guter Regisseur, egal in welchem Genre, sollte sich nicht als Alleskönner in „jedem“ Filmbereich versuchen, sondern stets als „Hans Dampf“ in allen Gassen gelten, sprich aufgrund seines eigenen Könnens stets das Maximum aus allen Filmbeteiligten – egal ob Cutter, Actionchoreographen, Scriptwriter, Darsteller oder Soundspezialisten – herausholen können. Bis heute konnte Regisseur Joseph McGinty Nichol, kurz „McG“, aber derlei Ansprüchen aufgrund verschiedener Genreflops wie „Terminator 4 – Salvation“ und „3 Engel für Charlie – Volle Power“ nicht gerecht werden. Und so durfte man skeptisch sein, was er nach den ersten bewegten Bildern zu „Das gibt Ärger“ aus dem zu Grunde liegendem Scripts von  Marcus Gautesen und Timothy Dowling und unter Zuhilfenahme weiterer Beteiligter herausholen würde.

Aber allen Skeptikern, die bereits im Vorfeld über „Das gibt Ärger“ einige Breitseiten in den Feuilletons gegen Film und Regie feuerten, wird noch weiteres Wasser auf die Mühlen gegossen.

„Don’t choose the better man, choose the man who makes you a better woman.“ –

Der Wille des Regisseurs, dass sein neuester Regiestreich das ansässige Publikum als „origineller Mix“ aus romantischem Date-Movie, Komödie und gekonntem Action Thriller beeindruckt, ist zwar deutlich zu erkennen. Seine Handschrift kann jedoch in keinem dieser Bereiche zu irgendeiner Zeit entsprechende Glanzpunkte bzw. wichtige Akzente setzen. Die Winkelzüge, die McG zu jeder Zeit in seiner Geschichte aufgrund des Scriptes nur allzu deutlich ausformuliert, erweisen sich als derart konstruiert und durchschaubar, dass der Filmfan spätestens 25 Minuten nach Sichtung des Filmes erkennt, wer das Herz der Hauptdarstellerin Reese Witherspoons am Ende erobern wird.

Und ebenso erkennt man, dass es nach dem kurz krachendem Finale sowieso keine Verlierer in Sachen Liebe geben wird. Ewig „Single“-Gebliebene und ehemals Getrennte (FDR: Chris Pine und Huck: Tom Hardy) werden auch aufgrund des vorliegenden Mangels an erzählerischer Innovation irgendwann wieder mit ihren passenden Partnern vereint sein. So weit, so vorhersehbar. Diese narrativen und innovativen Mängel wären noch zu verschmerzen, würde „Das gibt Ärger“ zum einen wenigstens seine versprochenen Qualitäten als romantische „Komödie“ für das Publikum einlösen.

Das Problem ist nur, dass mehr Pointen, als bereits im Trailer zum Film gezeigt wurden, Mangelware sind. Es ist schade, dass es die zuständigen, amerikanischen Filmstudios mittlerweile nötig haben, einen entsprechend budgetierten Film wie „Das gibt Ärger“ per zur Verfügung gestelltem Trailer so durch die Medien zu peitschen, um dem Publikum einen derart falschen qualitativen Eindruck zu vermitteln.

Keine Frage, zunächst macht es sicherlich Spaß, den Protagonisten „FDR“ und „Huck“ dabei zu zuschauen, wie sie in „pubertärer Manier“ das Herz ihrer Angebeteten nach und nach erobern möchten bzw. dabei so lang miteinander konkurrieren, bis die Fetzen fliegen.  Etwaige auftretende, ernste Zwischentöne, wenn sich Tom Hardy und Chris Pine als „unzertrennliche“ Buddies mal wirklich für immer zerstreiten „sollten“, werden zwar kurz angerissen, aber nicht weiter erzählerisch ausformuliert.  Gerne lässt man ab und an dem Kind im Manne wieder den freien Lauf, wenn man Tom Hardys und Chris Pines witzigen Auseinandersetzungen beiwohnen darf, hat man aber einmal hinter die aufgezogene, witzige Fassade nach den wenigen zelebrierten Pointen und dem folgendem, inszenatorischen Leerlauf geschaut, ist es schnell vorbei mit der inszenierten Herrlichkeit.

Denn die absurden Streiche von Tom Hardy und Chris Pine erweisen sich mehr und mehr als ein pubertäres „komm hol das Lasso raus“, „wir spielen Cowboy und Indianer“, „Haudrauf“ und „Versteck-Spiel“,  welchem bereits nach der Hälfte der Laufzeit die entsprechende Luft ausgeht. Und spätestens, wenn Tom Hardy und Reese Withersppon zur Attacke auf einem Kindergarten-Abenteuerspielplatz, inklusive Happy Gadgets wie Wasser-, Farbbomben und sogar Wasserbazookas, zum gegenseitigem, spielerischem Aufeinander losgehen, überschreitet „Das gibt Ärger“ ebenso schnell die Grenze vom oberflächlichem, pubertärem Date Movie und wenig voluminösem Actionspaß, das lediglich die Aufgabe zu haben scheint, dem unter 18jährigen und ewig junggebliebenen Zielpublikum als Verkuppelungshilfe zu dienen, zur anstrengenden und unattraktiven Kindergartensause.

Diese überzuckerten Eindrücke können dann auch das durchweg nette Darstellertrio Tom Hardy, Reese Witherspoon und Chris Pine nicht mehr korrigieren. Es scheint zwar sichtlich Spaß bei den Dreharbeiten gehabt zu haben, aber wenigstens sorgt Reese Witherspoons´ Auftritt mit grauem Pulli, sonstigen, fehlenden Anziehsachen und wackelndem Gesäß zu Montel Jordans Rapklassiker „This is how we do it“ und einem weiterem heißem Auftritt in Reizwäsche hin und wieder für einige sehr unterhaltsame Momente. Aber Hand aufs Herz: wer würde Reese Withersppon nicht dank ihres Charmes und Attraktivität gerne mit Kusshand mit nach Hause nehmen? Wobei natürlich auch an dieser Stelle die Kalkuliertheit der Macher durchschimmert, wie man den Betrachter durch diese entsprechenden, durchschaubaren und kalkulierten Inszenierungsformeln die „rosarote“ Brille aufsetzt.

Das gibt Ärger Poster 3

„I think I’m going to Hell.“ „No you’re not, but if you are, I’ll be there to pick you up.“ –

„Das gibt Ärger“ wirkt als gewollt „origineller“ Hollywood Mainstream Blockbuster in jeder Hinsicht glatt doppelt verlogen. Zum einem wegen der angesprochenem, geringen Qualität als „Komödie“, zum anderen, weil sich die wenige, sichtbare Action als ziemlich mittelmäßig inszeniert erweist und eine richtig erdachte Geschichte um den Top-Verbrecher Karl Heinrich (Til Schweiger) ist im Film ebenso leider Fehlanzeige. Damit man nicht falsch verstanden wird: Mit Sicherheit erwartet man in einem Popcorn Blockbuster wie „Das gibt Ärger“ kaum eine ausgefeilte, meisterhafte Spionagegeschichte wie in „König, Dame, As Spion“ oder einen dazugehörigen, psychologisch ausgefuchsten Blick in das Seelenleben der Protagonisten.  Aber wenigstens eine nachvollziehbare, logische Erzählung, welche auf bekannten „Lethal Weapon“ Action und Thriller Pfaden wandelt, ohne Logiklöcher bzw. qualitative Abstriche erzählt wird und den Betrachter ins Geschehen miteinbezieht, darf man unabhängig von der anvisierten Zielgruppe durchaus erwarten.

Aber Til Schweiger wird mit seinem unfreiwillig komischen „Grimmig-Guck-Gesicht“, als würde ihn eine Verstopfung plagen, in seiner Rolle nur zu einem Plotdevice degradiert, um die Geschichte (in die Regisseur McG brav bekannte Versatzstücke bereits bekannter,  erzählter Actionklassiker aneinanderreiht) zu einem enttäuschendem Abschluss zu bringen, während sich „Das gibt Ärger“ irritierenderweise dann auch noch als „rund“ inszeniert anfühlt.

„I think I’m going to Hell.“

Regisseur McG´s augenblicklich größter Verdient in „Das gibt Ärger“ ist es, nach Einblendung der während der Vorführung herbeigesehnten Endcredits die entsprechenden Pendants zu den Protagonisten in der erzähltechnisch ebenso oberflächlichen wie überflüssigen Actionkomödie „Mr. und Mrs. Smith“ gefunden zu haben (verkörpert wurden die Darsteller in diesem Film von Brad Pitt und Angelina Jolie, man erinnere sich), welche den Betrachter ebenso mit ihrem vergangenem Ehe- bzw. Liebeskrach, wie aktuell in „Das gibt Ärger“, belangten…

„Das gibt Ärger“ erweist sich als das exakte, filmische Pendant zum pubertärem Eifersuchtsgehabe auf dem amerikanischem College. Man wird Zeuge einer leidlich witzigen Nummernrevue aus Männlichkeitsschlägereien, Protzereien, Ritualen und persiflierten Actionthrillerklischees (z.B. den obligatorischen Füßen auf dem FBI-Bürotisch).

Interessante Charakterentwicklungen in „Das gibt Ärger“ gibt es ebensowenig zu bestaunen, Chelsea Handler wird als „Trish“ und Freundin von Lauren (gut: Reese Witherspoon) ebenso zu einem Plotdevice degradiert, um als optische und erzählerische Glückskeksbotschafterin (wenn sie mit ihrem Lebensgefährten dem Geschlecktsakt fröhnen und dabei sogar noch Kekse konsumieren darf) ihrem gegenüber die Emanzipation verständlich zu machen bzw. diesen dazu zu ermuntern , mit ihren beiden männlichen Verehren „Katz und Maus“ zu spielen: „mit wem schlafe ich  jetzt, mit wem nicht?“ Dümmer und plakativer geht´s nicht mehr. Wobei man an dieser Stelle wieder den Bogen in dieser Rezension zum angesprochenem Zielpublikum ziehen muss.

Zumindest retten die ansprechende Optik und das sympathische Darstellertrio McG´s „Das gibt Ärger“ vor dem Totalabsturz. Dies ändert jedoch nichts an der Tatsache, dass sich „Das gibt Ärger“ als der bisherige Filmflop des Jahres 2012 neben „Ghost Rider 2“ und „The Devil Inside“ erweist. „Das gibt Ärger“ offenbart sich als weiteres belangloses, fimisches Konstrukt und Ärgernis, das man im Kinojahr 2012 partout aus dem Weg gehen sollte.

  

 

 

 



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Zwei der weltbesten Top-Geheimagenten sind beste Freunde und lassen nichts und niemanden zwischen sich kommen – bis sie sich aus Versehen in dieselbe Frau verlieben. Nun gibt es richtig Ärger und die beiden Spione bekämpfen sich bis aufs Äußerste: mit High-Tech Überwachung, modernster Taktik und einem Waffenarsenal, das ein Land in Schutt und Asche legen könnte. In der rasanten Action-Komödie DAS GIBT ÄRGER überzeugen Tom Hardy und Chris Pine als attraktive Spione, die um ihre Angebetete, gespielt von Oscar-Preisträgerin Reese Witherspoon, mit allen Mitteln kämpfen. Durch Regisseur McG (DREI ENGEL FÜR CHARLIE und TERMINATOR: DIE ERLÖSUNG) sind Humor und Action der Superklasse vorprogrammiert.
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