KRITIK

Crosby Stills Nash & Young – Déjà Vu

Crosby Stills Nash & Young - Déjà Vu Der kanadische Rockmusiker Neil Young gehört, wie viele andere Nordamerikaner auch, zu den von George W. Bushs Kriegspolitik Enttäuschten: Zu Beginn nämlich – man darf es nicht vergessen! – war er durchaus für den „Krieg gegen den Terror“, seine 9/11-Reaktions-Platte „Are You Passionate?“ (2002) kündet davon. Dann aber, nach der Massenvernichtungswaffenlüge und angesichts des Mordens im Irak, wurde Young wütend und schrieb „Living With War“, ein politisches Protestalbum.

Um dessen Songs (am berühmtesten wurde „Let`s Impeach the President“, also: Lasst uns den Präsidenten entlassen) in die Welt zu tragen, lud er seine alten Kollegen von „Crosby, Stills, Nash & Young“ (CSNY) zur groß angelegten „Freedom of Speech“-Tournee. Die dokumentiert dieser Film, den Young unter seinem Pseudonym Bernard Shakey auch selbst inszenierte – wie damals „Rust Never Sleeps“.Durch den politischen Kontext ist „Déjà Vu“ aber mehr als ein Konzertfilm geworden – als solcher wäre er wohl auch bloß ein stoisches Gegenstück zu Scorseses quirliger Stones-Doku „Shine A Light“: Statt Mittsechziger mit ranker Silhouette stehen hier Mittsechziger mit Wampe und fettigem Hippie-Haar auf der Bühne.

Nein, es geht um mehr: Bei Young führt ein Kriegsreporter durch den Film, frühe Auftritte von CSNY Anfang der 1970er Jahre stehen als echtes Déjà Vu neben den heutigen Auftritten: Während damals gegen den Vietnamkrieg angerockt wurde, sind heute die Neo-Cons um Kriegspräsident Bush die Adressaten. Youngs Mission ist natürlich nicht weniger patriotisch, feiert er doch mit Stars und Stripes über der Bühne das „wahre“ Amerika.

Doch je weiter sich Young und Band auf ihrer Tour von der Küste entfernen und auf Texas zubewegen, desto umstrittener wird ihre Mission: In Georgia zum Beispiel wird gepöbelt, verärgerte Patrioten zerreißen ihre Konzerttickets, weil sie uramerikanischen Folk-Rock hören wollten und dann Politik bekamen: Aufnahmen wie bei den Dixie Chicks. Schon allein wegen solcher Szenen lohnt sich „Déjà Vu“ vor allem als fesselndes Zeitbild.



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INHALT

Dokumentation über die Konzerttour der Band aus dem Jahr 2006, ihr engagiertes Eintreten gegen den Irakkrieg und auch die Kontroversen, die die Band damit auslöste. Es werden die alten Bürgerrechts und Anti-Vietnamsongs ebenso gespielt wie neue Lieder zum aktuellen Krieg.
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