KRITIK

Das finstere Tal

Bild (c) X-Verleih

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Nur durch eine hohle Gasse gelangt man hinein ins dunkle Alpental. Fällt der erste Schnee, gibt es keinen Weg zurück. Bis zum Frühling. Und man ist gefangen in jenem namenlosen Dorf, in dem der Brenner-Bauer (Hans-Michael Rehberg) mit seinen sechs Söhnen sein tyrannisches Regiment führt. In diesem Setting ließ Thomas Willmann in seinem Roman „Das finstere Tal“ aus dem Jahr 2010 ein gravitätisches Rachedrama eskalieren, dessen Spielzeit im 19. Jahrhundert sich erst auf halber Strecke enthüllte – jetzt hat der österreichische Genre-Regisseur Andreas Prochaska (bekannt für die „Spuren des Bösen“-Krimis mit Heino Ferch) das Buch mit eisigem Ehrgeiz verfilmt.

Die Story vom schweigsamen Rächer im Schnee (gedreht wurde im Vinschgauer Schnalstal) erinnert natürlich an den Italowestern-Klassiker „Leichen pflastern seinen Weg“ mit Jean-Louis Trintignant und Klaus Kinski. Und Prochaska versucht auch gar nicht, das zu verschleiern. Schlimm ist das sowieso nicht, schließlich herrscht im deutschen Kino an wuchtigen Genre-Werken, Western zumal, ewiger Mangel.

Bild (c) X-Verleih

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So stapft also, durch knirschenden Schnee, ein Fremder ins entlegene Dorf. Angeblich ist dieser Greider ein Fotograf aus Amerika (der Brite Sam Riley spielt ihn mit dickem Akzent). Doch schnell wird klar, dass er noch eine Rechnung offen hat. Hat der etwas mit dem Dorf-Diktator Brenner und seinen niederträchtigen Söhnen zu tun? Die fordern von jeder Neuverheirateten das „ius primae noctis“ ein. Zu sechst. Diesmal ist die Tochter von Greiders Wirtin (Paula Beer aus „Poll“) an der Reihe …

Grimmige Blicke zum Showdown im kalten Schnee: Prochaska stellt Riley mit Tobias Moretti als Brenner-Sohn einen ganz besonders fiesen Antagonisten zur Seite. Zudem lässt er die Alpenkulisse nie erhaben, sondern stets bedrohlich wirken. Leider gehen die beiden Ebenen des Films, der Rachewestern und das Dorfdrama, nicht sonderlich elegant zusammen. Und nach dem zentralen Plot-Twist in der Mitte des Films bleiben weitere Überraschungen aus. Dann wird Prochaska die Stimmung leider wichtiger als der Plot.

 

Kritikerspiegel Das finstere Tal



Gian-Philip Andreas
Westfälische Nachrichten, dpa
5/10 ★★★★★☆☆☆☆☆ 


Christian Gertz
nadann... Wochenschau, mehrfilm
6/10 ★★★★★★☆☆☆☆ 


Klaus-Peter Heß
Münstersche Zeitung
7/10 ★★★★★★★☆☆☆ 


Durchschnitt
6/10 ★★★★★★☆☆☆☆ 





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Eure Kritiken zu Das finstere Tal

  1. Paul

    Geradliniger Western. Nach allen Regeln der Kunst perfekt inszeniert. Unbedingt in einem guten Kino ansehen. Genialer Ton.

  2. Pingback: Filmforum Bremen » Das Bloggen der Anderen (17-02-14)

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