KRITIK

Collide

Bild (c) 2016 Universum Filmverleih.

Bild (c) 2016 Universum Filmverleih.

Zunächst sollte man sich freuen: Eine namhafte Riege bekannter Hollywoodstars steht in und um Köln vor der Kamera, um eine rasante Action-Story vorzutragen. Und wenn sich dann tatsächlich am Ende einer turbulenten Action-Hatz Sir Anthony Hopkins und Ben Kingsley im letzten Drittel des Films in einer Kölner Kneipe gegenübersitzen, um sich zu duellieren, werden bei dem ein oder anderen Filmfan vielleicht Erinnerungen an ähnliche glorreiche Kombinationen „Hollywood-Star treibt sein Unwesen in einer europäischen (Groß-)Stadt“ geweckt. Mit „Brügge sehen und sterben“ oder „The Italian Job“ seien nur zwei an dieser Stelle erwähnt. Auch die Tourismusbranche wird dies mit Freude zur Kenntnis nehmen. Effektiver kann eine Werbung für eine Stadt kaum sein. Aber ist dem auch so, wenn der Film nicht gut ist?

Schlimmer. Der Film ist schlecht. Richtig schlecht. Und an der Story liegt es nicht allein. Das Grundgerüst „Verliebter Kleinkrimineller begeht einen Raubüberfall, um seiner todkranken Freundin eine Operation zu ermöglichen“ hatte zuvor schon unter ganz anderen Voraussetzungen (ohne namhafte Hollywood-Stars) funktioniert. In „Collide“ tragen die beiden Verliebten die Namen Casey (Kleinkrimineller) und Juliette (verliebte Kellnerin) und werden von Nicholas Hoult (Nux in „Mad Max: Fury Road„) sowie Felicity Jones („Die Entdeckung der Unendlichkeit“) verkörpert. Der Amerikaner Casey lernt die schöne Kellnerin Juliette in einer Kölner Disko kennen. Es ist die berühmte Liebe auf dem ersten Blick. Casey zieht sofort zu ihr, um wenig später zu erfahren, dass seine Freundin schwer krank ist.

Szene_06_CollideFür die lebensnotwendige Operation wollen beide zurück in ihre Heimat Amerika und benötigen dafür eine große Summe Geld: Der verliebte Casey lässt sich auf einen vermeintlich einfachen Job ein: Der durchgeknallte Dealer Geran (Ben Kingsley) plant seit geraumer Zeit einen Raubüberfall auf einen LKW seines gerissenen Partners Hagen Kahl (Sir Anthony Hopkins). Dies soll Casey zusammen mit seinem Freund erledigen. Als der Überfall entdeckt wird, gerät Casey zwischen die Fronten eines Schmugglerkrieges, und befindet sich plötzlich mit fünf Millionen Euro Drogengeld auf der Flucht vor zahlreichen Verfolgern. Eine Flucht, die nicht nur auf deutschen Autobahnen für zahlreiche Leichen sorgen wird. Immer wieder gelingt es Casey zwar, seine Verfolger abzuschütteln, aber nur bis der Spediteur und Drogenboss Hagen Kahl herausfindet, wie er ihn definitiv zur Umkehr zwingen kann …

Collide_Szene_20Angerichtet wird dieses leicht verdauliche Menü mit durchaus spektakulärer Auto-Akrobatik der bekannten deutschen Stunt-Cowboys von Action Concept („Alarm für Cobra 11“, „Der Clown“). Vorgetragen wie erwähnt von oscargekrönten Schauspiel-Ikonen wie Sir Anthony Hopkins und Ben Kingsley, talentierten Jungstars wie Felicity Jones und Nicholas Hoult und sogar bis in die Nebenrollen (Clemens Schick als stiller Auftragsmörder) hervorragend besetzt ist das Ergebnis jedoch seltsam unausgegoren. Hier zu viel Pfeffer, dort zu viel Ketchup. Dass in den Verfolgungsjagden Gesetze der Schwerkraft und der Legislative außer Kraft gesetzt sind – geschenkt. Dass aber den Protagonisten so übertrieben wie überflüssige Dialoge vom Drehbuch-Duo Eran Creevy (auch Regie) und F. Scott Frazier in den Mund gelegt wurden und unser Held Casey scheinbar sieben Leben hat, das sorgt im weiteren Verlauf der hahnebüchenen Handlung für gehörige Magenschmerzen. Der Betrachter schwankt ständig zwischen ungläubigem Kopfschütteln und fröhlichem Feixen ob der Abläufe und Handlungen der jeweiligen Figuren.

Collide_Szene_18Die krude Action-Hatz durch die Republik mit seltsamen Figuren erreicht einen unfreiwillig komischen Höhepunkt als plötzlich Joachim Król („Tatort“, „Ausgerechnet Sibirien„, „Zugvögel – Einmal nach Innari“) als Pick-Up-fahrender Bauer mit Schrotflinte unter dem Arm in einer Tankstelle auftaucht, um dem Helden bei einer Schießerei zur Seite zu stehen. Als sei es das Normalste der Welt in Deutschland. Natürlich kann sich Casey Dank dieser Schützenhilfe aus den Zwängen seiner Verfolger befreien um am Ende …. Aber das dürfte jedem klar sein. Zu diesem Zeitpunkt hat man längst das abschließende, überzuckerte Dessert in diesem deutsch-amerikanischen B-Movie-Menü verdaut und hofft darauf, dass alle Hollywood-Stars ohne allzu heftige Bauchschmerzen ihren Heimweg antreten konnten, … um passend zwei Jahre nach Drehschluss im deutschen Auto-Kino in Köln-Porz die Deutschland-Premiere des Films zu feiern.

 

 

 

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INHALT

Wie weit würdest Du für die Liebe gehen? Der junge Amerikaner Casey (Nicholas Hoult) riskiert alles, als er erfährt, dass seine Freundin Juliette (Felicity Jones) für eine lebensnotwendige Operation eine große Summe Geld benötigt: Er lässt sich auf einen vermeintlich lukrativen Job für den durchgeknallten Dealer Geran (Ben Kingsley) ein und gerät zwischen die Fronten eines Schmugglerkrieges, den dieser mit dem schwerreichen Geschäftsmann und Drogenboss Hagen Kahl (Anthony Hopkins) austrägt. Mit fünf Millionen Euro Drogengeld sieht er sich plötzlich auf der Flucht vor zahlreichen Verfolgern, die Autobahn wird zum Austragungsort einer atemlosen PS-Jagd. Immer wieder gelingt es Casey zu entkommen, bis Hagen Kahl herausfindet, wie er ihn definitiv zur Umkehr zwingen kann. Ein explosiver Countdown beginnt ... (Text: Filmverleih)
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