KRITIK

Codename U.N.C.L.E.

Bild (c) 2015 Warner Bros Ent.

Bild (c) 2015 Warner Bros Ent.

Als die Spionageserie „Solo für O.N.C.E.L.“ in den 1960er Jahren über die Bildschirme flimmerte, präsentierte sich die Weltordnung noch hübsch übersichtlich: Im Kalten Krieg waren die Fronten klar auf West und Ost verteilt, die Musik war cool und die Mode schick gemustert. Kein Wunder also, dass in Zeiten dezentralen Terrors Sehnsüchte nach einer derart wohlstrukturierten Dekade aufkommen. Bedient werden sie durch diesen Kinofilm, ein sogenanntes „Reboot“ der fünf Jahrzehnte alten TV-Serie.

Das Beste kommt dabei gleich zu Beginn: Wie in den 007-Filmen gibt es eine spektakuläre Eröffnungssequenz zu bestaunen. CIA-Agent Napoleon Solo (Henry Cavill, „Man of Steel“) soll eine Ost-Berliner Nazitochter (Alicia Vikander, „Ex Machina“) über die Mauer in den Westen entführen, der KGB-Spion Illya Kuryakin (Armie Hammer, „Lone Ranger“) muss dies verhindern. Die irre Hatz im Trabi durch ein schön schattiges Kalter-Kriegs-Berlin zieht alle Register der Action-Montage und des Sound-Designs: Das ist unbedingt sehenswert und lohnt schon die Eintrittskarte.

Szene_UNCLE_2Doch anders als die Bond-Filme, deren Eröffnungssequenzen nur eine Messlatte setzen, die im Rest des Films mehrfach übersprungen werden muss, rumpelt „Codename U.N.C.L.E.“ nach tollem Start eher mittelmäßig vor sich hin. Der Geschichte um Nazis, die einen Atomkrieg planen, mangelt es an Spannung. Regisseur Guy Ritchie müht sich derweil, das Rezept seiner erfolgreichen „Sherlock Holmes“-Kinofilme auf die Welt der Sixties-Spionage anzuwenden: So müssen sich auch die bald zur Zusammenarbeit verdonnerten Solo (West-Playboy) und Kuryakin (Ost-Roboter) frotzelnd aneinander abarbeiten. Leider verfügen die beiden Darsteller nicht über das selbstironische Charisma von „Holmes“ Robert Downey Jr. und „Watson“ Jude Law. Speziell Cavill spielt seinen Womanizer wie einen bräsigen Roger-Moore-Imitator.

Vor allem gefällt sich der Film als selbstverliebte Ode ans Sixties-Design. Mitunter kommt die Handlung fast zum Erliegen, damit sich die Kamera ausgiebig an den akribisch nachgestellten Dekors und Kleidungsstücken weiden kann. Das ist nett, mehr aber nicht – wie auch die Gastauftritte von Hugh Grant (als Chefspion) und Sylvester Groth (als Nazi). In möglichen Fortsetzungen wäre ein raffinierterer Plot unbedingt wünschenswert.

 

 

 



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