KRITIK

Coming in

Bild (c) Warner Bros. Pictures 2014.

Bild (c) Warner Bros. Pictures 2014.

Mit „Sommersturm“ hat Marco Kreuzpaintner vor zehn Jahren den bis dato besten deutschen Mainstream-Film zum Thema Coming Out gedreht. Sechs Jahre nach seinem Ausflug ins Fantasy-Genre mit der Preußler-Verfilmung „Krabat“ und nach Hollywood mit „Trade – Willkommen in Amerika“ (2008) kehrt der Regisseur zum alten Thema zurück, erneut mit Kostja Ullmann in einer Hauptrolle. Doch diesmal dreht er den Spieß boulevardkomödiantisch um: Ein Schwuler muss akzeptieren, dass er sich in eine Frau verliebt hat.

Kostja Ullmann spielt den Szenefriseur Tom, der einer schicken, rein männlichen Kundschaft in Berlin-Mitte die Strähnchen kürzt und gerade eine neue Serie von Beauty-Produkten vermarktet. Die soll in Zukunft auch von Frauen gekauft werden, weshalb er gleichsam zu Forschungszwecken in eine Neuköllner Frisierstube entsandt wird, wo schon bald das Unerhörte geschieht: Der Schickeria-Schwule verliebt sich in die unbedarfte Kiezfriseurin Heidi (Aylin Tezel, Dortmund-„Tatort“). Oh nein!

Dabei ist Tom eigentlich mit seinem Freund und Manager Robert (aalglatt: Ken Duken) glücklich, und auch Heidi ist liiert – mit einem Fußball-Proll. Toms queeres Umfeld ist empört und spinnt Intrigen, doch das ungleiche Liebespaar findet immer mehr zueinander.

Szene_Coming_inNatürlich hatte Kreuzpaintner hier nichts Steinzeitkonservatives im Sinn, es geht nicht ums „Umdrehen“ oder gar die „Heilung“ von Homosexuellen. Ihn interessierte eine Spielerei: Was geschieht, wenn die Liebe sich plötzlich für etwas anderes entscheidet als das, was in sozialen Gruppierungen als gegeben gilt? Das gut aufgelegte Ensemble (besonders amüsant: Katja Riemann als eiserne Lady des Friseursalons, August Zirner als väterlicher Dandy und Mavie Hörbiger als Kiezgöre) tut sein Bestes, um die Figuren nicht an die Karikatur zu verraten, Ullmann und Tezel harmonieren.

Entgegen mancherlei Befürchtung erweist sich der 1977 in Rosenheim geborene Marco Kreuzpaintner auch mit dieser Komödie einmal mehr als bildversierter Regisseur – doch anders als seine Inszenierung kann sich das Drehbuch nicht von den Fernsehstandards lösen. Die Albernheiten einer Typenklamotte wechseln sich ab mit allzu vielen Sentimentalitäten. Doch für nette Unterhaltung langt´s.

 




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INHALT

Tom Herzner (Kostja Ullmann) ist attraktiv, glamourös und erfolgreich. Er ist Berlins bekanntester Friseur und Star der Schwulenszene. Seine Kosmetikprodukte erobern halb Europa – aber eben nur halb, denn bisher verkauft er lediglich Shampoo für Männer. Um den Markt komplett aufzurollen, muss Tom herausfinden, was Frauen wollen. Seine Feldstudie führt ihn ins tiefste Neukölln, in den Salon der selbstbewussten Heidi (Aylin Tezel). Kiez trifft Glamour – das kann nicht gut gehen. Dennoch: Wider Willen ist der eingebildete Tom schwer beeindruckt von Heidis frecher Direktheit. Und sie entdeckt hinter Toms gestylter Fassade sehr bald einen verblüffend einfühlsamen Kollegen. Wie jetzt? Verliebt Heidi sich etwa in einen Schwulen? Tom weiß selbst nicht, wie ihm geschieht. Eine Frau? Was Tom und Heidi fühlen, passt in keine Schublade und Toms erste Gehversuche in der Welt der Heteros bleiben nicht ohne Komplikationen. (Text: Warner Bros. Pictures 2014)
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