KRITIK

Comeback, Das

Comeback, Das
Man kann von dieser Geschichte viel lernen. Es ist die erstaunlichste Geschichte des gesamten Boxsports, was Regisseur Ron Howard dem Film vorsichtshalber als Zitat vorangestellt hat, falls jemand es in den 145 Minuten nicht mitbekommt, die „Das Comeback“ dauert. Es ist die Biografie eines Mannes, der widerlegen konnte, was man so gern über die einmal besiegten Schwergewichts-Kämpfer sagt: Niemals kommen sie wieder.

Jim „Die Bulldogge“ Braddock, hier eindrucksvoll von Russell Crowe gespielt, hat in der Weltwirtschaftskrise alles verloren, das Geld, den Stolz. Mit gebrochener Hand und leerem Magen kämpft er trotzdem weiter. Ein Schaukampf, bei dem er bloß den lebenden Punchingball geben soll, führt ihn zum Triumph. Howard erzählt vom Leben des Jim Braddock, den sie „Cinderella Man“ nannten, mit dem Pathos des geborenen Predigers. Eigentlich verfilmt der gute Ron immer bloß Aschenputtel-Märchen, aber hier hat er noch ein bisschen mehr gefunden: einen Messias. Braddock wird zur Galionsfigur der Gebeutelten, zum Superhelden aus der Suppenküche, zum Boxprinzen der Herzen.

Man kann von dieser Geschichte viel lernen. Nicht nur Amerikaner können das, auch Europäer. In einer Zeit, als das Land depressiv danieder liegt, gibt Bulldogge Braddock, der liebende Familienvater, den Menschen Hoffnung. Er hält sich zurück, als ein Kumpel von ihm die Armen aufwiegelt, von Gewerkschaften faselt und zur Strafe stirbt. Er zahlt die empfangene Sozialhilfe zurück, als er wieder Geld hat. Frag nicht, was dein Land dir bezahlen kann, frag, was du deinem Land bezahlen kannst! Sein Manager und Freund Joe (Paul Giamatti aus „Sideways“) zieht da rührend mit, er hält „die Deckung oben“, was heißt, dass er in einer leeren Wohnung sitzt, aber die Fassade des Reichtums pflegt, statt irgendwem zur Last zu fallen – die Kunst des stilvollen Verarmens.

Man von dieser Geschichte viel lernen. Wie ein schlechter Boxfilm aussieht und dass Russell Crowe, der im Privatleben mit Telefonen nach Hotelportiers wirft, ein passabler Schauspieler ist, wenn er nicht gerade mit Ron Howard („A Beautiful Mind“) dreht. Und schließlich, dass keine Zeit so niederschmetternd sein kann, dass es kitschige Durchhaltewerke wie dieses braucht.



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INHALT

1928: Boxer James Braddock hofft auf den Schwergewichtstitel und führt mit Gattin Mae und drei Kindern ein sorgenfreies Leben. Vier Jahre später: Amerika steckt mitten in der Großen Depression, die Braddocks haben alles verloren. Nach Verletzungen wird Jim gar seine Boxlizenz entzogen, er schlägt sich als Hafenarbeiter durch. Schließlich verschafft ihm sein alter Manager eine letzte Chance im Ring. Und er nutzt sie.
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Eure Kritiken zu Comeback, Das

  1. Detlef74

    Ich kann die Meinung von euch nicht teilen. Ich fand den Film klasse. Ein sehr zu Herzen gehender Boxerfilm mit einem herausragenden Russel Crowe, absolut sehenswert. Trotzdem tolle Seite hier, weiter so!

  2. KayzerSoze

    Stimmt, Pathos und Kitsch finden hier zu viel Gewicht. Die ansonsten überzeugende Renee Zellwegger nervt durch die ewige verbissene Nörgelei, und das Herz von Jim Braddock (Russel Crowe) scheint unausschöpflich zu sein. Auch wenn ich selten bessere Boxszenen gesehen habe, Kitsch und Pathos nerven einfach zu sehr

  3. TitoTarantulla

    Ein herausragendes Werk. Mir haben die Boxszenen und das Durchhaltevermögen von V´braddock sehr gefallen. Selten hat man bessere Boxszenen gesehen. Russel Crowe und Renee Zellwegger waren auch klasse!

  4. stello

    oh jewarum nur sind die amerikaner dermaßen vaterlandsverliebt?! das hatten wir doch nun in genug filmen, warum also noch einer von dieser sorte???

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