KRITIK

Conan 3D

Filmplakat Conan 3DWisse, o Prinz, dass es zwischen den Jahren, da die Meere Atlantis verschlangen und die prunkvollen Städte, und denen des Aufstiegs der Söhne Aryas, ein Zeitalter gab, wie es selbst die kühnsten Träume kaum zu zeichnen vermögen.

So lauten die einleitenden Worte, mit denen Groschenheft-Autor Robert E. Howard einst sein „Hyborisches Zeitalter“ beschrieb, eine archaische Welt voll finsterer Magie und epischer Gewalt. Ihr Held ist Conan, ein aufrechter Barbar, der die Segnungen und Schattenseiten der zivilisierten Welt gleichsam verachtend durchs Land streift und dabei immer wieder in übernatürliche Ereignisse oder große Konflikte verstrickt wird. Erst lange nach Howards tragischem Tod wurde der Wert seiner simplen, aber ungemein kraftvollen Prosa erkannt: Es folgten Comics mit dem barbarischen Cimmerier und schließlich auch ein Film, der maßgeblich an Arnold Schwarzeneggers Durchbruch beteiligt war. Der nahm es mit der Werktreue zwar nicht so genau, war allerdings wuchtig inszeniert und bot eine einmalige Atmosphäre – er genießt daher auch bei B-Fans ungebrochenen Kultstatus.

Nun also bringt der deutsche Regisseur Marcus Nispel nach „Pathfinder“ ein weiteres Epos um muskelbepackte Hünen und kalten Stahl in die Kinos – oder sagen wir eher: Er versucht es. Denn Epos ist viel gesagt für einen Film, der inszenatorische Standardkost bietet – ja, teilweise sogar Jacksons „Herrn der Ringe“ Konkurrenz macht, wenn es um die rohe und ungezügelte Schönheit der Drehorte geht – aber ansonsten ein etwa gleichteiliges Gemenge aus Brunftschreien, unfreiwilliger Komik und unverhohlenem Chauvinismus darstellt. So zeigt „Conan“ ab der sprichwörtlichen ersten Sekunde, welche Marschrichtung angesagt ist: Gewalt. Und zwar viel davon.

Jagdimpression: Khalar Zym

Das an sich wäre nichts Verwerfliches, geizt die literarische Vorlage ja auch nicht mit abgeschlagenen Gliedern und gespaltenen Schädeln – aber wenn Gewalt- und Kampfszenen als Dauerersatz für eine packende Geschichte herhalten, ermüdet dies selbst gestählte Gorehounds irgendwann: Bei Conan vergeht wahrlich nicht eine Minute ohne Action. Gäbe es auch nur den Hauch einer packenden Geschichte, einer charakterlichen Entwicklung, oder einer emotionalen Bindung zu den ruppigen oder einfach nur unsympathischen Charakteren, wäre dies noch nicht einmal der größte Kritikpunkt. Aber im Endeffekt sind es seelenlose Schablonen, die dort auf der Leinwand agieren: Die männlichen brunften, schreien und töten, die weiblichen kreischen, kichern, sind Objekt.

Selbst ein Stephen Lang, der als diabolischer Marine-Colonel in Camerons „Avatar“ der seelenlosen Militärmaschinerie ein digitales Gesicht verlieh, bleibt bei Conan ein narbiges Abziehbild dieser Rolle, ein „gewollt aber nicht gekonnt“. Rose McGowan darf als Marique ein wenig animalisch herumschnuppern und ein paar abgedroschene Klischees über Fantasy-Hexen bedienen, beziehungsweise inzestuös das Lager mit ihrem Vater teilen. Rachel Nichols, die als behütete Klosterinsassin Tamara besetzt wurde, ist in ihrer Belanglosigkeit wenigstens unaufdringlich – selten sah man eine Schauspielerin, der es besser gelang, dermaßen uncharismatisch jegliche Glanzlichter vermissen zu lassen. Sie ist einfach nur da – das filmische Äquivalent zu Gelatine oder der Farbe beige.

Jason Momoa: Nah dran am Vorbild? Optisch auf jeden Fall.

Und dann wäre da noch Jason Momoa als Conan: Der hawaiianische Seriendarsteller ist bekannt dafür, seine körperbetonten Rollen mit einer anziehenden Präsenz zu füllen, dies stellte er unlängst in HBOs Fantasy-Erfolgsserie „ A Game of Thrones“ als mächtiger Reiterfürst Khal Drogo unter Beweis. Ihm ist zu jeder Sekunde deutlich anzumerken, wie glücklich er darüber ist, Howards Barbaren verkörpern zu dürfen – kündigte Momoa schließlich bereits an, das Drehbuch für einen eventuellen zweiten Teil als Verbeugung vor dem Pulp-Autor selbst schreiben zu wollen. Aber auch diese Spielfreude nützt Momoa wenig, wenn das Script und die zahllosen Unzulänglichkeiten sowohl in der Produktion als auch in Nispels Unvermögen als Regisseur ihm konstant einen Strich durch die Rechnung machen: So bleibt sein Conan ein einsilbiger Klotz aus Testosteron, dessen hervorstechendste Eigenschaft Unhöflichkeit ist und dessen Oneliner „Weib, komm her“ ihn zum Zerrbild der einstigen Vorlage macht, einer Karikatur, die an das Artwork der Metal-Chauvis von „Manowar“ erinnert.

So dümpelt die Geschichte lustlos dahin – es ist ihr deutlich anzumerken, wie weit sie sich von der Buchvorlage entfernt hat. Dieser Schritt mag im Regelfall filmischen Schaffens eine gute Idee darstellen, ein notwendiger emanzipatorischer Schritt oder gar Befreiungsschlag kreativer Energien sein – die sonst von einer etwaigen Vorlage unterdrückt oder eingeschränkt würden – hier aber geht er nach hinten los: Den Machern hätte klar sein müssen, dass „Conan“ nunmehr schon seit geraumer Zeit Teil des popkulturellen Gedächtnisses ist, eine Ikone, die zwar weltbekannt ist, die aber nach wie vor von der Unterstützung und dem energetischen Hunger einer fanatischen Anhängerschar lebt. Es ist natürlich ein Drahtseilakt, sowohl diese Die-Hard-Fans, als auch den Massenmarkt zu bedienen. Da ist auch einem „Conan“-Aficionado wie meiner Wenigkeit klar, dass gewisse Dinge vereinfacht dargestellt werden oder gar weggelassen werden müssen – aber warum das mehrfach neu verfasste und immer wieder (zu oft?!) überarbeitete Drehbuch solche eklatanten Brüche mit Howards Werk aufweist, bleibt wirklich schleierhaft:

Berühmte Großstädte Hyborias wurden umbenannt, die hyrkanische Steppe ist plötzlich ein Nadelwald, der noch dazu am Meer liegt, usw. – nein, Nispel & Co, wenn ihr schon so anfangt, dann ist bei den Fans, beim Rückgrat euer zahlenden Klientel natürlich kein Staat zu machen! Da war ja selbst John Milius‘ Arnie-Conan strenger am Kanon der howard’schen Fiktion. So bleibt unterm Strich ein Film, der statt der versprochenen überlebensgroßen Epik nur eines bietet: Gähnende, uninspirierte Langeweile. Die aber immerhin in redundantem 3D.Na toll. Also heißt es für Fans wieder: Nochmal 30 Jahre warten. Wütend und unfassbar traurig macht mich nur, dass es für mich dann bereits zu spät sein dürfte. Danke auch, Warner!

 

Conan 3D



Dimitrios Athanassiou
Moviemaze.de
1/10 ★☆☆☆☆☆☆☆☆☆ 


Christian Gertz
nadann... Wochenschau, mehrfilm.de
1/10 ★☆☆☆☆☆☆☆☆☆ 


Klaus-Peter Heß
Münstersche Zeitung
1/10 ★☆☆☆☆☆☆☆☆☆ 


Bernhard Trecksel
Die Wochenschau
3/10 ★★★☆☆☆☆☆☆☆ 


Sascha Westphal
epd film, Die Welt, FR
1/10 ★☆☆☆☆☆☆☆☆☆ 


Durchschnitt
1.5/10 ★½☆☆☆☆☆☆☆☆ 





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INHALT

Um den Mord an seinem Vater und das Gemetzel an den Bewohnern seines cimmerischen Heimatdorfes zu rächen, macht sich Conan auf die Suche nach dem sadistischen Warlord, der das Blutbad verantwortet. Doch dieser Warlord, Khalar Zym (Stephen Lang), sucht seinerseits die junge Tamara (Rachel Nichols), die sich ihm immer wieder entzieht – sie spielt in einem rätselhaften Auferstehungsritual eine entscheidende Rolle. Als Conan Tamara entführt, um sie als Köder zu benutzen, verfolgen ihn Monster und ganze Heere, bis er sich in einer uralten verwunschenen Opferhöhle dem Kampf stellt.

Über Bernhard Trecksel

Bernhard Trecksel ist ein seltsames Nerd-Gewächs, dass abwechselnd Äonen hinter einem Videothekentresen verschimmelte, um dort niedere Arbeiten auszuführen und genug Filme für fünf Leben zu konsumieren, oder sich beim Studium der Archäologie und Skandinavistik mit alten Zeiten und längst toten Sprachen wie Schwedisch, Dänisch oder Norwegisch befasste. Da er schon immer schrieb, beschloss er, aus seiner schöpferischen Tätigkeit einen Broterwerb zu machen. Er mag generell alle Filme, außer RomComs, die er für absolute Vergeudung von begrenzter Lebenszeit hält - zumindest, wenn sie aus Hollywood, Deutschland oder einem anderen Land dieser Welt stammen. Seine Stärken liegen, sowohl was Filmkenntnisse als auch seine eigenen Stärken als Autor angeht, klar im Bereich Horror, Thriller, Fantasy. Wenn Bernhard keine Filme bespricht oder sich als Chefredakteur eines lokalen Blättchens in Allmachtsphantasien ergeht, verfasst er leidlich erfolgreich Cthulhu-Kurzgeschichten, übersetzt englische und skandinavische Interviews für gaming-Seiten im Web, schreibt Videospiel-Reviews für besagte Seiten oder arbeitet an einem seiner Bücher.
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Eure Kritiken zu Conan 3D

  1. RobbyTobby

    Schöner Text. Nur habe ich den Film und auch Mamoa nicht so „einigermaßen ok“ gefunden. Um es mit anderen Worten zu sagen: The film is a piece of shit! Hier stimmt wirklich garnichts. Ich weiß gar nicht, warum Macus Nispel mit seinen gewaltverherrlichenden Filmen immer wieder diese Verantwortung für so ein Objekt übertragen bekommt. Auf dass er niemals wieder nach Europa zurückkommen mag!

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