KRITIK

Cloverfield

Cloverfield Ein Ereignis, von dem es keine Bilder gibt, hat praktisch nicht stattgefunden. Wobei man sich in Zeiten von Fotohandys und Digi-Cams keine Sorgen machen muss, dass etwas unbeobachtet bleibt. Irgendein Amateurfilmer ist immer live dabei.

Wenn Regisseur Matt Reeves die Apokalypse über New York hereinbrechen lässt und man die gewaltige Staubwolke einstürzender Hochhäuser durchs Objektiv eines Amateurfilmers auf sich zurollen sieht, dann erinnert das selbstverständlich an die verwackelten Aufnahmen vom 11. September – an die erste Echtzeit-Katastrophe also, deren Verursacher auf die Wirkung der Bilder spekulierten. Auch Matt Reeves` Monster ist ein PR-Profi des Schockeffekts: Es knallt den abgerissenen Kopf der Freiheitsstatue mitten auf die Straßen Manhattans.

„Cloverfield“, das ist der Clou dieser grandios-spannenden Horror-Hommage, ist durchweg aus subjektiver Perspektive gefilmt. Der smarte Rob (Michael Stahl-David) hat einen Job in Japan angenommen, im Godzilla-Land also, und seine Freunde schmeißen eine Überraschungs-Abschiedsparty für ihn. Dem besten Kumpel Hud (T.J. Miller) fällt die Aufgabe zu, mit der Videokamera ein paar gute Wünsche der Gäste einzufangen. Der Zuschauer sieht, was Hud filmt: fröhliche Angetrunkene, auch ein Eifersuchtsdrama zwischen Rob und der schönen Beth (Odette Yustman), seiner langjährigen besten Freundin, mit der er kurz zuvor einen One-Night-Stand hatte. Und ebenso, wie die Dinge plötzlich in Bewegung geraten. Was erst für ein Erdbeben gehalten wird, entpuppt sich als Monster-Mutant mit Echsenschwanz, der eine Schneise der Verwüstung durch den Big Apple schlägt.

Zugegeben, damit Reeves und sein Drehbuchautor Drew Goddard diese Sicht des Desasters durchhalten können, müssen sie uns weismachen, dass Hud noch im schlimmsten Moment an seiner Kamera festhält, statt die Beine in die Hand zu nehmen. Aber derart lustvoll zitieren sich die beiden durchs Katastrophen- und Grusel-Genre (vom „Flammenden Inferno“ bis zu „Blair Witch Project“), so atemlos und voll zynischem Witz inszenieren sie die Jagd der versprengten Party-People durch New Yorks Straßen und U-Bahn-Schächte, dass man gebannt folgt – solange der Akku hält.



Ähnliche Beiträge:

INHALT

Bei einer ausgelassenen Party wird eine Gruppe von New Yorkern von ohrenbetäubendem Lärm abgelenkt. Kurz darauf fliegt der Kopf der Freiheitsstatue durch die Straßen: Ein riesiges Monster greift die Stadt an, und die jungen Leute zeichnen den gesamten Angriff und das zunehmend verzweifeltere Militär auf Video auf.
Dieser Beitrag wurde unter Kritik abgelegt und mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Eure Kritiken zu Cloverfield

  1. Rihanna

    Mir wurde richtig übel bei dem Kameragewckel. Und gut fand ich die Schauspieler auch nicht. Echt enttäuschend.

  2. Fiska

    Interessant gefilmt. Endlich mal kein typisch amerikanisches Ende!!

  3. Ralle

    Die Idee einen Monsterfilm aus der Handkameraperspektive zu machen finde ich sensationell, warum ist da eigentlich noch keiner drauf gekommen? Man fühlt sich ständig mitten im Geschehen und läuft gemeinsam mit den Film-Charakteren atemlos durchs nächtliche New York.

Kritik schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*