KRITIK

Coco Chanel und Igor Stravinsky

Coco Chanel und Igor Stravinsky Am Anfang kommt das Beste: die legendäre, in Buhs und Handgreiflichkeiten untergegangene Pariser Uraufführung des „Sacre du Printemps“, jener berühmtesten und seinerzeit rhythmisch revolutionären Ballettmusik des russischen Komponisten Igor Stravinsky. Regisseur Jan Kounen („39,90“) inszeniert die von Vaslav Nijinsky choreographierte Aufführung und die immer weiter ins Chaos driftende Empörung im Zuschauersaal des Théâtre des Champs-Élysées mit agiler Kamera und setzt dabei auf den Blick von der Bühne ins Publikum, über die Tänzer und das stoisch weiterspielende Orchester hinweg: Musikgeschichte als fesselndes, gekonntes „Re-Enactment“.

Nach zwanzig Minuten kann man dann eigentlich gehen. Denn der „Sacre“-Skandal bildet nur das Präludium zu einer üppig ausgestatteten, dekorationsverliebt inszenierten Liebesgeschichte zwischen dem Komponisten und der Mode-Pionierin Coco Chanel. Jene war 1913 bei der Ballettpremiere anwesend und sah seither wohl eine Seelenverwandtschaft zu dem verqueren Tonsetzer: ein Aufbegehren gegen die Konventionen am Anbeginn der ästhetischen Moderne.

Der Rest spielt 1920 im Landhaus der Chanel. Den vor der russischen Revolution geflohenen Komponisten beherbergt sie dort samt Familie, eine in brünftiger Erotikfilmmanier abgefilmte Affäre entspinnt sich und dröselt wieder aus. Die Ehefrau leidet still, während sich die taffe Modeschöpferin (kompetent gespielt vom Chanel-Model Anna Mouglalis) und das zerquälte Musikgenie (routiniert: Mads Mikkelsen, derzeit auch beim „Kampf der Titanen“ dabei) in ihren Gegensätzen spiegeln: viel Klischee, viel Oberflächen-Ödnis. Über Strawinskys Musik, über Chanels mode-ästhetische Revolutionen erfährt man, nach dem durchaus furiosen Beginn des Films, so gut wie gar nichts mehr.



Ähnliche Beiträge:

INHALT

Im Théatre des Champs-Élysées in Paris findet die Uraufführung von Igor Stravinskys "Le sacre du printemps" statt. Coco Chanel besucht die Vorführung und ist fasziniert. Aber das revolutionäre Stück ist zu modern, zu radikal: Die Premiere wird zu einem gigantischen Skandal. Stravinsky ist am Boden zerstört. Sieben Jahre später - Coco Chanel ist inzwischen wohlhabend, angesehen und erfolgreich - begegnen sich die beiden wieder. Die Anziehungskraft zwischen ihnen ist sofort spürbar und elektrisierend.
Dieser Beitrag wurde unter Kritik abgelegt und mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kritik schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*