KRITIK

Das brandneue Testament

Bild (c) NFP Filmverleih.

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Gott ist ein Ekel – zumindest wenn es nach Jaco van Dormael geht. Der belgische Regisseur („Mr. Nobody„) liefert in dieser fröhlich-blasphemischen, ganz und gar menschenfreundlichen Komödie nämlich eine ganz eigene Antwort auf die ewige Theodizee-Frage danach, warum Gott Leid, Not und Krieg zulässt: Er will es so. Gott lebt bei van Dormael, der zusammen mit Thomas Gunzig das Drehbuch schrieb, als schlunziger Typ in einer Brüsseler Dreizimmerwohnung. Beruflich gibt er fiese Gebote in seinen Uralt-PC ein: „Wenn man sich in die Badewanne legt, klingelt das Telefon“ – zum Beispiel. Darsteller Benoît Poelvoorde („Mann beißt Hund“) spielt den Allmächtigen als herrlichen Stinkstiefel.

Irgendwann hat Töchterchen Éa (Pili Groyne) aber die Faxen dicke: Sie informiert die Menschen per SMS über ihr genaues Sterbedatum, zieht der Religion so den Stachel der Ungewissheit und macht sich auf die Suche nach sechs neuen Aposteln. Darunter sind ein transsexuelles Kind und eine frustrierte Hausfrau (gespielt von einer überraschend uneitlen Catherine Deneuve!), die sich in einen Gorilla verliebt.

Szene_Brandneue-TestamentKann diese preisgekrönte Grotesk-Komödie gläubige Christen verstören? Womöglich – allerdings nur bei ausgeprägter Ironie-Resistenz und mutwilliger Ignoranz. Denn nichts feiert der Film am Ende mehr als die christliche Botschaft der Nächstenliebe. Problematischer ist da schon der Hang zum Anekdotischen, der Regisseur Dormael mit „Amélie„-Regisseur Jean-Pierre Jeunet verbindet und einer stringenten Erzählung etwas im Weg steht. Mit Jeunet teilt Dormael auch den Sinn für surrealen Überschwang und absurde visuelle Details – sie machen den Film sehenswert.

 

 



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