KRITIK

Dark Shadows

Plakat zum Film Dark Shadows„Sleeping flame I summonly to your form, return. Make the night as bright as day and Burn, baby, burn…“ – Tim Burton gilt seit jeher als kleines Film-Genie: typische (Coming-Of-Age) Außenseitermelodrame, satirische Überspitzung und phantasievolle Sets/Locations sind die wichigsten (Bezugs)Punkte, wenn es darum geht, sein bisheriges Schaffen so gut wie möglich zu beschreiben. Und auch in seinem „Dark Shadows“ rückt der sympathisch-eigenwillige Kalifornier keinen Millimeter von seiner bisherigen inszenatorischen Marschroute der letzten Jahrzehnte ab. „Dark Shadows“ beinhaltet wieder all die burton´schen Zutaten, die Freunden des Regiesonderlings eigentlich das Wasser im Munde zusammenlaufen lassen sollten.

Zum einen erlebt man tolle, eingespielte „Haus und Hof Darsteller“ wie Johnny Depp, Michelle Pfeiffer und Helena Bonham Carter, ebenso wird man wieder Zeuge einer epischen Geschichte, welche wie gemalt für die große Leinwand erscheint (inklusive wieder allerhand beigefügtem Intrigenspiel). Dazu serviere man: einen Haufen verrückter Einfälle und zwei gehörige Prisen an Horror und Mysteryelementen. Was soll da bei „Dark Shadows“ also qualitativ schief laufen ?

Dark Shadows Poster 2 Eigentlich nicht viel, sollte man meinen. In Punkto handwerklicher Qualität kann man Tim Burton in „Dark Shadows“ keinen Vorwurf machen: Sets und Locations erweisen sich als authentisch, der eingestreute, mit seinen musikalischen „Flower Power“-Themen versehene Score offenbart sich als abwechslungsreich und interessant.

Die Tim Burtons-Mixtur aus den gewohnten Filmzutaten von „Sleepy Hollow“ bis hin zu „Edward mit den Scherenhänden“ besitzt natürlich mal wieder einen sehr skurillen Charme, der durchaus zu berühren vermag, dieser kann der bekannten, noch ein wenig abgedrehteren Vorlage, einer TV-Serie aus den 60ern, aber dennoch zu keiner Zeit das Wasser reichen. Was natürlich zu verschmerzen wäre, wenn sich für Tim Burtons Inszenierung in „Dark Shadows“ nicht folgende, passende Beschreibung finden lassen würde: „eine etwas fahrige Chronologie der Ereignisse“ stößt beim Betrachter vor allem im letzten Drittel übel auf.

Dark Shadows Poster 4 Nach einer bemerkenswerten Eröfnungssequenz verliert Tim Burtons Fantasy-Spaß gehörig an Fahrt, auf bestimmte Art und Weise scheint ihm die frühere Leichtigkeit seines ins Fleisch und Blut übergegangenen Inszenierungsstils abhanden gekommen zu sein. Denn bis zum inszenatorischen Mittelteil dümpelt „Dark Shadows“ Dank einiger Längen vor sich hin, und Dank des Verzichts auf die (Aus)Gestaltung so mancher, interessanter Figur (beispielsweise  Chloë Grace Moretz als Carolyn Stoddard) öfter belanglos vor sich hin. Ebenso erreicht Regisseur Tim Burton zu keiner Zeit die erforderliche, inszenatorische Tiefe der zwischenmenschlich (Familien-)Beziehungen und des legendären „Culture Clashs“ der Antike und Moderne, welche der Sixties-Serie zur damaligen Sendezeit eine besondere Note verlieh.

Tim Burton bemüht sich nach Kräften und gewinnt dem Zusammentreffen zwischen Barnabas Collins und der modernen Collinwood Familie zwar einige sicherlich amüsante Momente ab, schöpft das erzählerische Potential aber zu keiner Zeit richtig ab. Durch das limitierte Script, welches auf das Konto Seth Grahame-Smith geht, wird er nach seinem furiosen Intro mehr und mehr um „die besseren Früchte“ seiner Arbeit als Regisseur gebracht. „Dark Shadows“ offenbart sich als solide unterhaltsamer Film, Tim Burton kann dem in „Dark Shadows“ mittlerweile gängigen „Fantasy“-Erzählmuster jedoch keinerlei Innovation/Überraschungsmomente abgewinnen.

Und auch das Finale kann durch seine mäßige, zu jeder Zeit berechenbare „Final Battle Dramatik“  trotz einiger brüllend komischer, vorgetragener Momente (Stichwort Slip im Vampirsarg(!) am Ende nicht mehr die sprichwörtlichen „Kastanien aus dem Feuer holen,“ nachdem, so muß man konstatieren, doch so viel mehr möglich gewesen wäre. Johnny Depps und Eva Greens erotische Eskapaden, welche auf einen grandiosen Höhepunkt zusteuern, sind dafür ja Beweis genug. „Dark Shadows“ fehlt es einfach am entsprechendem Schwung / der richtigen Dynamik. Johnny Depps Romanze mit Darstellerin Victoria Winters erweist sich in Hinblick auf diese Aspekte als ebenso pomadig vorgetragen.

Dark Shadows Poster 4 Tim Burtons Film versprüht nicht den Charme eines unvergesslichen Kinomeisterwerks, sondern eher einer braven und halbherzig angegangenen Auftragsarbeit, die wirkt, als wären zwei TV-Episoden der legendären ABC-Serie adaptiert, zusammengefügt und auf 113 Minuten Laufzeit aufgepumpt worden. „DarkShadows“ fehlt es leider am „richtigen Biss…“

Und wie selbstverständlich wurde für Tim Burtons Leinwand-Adaption der bekannten Abenteuer um Barnabas Collins aller Ballast der Vorlage entfernt. Leider fand nur ein Mindestmaß an notwendigem Aufwand zwecks Generierung eines Plots und einer interessanten Geschichte für „Dark Shadows“ Adaption statt. Nach Gewichtung aller Vor- und Nachteile erweist sich dessen Film als qualitativ sehr mittelmäßig. Die Leistungen von Stars wie Michelle Pfeiffer sind da aber immerhin in ein kleines Trostpflaster…

 



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INHALT

Die zerrütteten Nachfahren der Familie Collins haben alle ihr eigenes, dunkles Geheimnis: Matriarch Elizabeth Collins Stoddard (Michelle Pfeiffer) hat die Hausbesuch-Psychiaterin Dr. Julia Hoffman (Helena Bonham Carter) geholt, damit diese ihr bei ihren Familienproblemen hilft. Im Anwesen wohnen auch der Bruder von Elizabeths, der Tunichtgut namens Roger Collins (Jonny Lee Miller), ihre rebellische Teenie-Tochter Carolyn Stoddard (Chloe Moretz) sowie Rogers aufsässiger 10 Jahre alter Sohn David Collins (Gulliver McGrath). Barnabas Collins (Johnny Depp) ist vielleicht ein Vampir, aber er beginnt die Familie wieder zu vereinen.
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Eure Kritiken zu Dark Shadows

  1. Udo

    Ein bisschen hatte ich das Gefühl, dass Tim Burton nach dem zweiten Drittel die Lust an seinem eigenen Film verloren hat. Etwa 60 Minuten Meisterwerk, dann nur noch zusammenhangsloser Klamauk. Schade. Obwohl man sagen muss, dass aller Darsteller wieder einmal Höchstleistungen abliefern. Allein deswegen lohnt sich der Kinobesuch. Aber bitte nur im OmU!

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