KRITIK

Coraline

Coraline Endlich – jetzt könnte Henry Selick späte Gerechtigkeit widerfahren. Der Mann hat 1993 den makabren Puppentrick-Hit „Nightmare Before Christmas“ inszeniert, doch dann kam kurz vor der Premiere der berühmte Produzent (und Ideengeber) seines Films vorbei und erklärte das fertige Werk zu seinem eigenen: Als „Tim Burtons Nightmare Before Christmas“ lief die gruselige Weihnachtssause in den Kinos, und von Henry Selick sprach niemand mehr.

Jetzt hat Selick erneut jahrelang an einem Puppentrick-Abenteuer herumgebastelt und, ganz ohne Burtons Mittun, ein Meisterwerk hinbekommen, das ihn doch noch als Künstler von eigenem Rang etablieren dürfte. „Coraline“ basiert auf einem gruseligen Kinderroman von Neil Gaiman, und auch die Verfilmung ist den jüngsten Kinogängern nur unter elterlichem Vorbehalt zu empfehlen: Trotz vieler Gags ist die Stimmung reichlich düster.

Erzählt wird die Geschichte eines kleinen Mädchens, das mit seinen Workaholic-Eltern in ein verlassenes und von merkwürdigen Nachbarn bevölkertes Riesenhaus ziehen muss, dann aber, vermeintlich im Traum, hinter einem Geheimgang eine Parallelwelt entdeckt, in der die Eltern überfreundlich sind und alles ganz toll ist zwischen spektakulären Essgelagen und fabulösen Blumengärten. Nur die Knöpfe, die die Menschen dort anstelle ihrer Augen im Gesicht stecken haben, irritieren ein bisschen.

Um in dieser „anderen“ Welt bei den „anderen“ Eltern bleiben zu können, soll sich auch Caroline die Knöpfe ins Gesicht nähen lassen, doch als sie bemerkt, welch Horror sich hinter dem schönen Schein verbirgt, ist es für sie schon fast zu spät. Selick übersetzt Gaimans Fabel mit überbordender visueller Fantasie in ein ungemein spannendes, detailverliebtes, sich oft grandios surrealistisch versteigendes Stop-Motion-Puppentrickmärchen: Man staunt und freut sich schon aufs nächste Ansehen. Herausragend.



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INHALT

Die elfjährige Coraline zieht mit ihren Eltern in eine neue Wohnung in einer viktorianischen Villa in Oregon mit seltsamer Nachbarschaft. Dort wohnen etwa ein russischer Akrobat und sein Mäusezirkus sowie zwei ehemalige Erotikdarstellerinnen. Eines Tages entdeckt Coraline eine Geheimtür und gelangt in eine fantastischen Parallelwelt, in der sich ihre anderen Eltern liebevoll um sie kümmern. Anstelle der Augen haben sie allerdings schwarze Knöpfe im Gesicht. Der Traum wandelt sich zum Albtraum, als ihre andere Mutter ihr ebenfalls Knopfaugen verpassen will.
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Eure Kritiken zu Coraline

  1. Doolittle

    Nur ein Wort: Meisterwerk! Unbedingt ansehen!

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