KRITIK

Crossing over

Crossing over Um ein Vielfaches „mutiger und deutlicher“ sei sein Film eigentlich gewesen, klagte Regisseur Wayne Kramer („Running Scared“) kürzlich und distanzierte sich förmlich und öffentlich von „Crossing Over“. Womöglich war der Krach hinter den Kulissen bei diesem episodisch angelegten Drama interessanter als der fertige Film: Mit Sean Penn, einem der ursprünglichen Hauptdarsteller, kam es zu heftigem Streit, und Produzenten-Zampano Harvey Weinstein schnitt dessen (und andere) Szenen aus Kramers überlanger Ur-Fassung.

Jetzt ist der Film, dessen komplexe Struktur und melancholisch-engagierte Stimmung an Erfolge wie „Babel“, „Traffic“ und vor allem „L. A. Crash“ erinnern, nicht mehr ganz so lang und wohl auch nicht mehr ganz so gut: Zu pathos-soßig geigt der Soundtrack, zu unschlüssig verbinden sich die einzelnen Handlungsstränge, zu sentimental ist das Ergebnis.

Dabei geht es um ein brandheißes Thema, das freilich zu Bush-Zeiten heftiger brannte als heute: Der Umgang der USA mit seinen Immigranten in einem hysterischen Klima aus Xenophobie und Terrorgeneralverdacht.

Im Zentrum steht Max von der Einwanderungsbehörde, den Harrison Ford so müde spielt, als brauche er dringend Ruhe nach seiner temporären „Indiana Jones“-Wiederaufnahme. Max scheint der einzige Kollege zu sein, der sich noch für seine Razzien-„Funde“ interessiert: Einer illegalen mexikanischen Näherin steht er zur Seite. Auch Bürgerrechtsanwältin Denise (Ashley Judd) hat ein Herz: Sie will verhindern, dass eine Schülerin nach Bangladesch ausgewiesen wird, weil sie im Unterricht Kritik am US-Umgang mit 9/11 zeigte. Ihr Mann (Ray Liotta) erpresst derweil ein australisches Starlet: Sie kriegt die „Green Card“ gegen Sex. Auch ein britischer Musiker, ein koreanischer Teenager, Max persischer Kollege und ein afrikanisches Waisenkind spielen mit in diesem multiperspektivischen Versuch über ein Land, dass sich in den letzten Jahren immer stärker abschottete. Doch mehr als Figuren, mit denen Thesen illustriert werden, werden sie nicht. Zumindest nicht in dieser Weinstein-Fassung.



Ähnliche Beiträge:

INHALT

Max Brogan ist Spezialgent der Einwanderungsbehörde, der in Los Angeles illegale Immigranten aufspürt und sie zurück über die Grenze schickt. Kein Job für schwache Nerven, und kein Job, der spurlos an Brogan vorübergeht: Sein Mitleid mit einer Mexikanerin, die ihren kleinen Sohn allein in L.A. zurücklassen muss, bringt ihn in große Schwierigkeiten. Aber da ist er nicht der einzige...
Dieser Beitrag wurde unter Kritik abgelegt und mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Eure Kritiken zu Crossing over

  1. Manni

    Der (kleine) Bruder von L.A. Crash, eine spannende und wichtige Geschichte, die sich aber zum Ende hin ganz schön zieht.

Kritik schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*