KRITIK

Corellis Mandoline

Corellis Mandoline Einen Film zu kritisieren, der eine Liebesgeschichte vor einem geschichtlichen Ereignis erzählt, ist so, als wollte man eine Flasche süße, kalte Cola kritisieren. Jeder weiß, was gemeint ist, jeder kennt den Geschmack und beliebt ist der Filmstoff bzw. das Getränk auf der ganzen Welt. Die große Liebesgeschichte in schwierigen Zeiten ist nicht rein zufällig das beliebteste Thema der Filmhistorie. Erwähnt sei hier nur „Vom Winde verweht“, „Titanic“ oder „Doktor Schiwago“. Es bleibt einem also nicht viel mehr übrig, als den persönlichen Eindruck deutlicher mit einfließen zu lassen, auf kleine Nuancen und eventuelle Fehler hinzuweisen und das Hauptaugenmerk auf die handwerkliche Ausarbeitung zu richten.
Regisseur John Madden hatte mit seinem wunderbaren, Oscar(R)prämiertem Film „Shakespeare in love“ bereits 1999 sein Meisterstück abgelegt. Unter ihm durfte man sich auf eine zu Herzen gehende Liebesgeschichte freuen, die mit Sicherheit jedermanns Geschmack treffen würde. Doch es kommt anders. Am Anfang ist der Film nahezu fehlerlos. Die Kamera, großartig geführt von John Toll, baut eine wunderbare Stimmung auf. Unbekümmert und locker gibt sie das Inselgeschehen einer armen Bevölkerung wieder, die mit dem Krieg noch nichts zu tun hat. Da wird Ouzo getrunken, Sirtaki getanzt und geliebt. Alles in bester Ordnung also. Aber hier liegt schon der Knackpunkt. Wartet man nun auf eine vernünftige Charakterzeichnung, wird man tief enttäuscht. Mit Eintritt des Hauptdarstellers Nicholas Cage in das Geschehen bleibt die mediterrane Idylle mit einem Mix aus einschmeichelnden Mandolinenklängen und orchestralen Puccini-Klängen so unwirklich, dass die vorhersehbare Liebesgeschichte aufgesetzt und lächerlich wirkt. Obwohl es zwischen der hervorragenden Penélope Cruz und Nicholas Cage heftig knistert, kann diese Liebe vor diesem Hintergrund kein Feuer entfachen. Vielleicht liegt es daran, dass die Dramatik in der Romanvorlage von Lois de Berniers von einer homosexuellen Beziehung ausgeht. Wer weiß. Als der Krieg die Insel erreicht, hat der Film sein klischeehaftes Herz-Schmerz-Potential längst verschossen.
Die ansonsten recht überzeugenden Darsteller, allen voran John Hurt als Dr. Iannis werten den Film zwar auf, doch die künstliche Atmosphäre können auch sie nicht überspielen. Für all diejenigen, die große Gefühle vor einer großen Kulisse in traumhafter Atmosphäre erwarten, hat er der Film einiges zu bieten. Für alle anderen bleibt es nur ein besserer Werbefilm für eine nette griechische Insel. Christian Gertz



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INHALT

Griechenland, Kephallonia, 1940. Die Bewohner der kleinen Insel Kephallonia lieben ihr schönes Fleckchen Erde im ionischen Meer über alles. Trotz vieler Katastrophen, die die Insel und die Menschen über Jahre immer wieder erschütterten, blieben Traditionen und Bräuche erhalten. Doch nun steht den Bewohnern eine weitere Belastungsprobe bevor. Der zweite Weltkrieg. Als die Italiener unter Hauptmann Antonio Corelli die Küste erreichen und die Insel besetzen, zeigen sich die Bewohner zunächst distanziert gastfreundlich. Erst als die Besatzer zu erkennen geben, dass sie ihren Aufenthalt als eine Art Urlaub ansehen, lösen sich die Spannungen beider Parteien – der Krieg ist zunächst nur eine Radionachrichtensendung aus der Ferne. Hauptmann Corelli bezieht unterdessen Quartier im Hause des Dorfarztes Dr. Iannis. Es dauert nicht lange, bis sein gewinnbringender Charme und seine Lebenslust das Herz der jungen Tochter Pellagia und des Hauseigentümers erreicht. Trotz anfänglicher Schwierigkeiten entwickelt sich eine zarte Bande zwischen dem Offizier der Besatzungsmacht und der schönen Inselbewohnerin. Bis die grausame Fratze des Krieges die junge Liebe auf die Probe stellt...
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Eure Kritiken zu Corellis Mandoline

  1. Kalle

    Der Film ist doch schön..Postkartenmotive wo das Auge hinschaut, schöne Menschen und dann plötzlich dieser Krieg. Der passte zwar nicht , aber gefallen hat mir der Film trotzdem.

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